Streit bei Weltfußballerinnen-Wahl: Studentin ohne Profivertrag wird Dritte | OneFootball

Streit bei Weltfußballerinnen-Wahl: Studentin ohne Profivertrag wird Dritte

Logo: OneFootball

OneFootball

Emilie Rauschütz

Eine Amateurspielerin als Weltfußballerin? Eigentlich unvorstellbar. Bei der FIFA-Wahl wäre das aber fast passiert, dementsprechend empört zeigt sich die Welt des Frauenfußballs.

Bei der FIFA kommt man einfach nicht ohne Skandal aus, diesmal kommt die Kritik von bekannten Profifußballerinnen. Bei der Weltfußballerinnen-Wahl gab es drei Nominierte: Lieke Martens, die mit der niederländischen Nationalmannschaft überraschend den EM-Titel gewann und zur Spielerin des Turnier gewählt wurde, Carli Lloyd, die mit den USA schon so ziemlich alles gewonnen hat, was man gewinnen kann, als Titelverteidigerin anreiste und erstmals bei Manchester City Erfolge feierte und… Deyna Castellanos.

Dieser Name ist auch für gut versierte in der Welt des Frauenfußballs ein Novum, dementsprechend wenig überraschend landete die Spielerin aus Venezuela relativ deutlich am dritten Platz. Die Kritik? Castellanos ist 18 Jahre jung, Studentin, hat noch nie einen Profivertrag unterschrieben und auch kein A-Länderspiel im Gepäck.

Was bei den Männern unmöglich wäre, ist bei den Frauen passiert. Und wie? Die 18-Jährige, die meistens für US-College-Team Florida State Seminoles spielt, war für den Puskas-Award nominiert. Als einzige Frau. Mit einem sehenswerten Treffer von der Mittellinie bei der U17-WM 2016 überzeugte Castellanos und wurde auf fifa.com im Handumdrehen von den Usern für Puskas nominiert, dabei dachten sich viele wohl: „Na gut, die kann was, die wähle ich auch gleich zur Weltfußballerin.“

Das zeigte sich auch bei der Auszählung, zwei Drittel der Stimmen für Castellanos zur Weltfußballerin kamen von Usern auf fifa.com. Von Spielerinnen, Trainern und Journalisten erhielt die Studentin weitaus weniger Stimmen als die knapp viertplatzierte Dzsenifer Marozsan.

Und genau diese Wahlkriterien kritisiert nun US-Nationalspielerin Megan Rapinoe: „Der Award ist einfach nicht viel wert, wenn es jemand auf die Liste schafft, von der ich noch nie gehört habe“, schimpfte die 127-malige Nationalspielerin bei der „BBC“. „Es zeigt uns und dem Rest der Welt, dass der Frauen-Fußball der FIFA ziemlich egal ist. Wenn ein beliebiger männlicher Spieler, der noch nicht mal Profi ist, nominiert worden wäre, hätte die FIFA eingegriffen. Es ist enttäuschend, dass sie das für uns nicht gemacht hat.“

Schlussendlich gewann Castellanos weder den Puskas-Award noch die Wahl zur Weltfußballerin, an den großen Gala-Abend in London mit der Elite des Weltfußballs dürfte sich die 18-Jährige wohl trotzdem ein Leben lang erinnern – Rapinoe sich offensichtlich auch.