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·22. Juli 2022

RB Leipzig – Liverpool FC: Überfüllter Gästeblock überschattet Freundschaftsspiel

Artikelbild:RB Leipzig – Liverpool FC: Überfüllter Gästeblock überschattet Freundschaftsspiel

Der Liverpool FC in der Vorbereitung zu Gast bei RB Leipzig. Es war ein Fußballfest zu erwarten. Beide Teams sind fast in Stammbesetzung aufgelaufen und ein erster Härte- und Fitnesstest für beide Teams sein. Zu Gast in einem ausverkauftem Stadion – eigentlich alles perfekt, oder?

Zumindest im Vorfeld waren auch die angereisten Liverpool Fans aus Deutschland, England und anderen Teilen Europas gut gelaunt und genossen die schöne Innenstadt der Stadt Leipzig. Man freute sich auf das Spiel gegen Leipzig. Ausgelassene Feierstimmung, Safe Standing, preiswerte Tickets. Eine entspannte Stimmung. Die Reds nahbar.


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So gerne ich hier über da Spiel und die herausragende Leistung von Darwin Núñez reden möchte, sind es leider die Szenen und Geschichten im Gästeblock, die hier in den Fokus rücken. Wichtig ist hier im Vorfeld zu erwähnen, dass es keineswegs um Bashing des RB Leipzig und dem Konzept dahinter geht. Dafür ist hier kein Platz, denn hier geht es um die Sicherheit der Fans!

Kurz vor Spielbeginn erhalte ich die ersten Nachrichten, dass die Fans unserer Fanclubs nicht in den Block können, für den sie Tickets haben. Der Block sei geschlossen, weil voll. Man „solle es mal in Block sieben“ probieren.

Es wird schnell klar, dass die Organisation von Seiten des Veranstalters fehlschlägt. Es melden sich weitere Fans, die sich in andere Blöcke gedrängt haben. Dort gibt es vereinzelt hitzige Diskussionen mit Fans, deren Plätze nun belegt sind.

Das Spiel beginnt und es kommen minütlich die Nachrichten rein, dass die Fans versuchen Blöcke zu betreten, für die sie Tickets haben. Das ist aber gar nicht so einfach, denn die Blöcke sind bis oben hin voll. Die Fans stehen auf den Zugangstreppen und an den Eingängen. Ein Fan berichtet, dass er die erste Halbzeit auf einem Fernseher geschaut hat, mit einem Papa und seinem weinenden Sohn. Der Sohn weint, weil er Mo Salah nicht live sehen kann. Nach 30 Minuten ruft mich der Vater aufgelöst an und erklärt, dass man das Stadion verlassen hat.

Der „Blick auf den Platz“ spricht Bände.

Artikelbild:RB Leipzig – Liverpool FC: Überfüllter Gästeblock überschattet Freundschaftsspiel
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Die Situation macht die Runde. Fans schreiben, dass sie nicht mehr aus dem Block rausmöchten, da sie sonst nicht mehr hereinkönnen. Oder aber sie verpassen einen Großteil des Spiels. „Eine Person neben mir ist zur Halbzeit Getränke holen gegangen und jetzt erst zur 65. Minute wieder reingekämpft.“

Mehrere Fans berichteten, dass sie in Block 7 statt in Block vier gehen sollen. Aber auch Block sieben war voll. Und es waren viele RB-Fans in diesem Block, obwohl das der Auswärtsblock sein sollte.

Etwa 15 Minuten im Spiel verlassen einige Ordner zumindest bei Block 4ihre Posten. Ein Ein Fan berichtet, dass ein paar Ordner sich eher zur Getränkeausgabe gestellt haben und „chatten“. Ein anderer filmt die Ordner, wie sie eher das Spiel filmen, als sich um die Ordnung zu kümmern.

„Leider bin ich in der Mitte des Blocks. Wenn ich jetzt die Treppe hochgehe, komme ich nicht mehr rein.“ Einige Fans fühlen sich sichtlich unwohl. Ich werde von einigen Fans darauf hingewiesen, dass die Situation als gefährlich einzustufen ist.

Die Berlin Reds haben zusammen mit den Dresden Kopites, Mainz Reds, Hamburg Reds und Rhineland Reds über 100 Tickets zusammenhängend bestellt und bezahlt. Nicht mal ein Viertel davon steht im Block zusammen, geschweige ist im selben Block. Wahrscheinlich wurde dies von RB Leipzig falsch kommuniziert. Es zeigt aber, wie überfüllt die Blöcke sind.

Artikelbild:RB Leipzig – Liverpool FC: Überfüllter Gästeblock überschattet Freundschaftsspiel

Bei den Wegweisern sollte eigentlich der Eingang in den Block sein. Der Fan, der mir das Foto geschickt hat, musste das ganze Spiel im Block ausharren, da er kaum rauskam, um zur Toilette gehen zu können.

Weitere Bilder zeigen, wie voll die sicherheitsrelevanten Treppen waren:

Artikelbild:RB Leipzig – Liverpool FC: Überfüllter Gästeblock überschattet Freundschaftsspiel
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Ein etwa 60-Jahre alter Fan berichtet: „Ich hatte Kreislaufprobleme und einen ziemlich hohen Blutdruckanstieg nach dem Marsch vom Pub zum Stadion und wollte aus der Menge heraus, um mich irgendwo festzuhalten und durchzuschnaufen. Auf einmal war dann doch Security wieder da. Die verweigerte mir, dass ich mich kurz festhalte in der oberen Reihe. Auch der Hinweis auf meinen akuten Zustand interessierte den sehr motivierten jungen Mann nicht. Dann schubste mich der Security weg. Nach dem dritten: „Fass mich nicht an“ hat er endlich verstanden, dass ich mich aus eigener Kraft, wenn auch langsam, bewegen kann.“

Die gelben Linien zeigen eigentlich den freien Aufgang und Durchgang:

Gegen Ende des Spiels erreicht mich eine Nachricht eines Fans, der das Desaster beim Einlass widerspiegelt: Die Fans sind als Gruppe zum Stadion gegangen. Einer von ihnen hat sich ein paar Tage zuvor verletzt und konnte deshalb nicht richtig laufen. Das Sicherheitspersonal hat ihnen am Eingang direkt die falschen Anweisungen gegeben.

Beim Versuch, über die App einzuchecken – das berichten auch viele andere Fans – funktionierten die Tickets nicht. Mehrere Fans bestätigen mir das im Laufe des Abends.

Es hieß am Gerät, das Ticket war bereits in Gebrauch oder ungültig. Die Menge staut sich. Irgendwann hat die Security dann einfach manuell auf dem Telefon nachgesehen, ob der Fan ein Ticket hat. Dann wurden die Leute einfach reingelassen.

„Es waren so viele Leute da, dass wir unseren Block gar nicht richtig betreten konnten“, sagte der Fan aus der Gruppe. „Als es zum Stillstand kam, sagte jemand in der Menge: ‚Wir müssen ein bisschen drängeln und schubsen.‘ Wohlgemerkt, es war eine Person in der Gruppe, die vorübergehend sichtlich eine Verletzung am Bein hatte. Dann wurde gedrückt und in den Block geschubst.“ Die Gruppe hat versucht, sich zu schützen. „Alles ging zwar gut, aber es hätte auch schlimmer ausgehen können. Die Sicherheitskräfte sahen einfach nur zu.“

Artikelbild:RB Leipzig – Liverpool FC: Überfüllter Gästeblock überschattet Freundschaftsspiel
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Nach dem Spiel spricht ein Fan einen offensichtlichen Supervisor der Security an: „Habe noch einmal mit einer Aufsichtsperson am Ausgang gesprochen – zusammenfassend: Wer zu viele Karten verkauft, ist selber schuld. Und wenn die Treppen schon voll sind, dann braucht man nicht noch mehr Ordner schicken, die Leute sind unbelehrbar.“

Nach dem Spiel weiterer Ärger – Fantrennung. Bei einem Freundschaftsspiel. Auf dem Weg nach draußen werden die Fans aus dem Auswärtsblock um das ganze Stadion herum auf die Festwiese geschickt. Dort, trifft man „sowieso wieder auf die RB-Fans“, sagt ein Fan. Es ist ein Freundschaftsspiel. Mit guter Stimmung. Trotz des Chaos. Wieso also so eine Schikane?

Ich bekomme weiterhin Nachrichten von Fans, die die Erzählungen und Eindrücke bestätigen und ihr eigenes kleines Chaos erlebten. Für viele Fans war es der erste Stadionbesuch seit Ausbruch der Pandemie. In einigen Fällen sogar der erste Stadionbesuch überhaupt. Das erste Mal Liverpool live sehen.

Einige Fans haben die Situation so nicht wahrgenommen oder realisiert. Das ist absolut in Ordnung und auch verständlich. Die Fans lassen sich natürlich ihre gute Stimmung und Laune nicht nehmen.

Doch viele Fans schreiben mir, dass sie im Nachhinein realisieren, wie gefährlich diese Situation eigentlich war. Ich bin froh, dass niemandem etwas passiert ist. Die Nachwirkungen vom Desaster in Paris sind immer noch zu spüren. Umso entsetzlicher macht mich dieser Zustand bei einem Freundschaftsspiel auf deutschem Boden. Es ist auch der Grund, warum ich diese Form des Artikels wähle. Ich kann als Fan des LFC hier nicht objektiv schreiben.

Ich bin immer noch entsetzt darüber, was im Stadion vorgefallen ist. Dennoch möchte ich hier nochmal darauf hinweisen, dass es nicht darum geht, den Verein RB Leipzig in den Dreck zu ziehen. Ich schreibe das hier als Fan, der gerne wieder sicher ins Stadion gehen möchte.

Ich möchte auch offenlegen, dass ich zunächst noch nicht an den Verein aus Leipzig herangetreten bin. Aufgrund der für mich schwerwiegenden Erzählungen habe ich am Freitagmorgen den Liverpool FC in meiner Position als Vorsitzender der Berlin Reds angeschrieben und einen Report verfasst.

Sofern es für mich möglich ist, werde ich euch natürlich im Podcast Scouserfunk und auf dieser Seite über etwaige Statements und Informationen auf dem Laufenden halten, so fern es möglich ist.

Am Ende bin ich sehr froh, dass kein Fan – egal von welchem Klub – am Donnerstag zu Schaden gekommen ist bei diesem Spiel. Ich kann nur hoffen, dass genügend Stadiongänger diesen Artikel lesen und sowohl Leipzig ansprechen, als auch ihre eigenen Fußballklubs, um sie darauf hinzuweisen, dass sie bitte die Sicherheitskonzepte verbessern.

Geschultes und erfahrenes Personal ist wichtig. Klares Deutsch in der Fankommunikation ist wichtig. Und am besten noch mindestens Grundkenntnisse Englisch sollten eigentlich Standard sein für Ordner – vor allem, wenn der Gast ein internationaler Verein ist.

Und liebe Fußballklubs, bitte verkauft lieber ein, zwei Tickets weniger. Lasst Schutzräume und Platz für die vielen Menschen. Wir haben erst kürzlich in Paris gesehen, wie schrecklich die Situation eskalieren kann. Vor allem im Vorfeld… Wer sich mit Hillsborough ein wenig auskennt, weiß, wie gefährlich überfüllte Blöcke sein können. Ab einer gewissen kritischen Menge helfen auch keine Safe Standing-Geländer mehr.

Ich bin enttäuscht, dass für einige Kinder der erste Stadionbesuch und das erste Spiel von Liverpool nicht die Erfahrung war, die sie verdient haben.

Liebe Fußballklubs. Liebe Verbände – bitte denkt an die Fans.

Wenn du, lieber Leser, auch noch deine Erlebnisse an diesem Tag schildern möchtest, dann schreibe mir bitte eine Mail an andre@berlinreds.de .

Bitte achtet auf euch und die Menschen um euch herum.

YNWA

++UPDATE++ Wir bekommen jetzt auch Infos aus der Fanbase von Leipzig, dass sich hier wohl im eigenen Fanblock ähnliche Szenen abgespielt haben.

André Völkel // Header: Privatfoto

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