­čö« Was w├Ąre eigentlich, wenn die Uefa die Superliga einf├╝hren w├╝rde?

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Jan Schultz

Artikelbild: ­čö« Was w├Ąre eigentlich, wenn die Uefa die Superliga einf├╝hren w├╝rde?

Seit Jahrzehnten geistert immer wieder eine Idee durch die K├Âpfe der ganz gro├čen Klubbosse: Eine eigenst├Ąndige Superliga, losgel├Âst von den nationalen Meisterschaften und gespickt mit der Cr├Ęme de la Cr├Ęme des europ├Ąischen Spitzenfu├čballs.

Bisher m├╝ndeten solche Ans├Ątze immer ÔÇ×nurÔÇť in Reformationen des Europapokals der Landesmeister, heute der Champions League. Was aber, wenn die Uefa dem Druck der fu├čballerischen Gro├čm├Ąchte endg├╝ltig nachgibt und letztlich auch aus eigenem, von Finanzen getriebenen Interesse eine Superliga einf├╝hrt?

Das ist nat├╝rlich keine Entscheidung, die von einem auf den anderen Tag f├Ąllt ÔÇô geschweige denn derart fix umgesetzt wird. Deswegen springen wir zwei, von anhaltenden Diskussionen getriebene Jahre in die Zukunft, in den Sommer 2022. Der FC Bayern hat gerade seine zehnte Meisterschaft in Folge eingefahren, Juventus jubelt gar das elfte Mal in Serie. Und die Uefa l├Ądt zu einer mit Spannung erwarteten Pressekonferenz.

Auf dieser verk├╝ndet Aleksander ─îeferin dann, was sich bereits ├╝ber Monate abgezeichnet hat: Champions League, Europa League und die noch junge Europa League 2 werden abgeschafft, an deren Stelle tritt eine Superliga f├╝r die 22 international erfolgreichsten Vereine der letzten zehn Jahre. Deren Teilnehmer steigen allesamt aus den nationalen Wettbewerben aus, um sich voll und ganz dem Turnier der Superlative zu widmen.

Die Uefa begr├╝ndet die Entscheidung vor allem mit den Folgen der Coronakrise, welche die Ums├Ątze der Top-Vereine dramatisch gesenkt habe. So gaben die klammen Kassen von Real Madrid, Manchester City und Co. in den letzten Jahren pro Sommer jeweils nur noch einen Transfer im dreistelligen Millionenbereich her. Manch einer musste gar abl├Âsefreie Spieler holen.

Der neue Wettbewerb soll durch die Top-Besetzung noch attraktiver sein als je zuvor, echte Spitzenspiele gibt es von nun an schlie├člich jede Woche in H├╝lle und F├╝lle. Und das macht sich direkt bei der Rechtevergabe bemerkbar, denn allein in Deutschland sichern sich mit Sky, DAZN, Netflix und Amazon Prime vier Anbieter die hei├č begehrten Pakete.

Sky und Co. drehen den Geldhahn auf

Sky bekommt jeden zweiten Mittwoch und jeden dritten Sonntag des Monats ein Spiel mit deutscher Beteiligung. Netflix und Amazon bekommen die restlichen Mittwochspartien und Begegnungen des Wochenendes. Eine Runde W├╝rfeln entscheidet jede Woche, wer das Erstzugriffsrecht bekommt. DAZN holt alle Spiele des Dienstags und verkauft noch eine Sublizenz an Disney Plus.

Die Sender und Streaming-Plattformen lassen die Kassen der Uefa und der Top-Klubs damit so richtig klingeln. Obendrein haben alle Klubs nun denselben Dachverband ÔÇô und der macht ohne 50+1-Regel den Weg frei f├╝r Investoren.

Karl-Heinz Rummenigge kauft sich zur Feier des Tages direkt ein Dutzend neuer Luxusuhren. Zuletzt war f├╝r den Bayern-Boss nur eine pro Monat drin gewesen. FCB-Ern├Ąhrungsberater Franck Rib├ęry spendiert indes jedem Teammitglied ein Goldsteak.

In den nationalen Verb├Ąnden st├Â├čt die Entscheidung indes aufgrund des Verlusts der vermeintlichen Zugpferde nicht gerade auf Gegenliebe. DFL, DFB, FA und Co. sind letztlich aber machtlos. In Deutschland zeichnet sich f├╝r den gemeinen Fan aber immerhin schnell ein positiver Nebeneffekt ab. Da die gro├čen Anbieter all ihre Ressourcen in die Superliga investiert haben, landen die Rechte f├╝r s├Ąmtliche nationale Wettbewerbe bei den ├ľffentlich-Rechtlichen. Bundesliga, DFB-Pokal und Co. laufen von nun an also bei ARD, ZDF und den regionalen Anbietern.

Die Superliga h├Ąlt in der ersten Spielzeit das, was sie versprochen hat. Die zahlreichen Spitzenspiele, die ├╝ber die komplette Woche verteilt zu elf verschiedenen Ansto├čzeiten stattfinden, werden gerne und oft geschaut. In der Tabelle bleibt es bis zum Ende spannend, PSG entscheidet das Kopf-an-Kopf-Rennen erst in einem Herzschlagfinale am letzten Spieltag gegen den FC Audi Bayern, Barcelona und Manchester City f├╝r sich.

F├╝r Klubs wie Arsenal, Ajax, Donezk und Valencia zeichnet sich indes fr├╝hzeitig ab, dass sie auf dem allerh├Âchsten Niveau Woche f├╝r Woche nicht mithalten k├Ânnen. Das ├Ąndert sich auch in den beiden darauffolgenden Spielzeiten nicht. W├Ąhrend Bar├ža und City den Titel einfahren, bleiben die vier Kellerkinder Kanonenfutter.

Alle vier verlassen die Superliga nach der Spielzeit und kehren in ihre nationalen Verb├Ąnde zur├╝ck. Dort d├╝rfen sie aber nicht in der obersten Spielklasse starten, weil aus keinem der L├Ąnder ein Nachr├╝cker in die Elite aufsteigt. Stattdessen finden sich nur noch zwei Vereine, die in den anfangs so hei├č begehrten Wettbewerb wollen: Inter Suning Mailand und RB Leipzig, das im Kreise der Superreichen nun auch endlich unter dem Namen Red Bull firmieren darf.

Hertha-Fans lehnen ÔÇÜAufstiegÔÇś ab

Einen Aufstieg in die Superliga hatte auch Hertha BSC angepeilt. Nach dem Abschied von Bayern und Dortmund schien Lars Windhorsts Vision vom Big City Club schlie├člich wahr zu werden, fuhr der Hauptstadtklub in den drei Jahren doch eine Meisterschaft und einen Pokal-Sieg ein. DFL und DFB verlangten f├╝r den Ausstieg aus den nationalen Wettbewerben mittlerweile aber die Zustimmung der Vereinsmitglieder, 75 Prozent mussten dem Wechsel demnach zustimmen. Anders als in Leipzig, wo alle 19 Mitglieder mit ÔÇ×JaÔÇť votierten, scheiterte der Antrag in Berlin jedoch krachend.

Der blau-wei├če Anhang argumentierte dabei nicht nur mit der Losl├Âsung von lokalen Wurzeln, sondern vor allem auch mit zunehmend fan-unfreundlichen Ansto├čzeiten, viel zu weiten Ausw├Ąrtsreisen sowie absurden Ticketpreisen. Eben jene Argumente haben trotz der sportlichen Attraktivit├Ąt auch die aktiven Fanszenen in M├╝nchen und Dortmund zu Widerstand gegen den eigenen Klub getrieben.

Am neuen FCB-Pr├Ąsidenten Philipp Lahm prallte diese Kritik aber ebenso ab wie an Hans-Joachim Watzke, der in der Euphorie um den Start der Superliga eine Regelung durchgedr├╝ckt hatte, wonach er in Dortmund nicht abgew├Ąhlt werden kann.

Zuschauerrekord in der 3. Liga

Entt├Ąuscht wenden sich daher gro├če Teile der roten sowie schwarz-gelben Anh├Ąnger von den Profis ab und unterst├╝tzen k├╝nftig die zweiten Mannschaften, die in der 3. Liga verbleiben durften. Beim direkten Aufeinandertreffen stellen sie 2026 einen neuen Zuschauerrekord auf. Das Westfalenstadion, das aus Marketingma├čnahmen mittlerweile vier Sponsorennamen tr├Ągt, platzt aus allen N├Ąhten.

Als die erste Mannschaft indes drei Tage sp├Ąter an derselben Stelle Julian Nagelsmanns FC Qatar Barcelona empf├Ąngt, herrscht g├Ąhnende Leere. Und das, obwohl Marco Reus endlich sein Comeback gibt, nachdem sich seine Muskelverletzung aus dem Fr├╝hjahr 2020 doch noch etwas l├Ąnger hingezogen hatte. Lediglich 12.000 Zuschauer, vorrangig Touristen und VIP-G├Ąste, verirren sich in den einstigen Fu├čballtempel. Dessen fr├╝here Gelbe Wand ist l├Ąngst als Graue Wand bekannt, aber nicht mehr gef├╝rchtet.

Dieses triste Bild wird nicht nur in Dortmund von Woche zu Woche schlimmer, sondern auch in Manchester, Madrid oder Mailand. Die Fans an europ├Ąischen, asiatischen, amerikanischen und afrikanischen TV-Ger├Ąten st├Ârt das aber nicht. Moderne Techniken gaukeln ihnen im Fernsehen schlie├člich volle R├Ąnge und eine stimmungsgewaltige Atmosph├Ąre vor. Echtes Fu├čball-Feeling eben!

Die tats├Ąchliche Trostlosigkeit, der Verlust von Sponsoren und die Abg├Ąnge von mehreren Top-Spielern f├╝hren nach zwei weiteren, jeweils titellosen Jahren letztlich doch zu einem Umdenken in M├╝nchen und Dortmund. Selbst Watzke gesteht Fehler ein und tritt ab.

An beiden Standorten sollen mit Thomas M├╝ller und Kevin Gro├čkreutz zwei ehemalige Fanlieblinge ihren Herzensklub als neue Pr├Ąsidenten in die Zukunft f├╝hren. Dabei punkten beide nicht nur mit Sympathien, sondern auch mit Inhalten. So verspricht der Dortmunder etwa, dass es im Stadion k├╝nftig D├Âner gibt, M├╝ller lockt mit kostenlosen Reitstunden auf seinem Anwesen.

Beide Klubs d├╝rfen in Deutschland anstelle ihrer mittlerweile in die Regionalligen abgestiegenen Zweitvertretungen starten. Dort ereilen den BVB und den FCB ohne die ganz gro├čen Sponsoren und den Verlust der Investoren aber dasselbe Schicksal wie Alemannia Aachen, Hansa Rostock, Kaiserslautern und andere Traditionsklubs. Sie pendeln nur noch zwischen der Regionalliga und der 2. Bundesliga.

Jubel auf Schalke

Die Trauer h├Ąlt sich in Fu├čballdeutschland aber in Grenzen, denn im Oberhaus geht es spannender denn je zu, entsprechend voll sind die Stadien. Die letzten f├╝nf Jahre brachten ebenso viele verschiedene Meister hervor, selbst der mit einer hervorragenden Jugendarbeit ausgestattete FC Schalke schnappte sich unter der Leitung von Trainerfuchs Ra├║l einmal die Schale.

Weil indes weitere Mannschaften dem Vorbild von Bayern sowie Dortmund folgen und aus der Superliga austreten, muss die Uefa den Wettbewerb wegen der mangelnden Teilnehmerzahl f├╝r gescheitert erkl├Ąren. Wobei offiziell von einer ÔÇ×revolution├Ąren IdeeÔÇť die Rede ist: Zwei internationale Pokalwettbewerbe, die auf den Abschlusstabellen der nationalen Meisterschaften fu├čen.


Dieses Format soll dich in regelm├Ą├čigen Abst├Ąnden in ein Paralleluniversum der Fu├čballwelt entf├╝hren. Du darfst dich also auf weitere Teile einer Serie von unterhaltsamen, lustigen oder sogar absurden Texten freuen.