Abstiegskandidat? Warum die Eintracht weder S04 noch Werder ist

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Ist Eintracht Frankfurt nach Platz fünf in der vergangenen Saison und dem Stotterstart plötzlich ein Abstiegskandidat? Diverse Medien zeichnen schon seit Wochen Negativszenarien rund um den hessischen Traditionsverein. fussball.news erklärt, warum die Eintracht nicht das gleiche Schicksal wie zuletzt Schalke 04 oder Werder Bremen ereilen wird.

Seit einigen Wochen schon ist die Berichterstattung rund um Eintracht Frankfurt eine äußerst kritische. Begonnen hat alles mit einem Kommentar von Bild-Journalist Walter M. Straten, der die Eintracht als Abstiegskandidaten bezeichnet hat und titelte: "Für Frankfurt wird's eng!" Der schlechte Start mit Pokal-Aus beim Drittligisten Waldhof Mannheim und nur zwei Punkten aus drei Spielen (darunter der FC Augsburg und Arminia Bielefeld) in der Bundesliga war Wasser auf die Mühlen von Stratens Prognose und aller Eintracht-Kritiker. 

Straten, der früher vor allem eine sehr enge Bindung zum DFB und den Teamchefs Franz Beckenbauer und Jürgen Klinsmann hatte, stellt gerne provokante Thesen auf, mit denen er häufiger auch mal falsch liegt. Auch weil es ihm an Nähe zu den Bundesliga-Klubs fehlt. Diverse Medien sind dem Journalisten in Sachen Bewertung der Eintracht und der düsteren Prognose allerdings gefolgt. Ein weiterer Traditionsverein vor dem Absturz? Damit lassen sich gute Schlagzeilen machen. Nach Einschätzung von fussball.news ist das Szenario Eintracht Frankfurt als Abstiegskandidat ein äußerst abwegiges, das dem Klub gegenüber schon fast unfair ist. fussball.news nennt drei Gründe, warum die Eintracht deutlich besser aufgestellt ist als die Traditionsvereine FC Schalke 04 (Abstieg 2021), Werder Bremen (2021) oder der VfB Stuttgart (2019) bei ihren jeweiligen Abstürzen und Abstiegen.

1. Keine Newcomer in der sportlichen Führung

Die Eintracht steckt zwar im Umbruch und die sportliche Führung hat sich mit Sportvorstand Markus Krösche und Trainer Oliver Glasner neu aufgestellt, doch die beiden neuen wichtigen Männer sind in der Bundesliga keine Unbekannten. Glasner trainierte zuvor zwei Jahre den VfL Wolfsburg, brachte diesen in die Champions League und hat in Österreich zuvor lange als Trainer gearbeitet. Und selbst Markus Krösche kann trotz seiner jungen 40 Jahre schon einiges an Erfahrung vorweisen, Der ehemalige Profi hat RB Leipzig zwei Jahre lang auf Champions League-Kurs gehalten und zuvor bereits beim SC Paderborn mit geringem Budget großen Erfolg gehabt. Bei der Eintracht gewann der gebürtige Hannoveraner mit seiner Führung in den Fällen Kostic und Younes deutlich an Profil. Bei Schalke 04 saß hingegen in der Abstiegssaison mit David Wagner zu Beginn ein Bundesliga-Rookie auf der Trainerbank, der zwar nach zwei Spieltagen bereits gehen musste, aber insgesamt 18 Spiele in Folge sieglos blieb. Der Anfang vom Ende. Mit Jochen Schneider saß zudem ein Manager in der sportlichen Führung, der zuvor nie so viel Verantwortung hatte. Beide konnten die negativen Entwicklungen im Verein nicht verhindern. Ebenso erging es zuvor auch 2018/19 Nico Willig (VfB Stuttgart) zum Ende der Saison, der die Schwaben nicht mehr retten konnte und selbst Florian Kohfeldt war zwar lange bei Werder Bremen, aber saß dort zum ersten Mal bei den Profis auf einem Trainerstuhl. 

2. Leistungsträger konnten (fast) alle gehalten werden

Mit Andre Silva verlor Eintracht Frankfurt seinen Toptorjäger. Der Portugiese traf in der vergangenen Saison in der Bundesliga 28-mal. Ansonsten sind in Frankfurt aber alle Leistungsträger - trotz einiger Wechselpossen - an Bord geblieben. Beim FC Schalke 04 hingegen verließen vor der vergangenen Abstiegssaison Leistungsträger wie Weston McKennie und Ozan Kabak (im Winter) den Klub, im Laufe der Saison wurden die Ex-Profis Klaas-Jan Huntelaar und Sead Kolasinac zurückgeholt, die den Abstieg aber ebenso wenig wie Weltmeister Shkodran Mustafi verhindern konnten. Vor allem an echten Identifikationsfiguren fehlte es. Allesamt Auswirkungen einer schlechten Personalpolitik, die auch Werder Bremen in der vergangenen Saison den Abstieg kostete. Die Abgänge von Leader Davy Klaassen und Max Kruse (schon 2019) konnten dort im Laufe der Saison nie kompensiert werden. In Frankfurt hingegen blieb das Gros der Mannschaft zusammen, Leistungsträger wie Filip Kostic oder Kevin Trapp sind zudem schon einige Jahre bei den Hessen. Außerdem kamen junge Talente hinzu und sollen die Entwicklung des Klubs mittelfristig vorantreiben. Schnellschüsse gab es auf dem Transfermarkt keine. 

3. Außer im Team keine Unruhen

In Frankfurt gibt es außerhalb der Mannschaft quasi keine Baustellen. Finanziell ist der Klub trotz der Coronakrise ordentlich aufgestellt. Beim ersten Heimspiel waren 22.000 Fans im Deutsche Bank Park vor Ort. Bei den Anhängern ist das Vertrauen in die handelnden Personen groß und vor allem kann der Anhang der Frankfurter in dieser Saison auch wieder einen Unterschied machen. Als Konstante in der Führungsebene gilt vor allem Vorstandssprecher Axel Hellmann, der die Entwicklung des Vereins stetig vorantreibt und den Blick für das große Ganze behält und dabei auch Einheit schafft. Die wichtigen Entscheidungen in der Trainersuche und der Suche nach dem neuen Sportvorstand wurden in Ruhe und mit Weitsicht getroffen, die Verantwortlichen ließen sich nicht drängen. Der Verein steht trotz des sportlichen Umbruchs und den Querelen um Amin Younes und Filip Kostic auf gesunden Füßen und könnte womöglich in dieser Saison die Top 6 in der Bundesliga verpassen. Sollten die Hessen aber tatsächlich in akute Absitegsnöte geraten, käme das einem negativen Fußballwunder gleich. 

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