Wochenschau: Was für Avengers? Die echten Blockbuster gibt's im Pokal | OneFootball

Wochenschau: Was für Avengers? Die echten Blockbuster gibt's im Pokal

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Dominik Berger

Am Sonntag werden wieder einmal die Oscars in Los Angeles verliehen. Wir gehen gerne mal zur Abwechslung zum Fußball ins Kino. Sei es die perfekt choreographierte Action, das epische Drama oder die Spannung bis zum Schluss, uns fesselt so einiges im Lichtspielhaus.

Solche Filme waren und sind absolute Straßenfeger. Sie sind allerdings auch meistens eins: vorhersehbar. Am Ende gewinnen die Guten, weil sie eben die Guten sind. Der Böse kommt hinter Gitter, natürlich. Das Drama geht am Ende eigentlich auch immer gut aus, auf Regen folgt immer Sonnenschein.

So ist es mittlerweile auch im Fußball. Am Ende gewinnen die großen Mannschaften die Meisterschaft, den Pokal und die Champions League. Eigentlich. Denn zumindest im Pokal hat der Fußball mal wieder bewiesen, dass er mit Kinofilmen nicht so viel zu tun hat, er ist eher Theater. Modernes Theater, kein alter Schinken.

Mit ganz verrückten Wendungen und unerwarteten Ergebnissen, die die Zuschauer mit Staunen im Gesicht und vielen Fragen zurücklassen. Die einen aber nachträglich noch lange beschäftigen. Im Prinzip irgendetwas von Arte, nur echt mit französischen Untertiteln.

Kommen wir zurück zu den Fragen, die sich die Fußballfans in Europa in dieser Woche stellten.

Da wäre zum einen die große Frage an die englischen Kollegen, was der Pokal ihnen eigentlich getan hat, dass er so stiefmütterlich behandelt wird. Zahlreiche Vereine nutzten den FA Cup mittlerweile zum Auflaufen einiger Reservisten und schonten ihre Stars. So verkommt der älteste Pokalwettbewerb der Welt zu einem unbeliebten Pflichttermin im ohnehin schon aufgeblähten Terminkalender der englischen Teams.

Der FC Liverpool war sich beispielsweise nicht zu schade, gegen den Drittligisten aus Shrewsbury eine bessere Schülertruppe auf den Platz zu schicken.

Sämtliche Profis schipperten in ihrem Kurzurlaub schon auf ihren gemieteten Yachten durch diverse arabische Emirate, einzig James Milner guckte sich das Spiel im Stadion an. Die LFC-Kids, der jüngste Spieler war gerade mal 16 Jahre alt, entschieden das Spiel dann tatsächlich auch für sich. Durch ein Eigentor des Gegners.

Für viele der Jungs war das in ihrer jungen Karriere sicherlich eines der größten Highlights, ein Heimspiel im ausverkauften Anfield, für die Fernsehzuschauer war es gar nichts. Wörtlich gesprochen gar nichts, die FA hatte auf eine Live-Übertragung verzichtet und stattdessen lieber Newcastle gegen Oxford gezeigt.

Zum Glück entschied man sich in anderen Ländern dazu, die Spiele auch alle zu übertragen. Denn besonders die Teams in Deutschland, die sonst nicht zum erlauchten Favoritenkreis in der Bundesliga gehören, also eigentlich alle außer Bayern und mit Abstrichen Dortmund, werden nicht müde zu betonen, wie wenig Spiele es nur braucht, um in dieser Saison eine Trophäe klarzumachen.

Dass sowas auch in einem Fluch enden kann, wissen die Anhänger der Hertha zu berichten, die sich nach jedem Ausscheiden wieder anhören müssen, dass ihnen auch in diesem Jahr das Endspiel im eigenen Wohnzimmer entgehen wird. So langsam werden sich aber auch die Dortmunder Fans fragen, ob sie irgendeiner Art Nemesis aufgesessen sind.

Spätestens wenn der Name Bremen im Zusammenhang mit dem Pokal fällt, werden sich die schwarz-gelben Nackenhaare aufstellen und ein Angstschauer läuft den Rücken runter. Zum zweiten Mal in Folge scheiterte man im Achtelfinale an den Bremern. Trainer Favre musste sich danach einige Fragen gefallen lassen, insbesondere den Jokereinsatz von Torgarant Haaland musste der Schweizer anschließend öfter verteidigen.

Gleiches könnte man auch in Leipzig mit Werner machen, Eintracht Frankfurt schlug den Tabellenzweiten und eigentlichen Favoriten binnen weniger Wochen gleich zweimal und sorgte so bereits im Achtelfinale für ein Favoritensterben. David setzte sich definitiv öfter durch als Goliath. Grüße gehen an dieser Stelle raus an Saarbrücken.

Apropos Duell Groß gegen Klein oder besser grande contra pequeño, in Spanien haben sie infolge einer Reform beschlossen, den diesjährigen Pokal einfach mal in drei Monaten durchzuballern. Am Donnerstag gelang es zunächst Real Sociedad Real Madrid im eigenen Stadion zeitweise vorzuführen und hochverdient im Bernabeu zu gewinnen. Zwei Stunden später köpfte der Baske Iñaki Williams das krisengeschüttelte Barcelona aus dem Pokal.

Das hat nun zur Folge, dass mit Mirandes, Granada, Bilbao und Real Sociedad vier Davids im Halbfinale (übrigens die einzige Runde mit Hin- und Rückspiel) stehen. So beginnt diese Dekade im spanischen Fußball wie die letzte, auch damals stand weder Barça noch Real im Halbfinale.

Deswegen unser Appell an Dich: Lass das Kino weg, geh mal wieder ins Theater. Oder zum Pokal, dort erlebst Du noch echtes Drama.