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Meinung: Ein überhasteter Transfer würde das Gesamtkonstrukt stören

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Eigentlich hat Hannover 96 seine Transferplanungen für diesen Winter abgeschlossen und fokussiert sich bereits auf potentielle Neuzugänge im Sommer. So kursiert beispielsweise das Gerücht um Bayern-Talent Armindo Sieb im Dunstkreis. Weit in die Zukunft gesponnen könnte er der Newcomer in der Sturmzentrale werden – genau auf der Position, wo aktuell Gesprächsbedarf herrscht. Wirft Marcus Mann sein Vorhaben noch einmal über den Haufen?

Hannover 96 hat sich in den letzten Wochen gefangen und ist auf den Erfolgspfad aufgesprungen. Die drei Pokaltore gegen Gladbach ließen die Hoffnungen auf Torhunger emporschnellen, doch gegen Dresden versemmelte man erneut zu viele Gelegenheiten. In 20 Spielen erzielten die Roten lediglich 15 Treffer – schlechtester Wert in der zweiten Bundesliga. In acht Partien blieb man ohne Torerfolg, auch in dieser Statistik gehört Hannover eher zu den Absteigern. Erfolgreichster Schütze ist Mittelfeldspieler Sebastian Kerk mit fünf Treffern, bei unseren Stürmern Maximilian Beier und Hendrik Weydandt steht lediglich ein Törchen auf der Habenseite. Neuzugang Lukas Hinterseer konnte noch kein Erfolgserlebnis verzeichnen.

Immer wieder wird betont, dass insbesondere der talentierte Beier wichtig für das Angriffsspiel ist und unabdingbare Lücken in die Hintermannschaften reißt. Auch seine Schnelligkeit und Robustheit wollen wir der TSG-Leihgabe keinesfalls absprechen. Doch unter dem Strich zählen Treffer. Dass der 19-Jährige über das Potential und die Coolness verfügt, hat er gegen Gladbach bewiesen. Doch in der Liga ist der Knoten noch nicht geplatzt. Man hat das Problem erkannt, dass er als alleinige Sturmspitze etwas in der Luft hängt und seine Leistung nicht vollends ausschöpfen kann. Mit der Rückkehr von Cedric Teuchert hat man dem entgegengesteuert.

Die Rückholaktion von Cedric Teuchert hat neue Euphorie entfacht. Gegen Heidenheim soll sein erster Treffer her.

Doch hinter Cedi und Beier klafft eine gewaltige Lücke. Zwar ließ Weydandt im Pokal aufhorchen, doch diese Leistung muss er erst einmal bestätigen. Zu inkonstant trat er vor der Winterpause auf. Einreihen kann sich hier auch Lukas Hinterseer. Der Österreicher kam als Hoffnungsträger – doch noch hat er absolut gar nicht zu seinem Spiel gefunden. In zehn Spielen brachte er es auf eine Vorlage, deutlich zu wenig. Zufriedenheit mit sich selber sieht anders aus, Hinterseer befindet sich in einem gefährlichen Teufelskreis.

Jene Entwicklungen haben dazu geführt, dass die Debatte um einen neuen Stürmer noch in diesem Transferfenster wieder lauter werden. Auch Präsident Kind schließt einen weitere Neuverpflichtung nicht aus.

„Wenn es einen gäbe, bei dem alle sagen, der ist es, dann können wir darüber reden“

Trainerstab und Manager vertreten derweil eine andere Auffassung. Man könne das Ziel auch ohne neuen Input erreichen. Das klingt absolut machbar, doch was ist das Ziel? Das weiß derzeit keiner so genau. Der Aufstieg ist passé, auch zum Relegationsplatz hat man einen beruhigenden sieben-Punkte-Vorsprung. Mit dem „Ziel“ meint man wohl einen soliden Mittelfeldplatz – weitere Tore würde da nicht schaden. Doch die Argumente, um die Füße still zu halten, sind vielseitig.

Zum einen ist der Sommertransfermarkt immer besser besetzt als die kürzere Winterperiode: Mehr Zeit, größere Auswahl und in der Regel bessere Qualität. Marcus Mann hat das richtige Händchen, mit genügend Vorbereitungszeit kann man da „schon mal was geiles aus dem Hut zaubern“. Bei einer hastigen Verpflichtung bis Ende Januar wäre hingegen keine Spur von ausführlicher Analyse und Vorbereitung.

Darüber hinaus sind die Ansprüche wie erwähnt moderat. Mit dem derzeitigen Kader sind Sprünge nach oben definitiv machbar. Vor allem, wenn man Cedric Teuchert in Ruhe in Hannover ankommen und die negativen Schlagzeilen nicht aufflammen lässt. Seine Scorerqualität dürfte den Niedersachsen in guter Erinnerung sein und auch der 25-Jährige will an diesen Zeiten anknüpfen. Ein zusätzlicher Spieler würde nur Unruhe in diesen Plan bringen, zumal die Doppelspitze mit Beier noch ein absolut junges Konzept ist. Diese Entwicklung sollte man nicht unterbrechen und die Akteure unnötig verunsichern. Die Moral ist aktuell gestärkt, eine Grätsche des Managements wäre unangebracht.

Nicolo Tresoldi gilt als neuer Stern am 96-Himmel. Coach Dabrowski schätzt sein Potential, will den 17-Jährigen jedoch behutsam aufbauen

Auch hinsichtlich der Breite des Kaders kann man nicht meckern. Die gesetzte Doppelspitze ist fit, mit Hendrik Weydandt, Sulejmani und Hinterseer hat man drei Spieler in der Hinterhand. Irgendwann wird auch bei ihnen der Knoten platzen – und für frischen Wind in den letzten Spielzügen reicht es definitiv. Zudem hat man noch einige junge Trümpfe in der Hinterhand – allen voran den zuletzt in den Fokus gerückten Nicolo Tresoldi. Der Italiener gilt als Juwel im 96-Umfeld, Dabrowski will das Talent in Ruhe aufbauen. Gut möglich, dass Tresoldi noch in dieser Saison seinen ersten Profieinsatz verbuchen kann. Diese Aussichten sind motivierend – und auch dieser Motivation könnte man mit einer Neuverpflichtung einen Dämpfer versetzen.

Alles in allem sollte man die Füße stillhalten und sich nicht zu überhasteten Transfers hinreißen lassen. Dies hat 96 in der Vergangenheit zu häufig getan und zu häufig ist der Plan gescheitert. Das Gesamtkonstrukt harmoniert derzeit sehr gut, diesen Aufschwung sollte man nicht durch dritte Einflüsse stören.

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