Kaderanalyse RB Leipzig: Wiederholen sich die jüngsten Erfolge?

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RB Leipzig geht 2020/21 in seine fünfte Bundesliga-Spielzeit. In der letzten Saison sammelten die „Roten Bullen“ die größten Erfolge der noch jungen Vereinsgeschichte. Konkret heißen diese Herbstmeisterschaft, erstmalige Teilnahme am Champions-League-Halbfinale und die erneute Qualifikation zur Königsklasse. Das talentierte Team um Trainer Julian Nagelsmann hat noch lange nicht genug. Jedoch muss es den Abgang von Timo Werner und den Ausstieg von Ralf Rangnick aus dem Red Bull Imperium verkraften.

Drang „maximal erfolgreich zu sein“

Nagelsmann, der der letzten Saison die Note „3+“ bescheinigte, strotzt vor Erfolgshunger. Anfang Juni gab er einen Einblick in seine Gedankenspiele: „Dass wir gern auch mal Meister werden, das ist normal. Es sollte jeder, der in der Bundesliga mitspielt, den Drang haben, maximal erfolgreich zu sein.“ Aktuell scheint das größte Hindernis auf diesem Weg, die bislang erfolglose Suche nach einem Werner-Ersatz. Trotzdem befindet sich das Team insgesamt auf einem hohen Niveau.

Das zeigt schon die Torhüterposition. Peter Gulacsi, seit 2016 Stammtorhüter, überzeugt stets mit statistisch untermauerten Glanzleistungen. Einem späteren Karriereende des 30-Jährigen hat RasenBallsport bereits vorgebeugt. Mit Josep Martinez von UD Las Palmas wurde eine neue Nummer zwei verpflichtet. Der 22-Jährige kostete 2,5 Millionen Euro und soll sich in zwei Jahren mit Keeper Yvon Mvogo duellieren. Dieser hatte einen Wechselwunsch hinterlegt und läuft nun auf Leihbasis für den PSV Eindhoven auf. Zuvor verlängerte der Schweizer seinen Vertrag bis 2023.

Upamecano als zentrale Figur der Abwehr

In der Abwehr dreht sich alles um Starspieler Dayot Upamecano. Von zahlreichen Top-Klubs beobachtet, besitzt sein neues Arbeitspapier eine Gültigkeit bis 2023. Ein wichtiger Baustein ist auch die Verlängerung des Engagements mit Linksverteidiger Angelino. Der Spanier bleibt ein weiteres Jahr auf Leihbasis von Manchester City beim Bundesligisten. Obendrein sicherten sich die Leipziger eine Kaufoption für den nächsten Sommer. Das Gesamtpaket beinhaltet Kosten in Höhe von 20 Millionen Euro. Angelino wäre dann bis 2025 vertraglich an die Sachsen gebunden. Als Ergänzungsspieler ist mit Benjamin Henrichs, der von der AS Monaco ausgeliehen wurde, eine weitere Option im Kader.

Taktisch variierte Nagelsmann vergangene Saison zwischen einer Dreier- und Viererkette. Nordie Mukiele und Lukas Klostermann kamen dabei eher in der Innenverteidigung, als auf den Außenbahnen zum Einsatz. Erstgenannter wurde mit dem FC Bayern München in Verbindung gebracht, da der Franzose nur sporadisch zum Einsatz kam. Sportchef Oliver Mintzlaff schloss allerdings indirekt einen Wechsel in diesem Sommer aus. Dafür verlieh man die Talente Frederik Jäkel (KV Oostende, Belgien) und Malik Talabidi (FC Wil, Schweiz) ins Ausland.

Mittelfeld überzeugt mit internationaler Qualität

Neuer Kapitän der Mannschaft ist Marcel Sabitzer. Der Österreicher spielte nach dem Abgang von Diego Demme im Winter eine wesentliche Rolle in der Zentrale der Leipziger. Neben ihm überzeugte Landsmann Konrad Laimer mit sehr starken Leistungen. Auch Winterneuzugang Dani Olmo soll noch mehr Verantwortung im Tempospiel nach vorne übernehmen. Der spanische Nationalspieler gilt aktuell als unverkäuflich. Alternativ steht für das stark besetzte Mittelfeld Neuverpflichtung Lazar Samardzic zur Verfügung. Die Sachsen konnten sich die Dienste des U20-Nationalspielers für gerade mal 800.000 Euro sichern. Der Ex-Herthaner gilt europaweit als großes Talent mit viel Potenzial.

Unklar ist die Zukunft von Emil Forsberg. Trotz Schwierigkeiten in der letzten Saison, scheint es im Moment, dass der 28-jährige Schwede zunächst in Leipzig bleibt. Abgeben wurde derweil Hannes Wolf, der nach einem schwachen Jahr auf Leihbasis nach Gladbach wechselt. Negativ zu erwähnen ist noch der ablösefreie Wechsel von Mads Bistrup nach England. Der 19-Jährige verdeutlicht die Probleme der vereinseigenen Jugendarbeit, da aus der Akademie  bisher kein Talent langfristig zu den Profis aufsteigen konnte. 

Werner-Nachfolger dringend gesucht

Die größte Baustelle ist, nach den Abgängen von Timo Werner und Patrik Schik, eindeutig die Offensive. Hee-chan Hwang, für über zehn Millionen Euro aus Salzburg verpflichtet, bringt zwar viel Tempo und Wendigkeit mit, ist jedoch eher Vorbereiter, als Zielspieler wie Werner. Zwei Kandidaten sind seit Wochen als Verstärkung im Gespräch: Milot Rashica von Werder Bremen und Alexander Sörloth, zurzeit bei Trabzonspor.

Die Probleme in beiden Fällen sind deutliche Differenzen in den Ablöseverhandlungen. Im Falle von Rashica, wollen die Leipziger die geforderten 25 Millionen Euro nicht zahlen. Beim wuchtigen Stürmer Sörloth gestalten sich die Gespräche noch schwieriger. Grund dafür ist, dass der Norweger aktuell von Crystal Palace in die Türkei ausgeliehen ist. Die Türken besitzen eine Kaufoption in Höhe von nur sechs Millionen Euro. Leipzig soll ungefähr 17 Millionen Euro geboten haben, Trabzonspor fordert allerdings stolze 25 Millionen.

Unsicherheit herrscht auch bei den Personalien Ademola Lookman, Talent Dennis Borkowski und Jean-Kévin Augustin. Lookman blieb bislang deutlich unter den Erwartungen, Anfragen aus England soll es angeblich geben. Beim 19-jährigen Borkowski steht ein Leihgeschäft im Raum. Die Verantwortlichen haben jefochdie Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass er den Sprung in die Profimannschaft schafft. Augustin war nach Leeds ausgeliehen, konnte dort nicht überzeugen. Aktuell bahnt sich ein möglicher Rechtsstreit zwischen beiden Parteien an, da Leeds eine vereinbarte Kaufpflicht als hinfällig sieht.

Noch nicht am Ende der Entwicklung

Was kann RB also in der neuen Saison erreichen? Die Ziele dürften klar sein: Erneute Qualifikation für die Champions League und mindestens ein Überwintern im internationalen Wettbewerb. Das dürfte mit dem Kader ziemlich sicher klappen, wenn noch der fehlende Stürmer kommt. Mit Bayer Leverkusen und Borussia Mönchengladbach haben die Sachsen in der Liga starke Konkurrenz um die Plätze hinter dem FC Bayern und dem BVB. Die Entwicklung unter Julian Nagelsmann ist aber noch nicht abgeschlossen, das sieht auch wie eingangs erwähnt der Trainer selbst so. Die „Roten Bullen“ haben bewiesen, dass sie auch in Europa Spitzenleistungen abrufen können.