90PLUS
·29 August 2025
14 Jahre ohne „dieses Kribbeln“: Hamburg-Derby elektrisiert nicht nur den Norden

In partnership with
Yahoo sports90PLUS
·29 August 2025
Wenn die mächtigen Masten den Rasen im Volkspark am Freitagabend in gleißendes Licht tauchen und 57.000 Fans ihre Teams aus voller Kehle anfeuern, dann hat das große Warten ein Ende. Das Warten auf eine Partie mit ganz besonderer Wucht, auf die Rückkehr der Bundesliga in den Hamburger Fußballtempel nach mehr als sieben Jahren – und auf das erste Derby im Oberhaus seit 2011.
Das spezielle 112. Pflichtspielduell zwischen dem Hamburger SV und dem FC St. Pauli, das die Hansestadt schon seit Tagen elektrisiert, lässt natürlich auch die Protagonisten nicht kalt. Längst sei da ein „Kribbeln“ und eine „Vorfreude“ auf die Stadtmeisterschaft am Freitag (20.30 Uhr/Sky) zu spüren, sagte HSV-Trainer Merlin Polzin: „Wir wollen mit aller Macht gewinnen und alles rauslassen, was in uns steckt.“
2666 Tage ohne Bundesligaheimspiel haben die HSV-Fans erleiden müssen, und der Coach, einst selbst regelmäßig in der Kurve, litt mit. Nun will er dem Verein wieder ein ganz bestimmtes Selbstverständnis einimpfen: „Der HSV ist für mich Hamburg“, sagte Polzin, „der HSV ist der Norden.“
Auf St. Pauli sieht man das naturgemäß anders. Und fühlt sich nach dem furiosen Auftakt gegen Borussia Dortmund (3:3) am vergangenen Wochenende auch sportlich gerüstet. Von der Wucht des Volksparks jedenfalls lässt sich Alexander Blessin nicht einschüchtern. „Ich finde es geil, wenn man mich auspfeift“, sagte der Trainer und schwelgte in Erinnerungen an seine Zeit als aktiver Spieler: „Neid kriegt man nicht umsonst, den muss man sich erkämpfen.“
Ein bisschen neidisch dürften sie beim HSV zuletzt tatsächlich gen Südosten geblickt haben, vom Volkspark in Stellingen in Richtung des Millerntors, weil sich der Kiezklub nach dem Aufstieg doch recht souverän im Oberhaus hielt. Doch nun wollen sie den aufmüpfigen kleinen Nachbarn endlich wieder überflügeln.
„Wir werden am Freitag nicht elf gegen elf spielen. Sondern wir sind mindestens 50.000 HSVer, die alles dafür geben werden, dass wir den Derbysieg holen“, sagte Polzin. Immerhin machte der HSV auch bei den Aufeinandertreffen der jüngeren Vergangenheit die bessere Figur und geht als hauchzarter Favorit in die Partie.
Die Fußballfans in der Hansestadt jedenfalls sind bereit für das nächste Kapitel Derby-Historie. Beide Seiten treffen sich vor der Partie zu einem Fanmarsch, wobei es sich bei der Anreise der St. Pauli-Anhänger eher um eine „Fanfahrt“ mit Fahrrädern und Rollern handeln soll.
Die Sorge vor gewaltsamen Auseinandersetzungen fährt an einem solchen Derby-Tag mit. Zuletzt blieben dramatischere Krawalle auch dank erhöhter Polizeipräsenz in der ganzen Stadt aus. Polzin versuchte dennoch vorsorglich, beruhigend auf die Fanlager einzuwirken. Neben aller Rivalität gehe es darum, „dass es sehr friedlich abläuft“, sagte er, das „sollte für uns alle in Hamburg an oberster Stelle stehen“.