Rund um den Brustring
·18. Januar 2025
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·18. Januar 2025
Der VfB schießt den SC Freiburg zum Abschluss der englischen Woche mit 4:0 aus dem Neckarstadion und kann dabei vor dem wichtigen Champions League-Spiel am Dienstag noch entspannt rotieren. Was für ein Start ins neue Jahr!
Christian Günter dachte, er sei pfiffig. Er gewann für seine Freiburger als Kapitän die Platzwahl und entschied, dass der VfB in der ersten Halbzeit auf die Cannstatter Kurve spielen solle und Freiburg in der zweiten. Vermutlich hatte er noch im Hinterkopf, wie Jacob Bruun Larsen und Nick Woltemade die Kurve am Mittwochabend in der zweiten Halbzeit zum Explodieren gebracht hatten und wollte ein ähnliches Szenario am Samstagnachmittag verhindern. Die Brustringträger jedoch ließen sich davon nicht beirren und schenkten unserem ehemaligen Torhüter Flo Müller in der ersten Halbzeit gleich vier Tore ein, von denen eines aus fadenscheinigen Gründen aberkannt wurde.
Dass der VfB selbst einer verlorenen Platzwahl widersteht und einen Gegner über 90 Minuten herspielt, gegen den man in der Hinrunde noch verlor, lässt Erinnerungen an die letzte Saison wach werden. Nur dass es diesmal nicht nur ein Stürmer ist, der den Kantersieg herausschießt, sondern mit Ermedin Demirovic, Nick Woltemade und Deniz Undav gleich drei Angreifer. Zudem traf der VfB gegen Freiburg plötzlich nach Standardsituationen und Anthony Rouault positionierte seinen Hinterkopf diesmal so, dass er damit sein erstes Bundesliga-Tor erzielen konnte. Nach dem anstrengenden Jahresauftakt und der Leistungssteigerung gegen Leipzig scheint die Mannschaft am Ende der ersten englischen Woche des Jahres voll im Flow zu sein.
Und das, obwohl am Dienstag bereits das nächste wichtige Spiel ansteht und Sebastian Hoeneß dementsprechend wieder um der Belastungssteuerung willen rotieren musste. Diesmal traf es Jeff Chabot, während der international nicht spielberechtigte Ramon Hendriks noch einmal den Vorzug vor Maxi Mittelstädt bekam. Machte aber keinen Unterschied, denn Ameen Al-Dakhil in seinem zweiten Startelfeinsatz und Anthony Rouault ließen insgesamt nur Freiburger Schüsse zu, von denen Alex Nübel keinen einzigen parieren musste und somit zum zweiten Mal binnen einer Woche zu Null spielte. Der ebenfalls nicht für die Champions League gemeldete Nick Woltemade spielte erneut und traf, während Ermedin Demirovic und Deniz Undav sich die Arbeit teilten und damit noch genügend Kraft für Bratislava haben sollten.
Der VfB war dem SCF bis auf wenige Phasen komplett überlegen und das erinnert langsam nicht nur an die letzte Saison, sondern auch an die 2000er Jahre. Auch wenn die aktuelle Hochphase erst eineinhalb Jahre andauert, ist es aktuell nur schwer vorstellbar, dass der VfB mit dem Sprung auf einen Champions League-Platz bereits seinen Höhenflug beendet hat. Es wird vermutlich nicht wieder zur Vizemeisterschaft reichen, aber die Mannschaft scheint jetzt mental und auch personell in der Lage zu sein, über einen direkten Konkurrenten um die Europapokalplätze hinweg zu rotieren, ohne sich dabei besonders anzustrengen.
Sebastian Hoeneß tut gut daran, jetzt auf die Euphoriebremse zu treten, ohne dabei den Flow der Mannschaft abzuwürgen. Der Vorteil an den englischen Wochen ist jetzt, dass die Mannschaft sich nicht lange auf Erfolgen ausruhen kann, das letzte Erfolgserlebnis aber trotzdem ins nächste Spiel mitnehmen kann. Gleichzeitig bietet der Kader jetzt auch von der Bank mehr Möglichkeiten als in der Hinrunde, selbst in der Champions League. Hoffen wir, dass dieser Lauf wie in der vergangenen Saison einfach immer weiter geht.
Titelbild: © Christian Kaspar-Bartke/Getty Images