🔼 Was wĂ€re, wenn Deutschland 2014 gegen Algerien verloren hĂ€tte?

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Erik Schmidt

Artikelbild: 🔼 Was wĂ€re, wenn Deutschland 2014 gegen Algerien verloren hĂ€tte?

Und wie er ihn gemacht hat! Im WM-Finale zwischen Deutschland und Argentinien verwertete der eingewechselte Mario Götze am 13. Juli 2014 in der 113. Spielminute mit der puren Leichtigkeit des Seins eine Steilvorlage seines Kompagnon AndrĂ© SchĂŒrrle und bewies damit nicht nur der Welt, dass er mehr draufhat als dieser Lionel Messi, sondern verhalf dem DFB-Team dadurch auch zum vierten Stern.

Es war die Krönung einer goldenen Generation: Spieler wie Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger und Miroslav Klose zogen mit diesen Triumph endgĂŒltig in den deutschen Fußball-Olymp ein. Joachim Löw, der Architekt des Erfolgs, erwarb sich dank des Titels sogar einen derartigen Kredit, dass er bei der folgenden WM in der Gruppenphase rausfliegen durfte. Das war Deutschland noch nie passiert. Aber egal, Weltmeister 2014!

Doch was wÀre eigentlich gewesen, wenn Manuel Neuer seinen Defensivkollegen im Achtelfinale nicht ein ums andere Mal den Allerwertesten gerettet und Deutschland nach 1982 somit eine weitere Schmach gegen Algerien erlebt hÀtte?


Die Begegnung in Porto Alegre ist keine Viertelstunde alt, da bringt Islam Slimani die Nordafrikaner in FĂŒhrung. Der Angreifer umkurvt den viel zu weit heraus geeilten Schlussmann vom FC Bayern MĂŒnchen locker lĂ€ssig und schiebt problemlos in das verwaiste GehĂ€use ein. Ohne den an einem grippalen Infekt erkrankten Mats Hummels fehlt es der DFB-Elf in der Hintermannschaft sichtlich an StabilitĂ€t. Und die Algerier sind eiskalt. Bis zur Pause legen sie noch zwei weitere Treffer nach.

Obendrein muss Neuer vor dem Seitenwechsel in der Kabine bleiben, hat er sich doch beim Reklamieren die Schulter ausgekugelt. Am liebsten wĂŒrde Löw Alleskönner Lahm die Torwarthandschuhe anziehen, muss sich dann aber doch zwischen Ron-Robert Zieler und Roman Weidenfeller entscheiden. Dazu bringt er mit SchĂŒrrle einen Offensivmann. Die Taktik geht beinahe auf. Aufgrund eines schnellen Doppelpacks des Jokers sind die Deutschen bald schon wieder im Spiel. Ein Happy End bleibt trotzdem aus.

In der Schlussminute scheitert Toni Kroos nach suboptimaler Vorlage vom stolpernden Thomas MĂŒller mit einem indirekten Freistoß aus spitzem Winkel klĂ€glich. Kein Wunder. Schließlich hatte dem Mittelfeldstrategen in der Vorbereitung vor allem Marco Reus bei Standardsituationen assistiert. Doch der Dortmunder verpasste erneut ein Turnier verletzungsbedingt.

Der Schock steht den deutschen Nationalspielern in der Folge ins Gesicht geschrieben. Außer Per Mertesacker stellt sich kein Akteur den Journalisten. Der Blondschopf holt in einem spektakulĂ€ren Live-Interview zur Generalkritik aus und macht dabei vor nichts und niemanden Halt. „Es kann nicht sein, dass im Campo Bahia die Wassertemperatur der Eistonnen mehr als zwölf Grad betrĂ€gt. Mit solchen Sachen fĂ€ngt die ganze Scheiße schon an“, bellt der Defensivstratege in ein ‚ZDF‘-Mikrofon.

Löw und Bierhoff ĂŒberstehen das Desaster als Hauptverantwortliche zunĂ€chst trotzdem unbeschadet. Die Kommission des DFB, die ĂŒber ihre Zukunft entscheiden sollte, findet einfach keinen Termin, um sich zu treffen. TagsĂŒber ist es den mitgereisten FunktionĂ€ren, die sich aufopfernd dazu entschieden haben, trotz Ausscheidens in Brasilien zu bleiben, zu heiß. Und abends, nun ja, abends gibt es in Rio andere Dinge zu tun.

Erst viele Monate spĂ€ter, im darauffolgenden MĂ€rz, kommt es doch noch zu einer Trennung. Die Mannschaft höchstselbst stĂŒrzt sowohl Trainer als auch Bierhoff. Hummels, MĂŒller sowie Jerome Boateng ĂŒbernehmen die Initiative und unterrichten die beiden jeweils in einem zehnminĂŒtigen GesprĂ€ch von ihrem Schicksal.

WĂ€hrend Bierhoff anschließend mit dem Sport bricht und wieder als Werbeschauspieler fĂŒr Sahnepuddings durchstartet, findet Löw schon im Sommer eine neue Anstellung als Übungsleiter. In Dortmund. Beim BVB tritt er die Nachfolge von JĂŒrgen Klopp an.

Wie es in Insiderkreisen heißt, ĂŒberzeugte der Breisgauer Hans-Joachim Watzke gleich mit zwei Argumenten: eine erprobte Raucherlunge und drei gĂŒnstige Wunschspieler. So hatte Löw die viele Freizeit eines Nationalcoaches schon in den Vorjahren genutzt, um vor allem in der NĂ€he seiner Heimat heimlich und mit Sonnenbrille getarnt zu scouten. Bei der TSG Hoffenheim beeindruckte ihn Roberto Firmino, Mohamed Salah und Sadio ManĂ© waren Löw in Basel sowie Salzburg aufgefallen. Die Borussia schlĂ€gt zu und entwickelt sich kĂŒnftig dank dieses phĂ€nomenalen Angriffstrios zum Serienmeister in der Bundesliga.

Löw hingegen sorgt fĂŒr Aufsehen: Er ist der erste Trainer, der jeden Tag mit dem Helikopter zum Training fliegt. Seinen Wohnort in der NĂ€he von Freiburg wolle er dann doch nicht aufgeben. „Wenn der Jens (Lehmann, d. Red.) das kann, dann kann ich das auch“, so Löw.

Beim DFB-Team lockt unterdessen Michael Ballack als neuer Sportdirektor keinen Geringeren als Jupp Heynckes auf den Trainerstuhl, Rudi Völler hatte abgelehnt. Der Triplemacher ruft sogleich den Titelgewinn 2018 als Ziel aus, dabei kann er auch auf die Dienste von Lahm, Schweinsteiger und Klose zĂ€hlen. Letzteren treibt speziell die Aussicht an, zum alleinigen WM-RekordtorschĂŒtzen zu avancieren.

Vier Jahre spĂ€ter gelingt den Deutschen in Russland tatsĂ€chlich der Coup. Und das, obwohl der Kader im Vergleich zu 2014 nahezu identisch daherkommt. Einzig Mesut Özil fĂ€llt einem Fehltritt in den sozialen Medien vor dem Turnier zum Opfer. Anstelle des feinen Technikers entscheidet sich Heynckes in der Offensive fĂŒr eine weitere Sturmkante: Sandro Wagner.

Mit jeder Menge Erfahrung – auf dem Spielfeld und der Bank – marschiert die DFB-Elf durch die Gruppenphase sowie die K.o.-Duelle. Überragender Mann ist dabei der spritziger denn je wirkende Mario Götze, der spĂ€testens seit seinem Wechsel im Jahr 2016 zum FC Liverpool absolute Weltklasse verkörpert. Seine Leistungen in Russland dĂŒrften den Weg zu seinem zweiten Ballon d’Or geebnet haben. Immerhin hatte sich mit Cristiano Ronaldo Götzes grĂ¶ĂŸter Konkurrent bereits im Achtelfinale verabschiedet.

Religionsstreit in Argentinien

Messi hingegen zĂ€hlt lĂ€ngst nicht mehr zu den Kandidaten fĂŒr diese individuelle Auszeichnung, so fehlte er sogar gĂ€nzlich im Kader des Titelverteidigers. Seitdem der feine Techniker die so begehrte, goldene TrophĂ€e in den Nachthimmel von Rio strecken durfte, mangelt es ihm an Motivation. Dies lĂ€sst sich besonders an den Gewichtsproblemen beobachten, mit denen er regelmĂ€ĂŸig zu kĂ€mpfen hat. Der Linksfuß Ă€hnelt dabei immer mehr einem frĂŒheren argentinischen Weltmeister, der sogar mit der Hand Gottes Tore erzielte.

Unter ihren Landsleuten ist lÀngst eine Art Religionskampf entfacht, welcher der beiden Virtuosen denn nun die heiligere Gestalt sei. Die HÀlfte des Landes besucht die Kirchen des Messias, die andere HÀlfte die GottesstÀtten der heiligen Maradona.

Auch deshalb ist Messi beim FC Barcelona nur noch ein MitlĂ€ufer, obendrein haben ihm die AnhĂ€nger noch immer nicht den Zwist mit Neymar verziehen. Nach dem berauschenden 7:1-Erfolg der Albiceleste ĂŒber Brasilien im Endspiel von 2014 rieb Messi seinem Teamkollegen dieses Resultat bei jeder Gelegenheit schadenfroh unter die Nase, bis Neymar entnervt zu Paris Saint-Germain weiterzog.

Das Finale vier Jahre spĂ€ter entscheidet derweil der eingewechselte Kevin Großkreutz gegen eine hochtalentierte Équipe tricolore zugunsten von Deutschland. Von Löw in Dortmund – wie auch Hummels, Weidenfeller, Matthias Ginter und Erik Durm – aussortiert, trĂ€gt der Allrounder seit drei Spielzeiten das Trikot des 1. FC Köln, wo er mit Lukas Podolski als kongenialen Partner fĂŒr den Einzug in die Champions League sorgte.

Damit ist die DFB-Elf endlich wieder auf dem Thron angekommen. Einzig Klose fĂŒhlt sich dennoch als Verlierer. Zwar gelang dem Angreifer gleich im ersten Gruppenspiel der eine Treffer, um Ronaldo endgĂŒltig hinter sich zu lassen. Allerdings ballerte sich ein 17-jĂ€hriges Wunderkind aus Norwegen mit 17 Treffern bis zum Viertelfinale direkt bei seiner ersten Teilnahme an einer WM-Endrunde an die Spitze der ewigen TorschĂŒtzenliste.


Dieses Format soll dich in regelmĂ€ĂŸigen AbstĂ€nden in ein Paralleluniversum der Fußballwelt entfĂŒhren. Du darfst dich also auf weitere Teile einer Serie von unterhaltsamen, lustigen oder sogar absurden Texten freuen.