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·21. September 2023

FC Bayern nach dem Sieg gegen Man. United: Es geht nicht ohne Fragezeichen

Artikelbild:FC Bayern nach dem Sieg gegen Man. United: Es geht nicht ohne Fragezeichen

Der FC Bayern München hat zum Auftakt in die neue Saison der Champions League einen Sieg eingefahren. Gegen Manchester United gewann der Rekordmeister nach einer wilden zweiten Halbzeit mit 4:3. Positive Elemente waren auch diesmal wieder dabei, ebenso einige Fragezeichen.

Ein 4:3 in einem Spiel in der Champions League klingt zunächst einmal wild. Doch lange war das überhaupt nicht der Fall. Im Gegenteil: Es gab gleich mehrere Phasen in dieser Partie, in denen das Spiel eher statisch, teilweise träge wirkte. Nur, um dann wieder Fahrt aufzunehmen. Den wohl individuell stärksten Gegner in der Gruppenphase zum Auftakt zu bezwingen, ist erst einmal eine gute Nachricht. Dabei drei Gegentore zu kassieren, allerdings nicht. All das reiht sich ein in einen Saisonstart des FC Bayern, der keine Klarheit zulässt.


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Nach verhaltenem Start: Bayern bespielt Uniteds Schwächen

Mit Spannung wurde das Duell zwischen dem FC Bayern und Manchester United in der Champions League erwartet. Aus gutem Grund, denn der Rekordmeister startete mit zehn Punkten aus vier Spielen auf dem Papier ordentlich, schaffte es aber nicht, 90 Minuten konstant auf hohem Niveau zu agieren. Manchester United gelang das ebenfalls nicht, die Red Devils konnten aber zudem keine gute Punkteausbeute hinlegen. Dafür pressten die Gäste recht hoch und hatten in der Anfangsphase die ersten positiven Aktionen. Zweikampfgewinne, gute Pässe aus der Defensive in die Offensivreihe: Es waren Kleinigkeiten, die United gut machte.

Je länger die erste Halbzeit dauerte, desto besser passte sich der Rekordmeister an. Das Pressing gegen den Aufbau der Red Devils wurde in das Mittelfeld verlagert, was den FC Bayern davor schützte, weiterhin Räume zwischen den Linien und vor der Viererkette preiszugeben. Das sorgte wiederum dafür, dass die Gäste es nicht so leicht hatten, Akzente im Spiel nach vorne zu setzen. Zu diesem Zeitpunkt war das Offensivspiel der Gastgeber zwar noch zu statisch, aber die Dinge bewegten sich in die richtige Richtung.

Bayern passte sich dem Gegner an, was per se kein negativer Aspekt war. Joshua Kimmich und Leon Goretzka hielten eine gute Balance gegen den Ball, sorgten zudem immer wieder dafür, Bruno Fernandes und Christian Eriksen zu beschäftigen. Ein Leckerbissen war es nicht, aber die Spielweise des FCB erhöhte die eigenen Chancen, zu Abschlüssen zu kommen. Einen solchen nutzte Leroy Sane, der beste Spieler auf dem Feld, unter gütiger Mithilfe von Andre Onana zum 1:0. Wenig später erzielte Serge Gnabry nach schöner Vorarbeit von Jamal Musiala das 2:0. Der Doppelschlag sorgte für Ruhe und mehr Kontrolle, das Spielglück sprach in dieser Phase für den Gastgeber, der vielleicht mit einem Tor zu hoch führte, als die Teams in die Kabine gingen.

35 Minuten, die Mut machen sollten

Direkt nach dem Wiederanpfiff zeigte der Gast aus Manchester seine Qualität. Eine schnelle Kombination, ein abgefälschter Abschluss durch Rasmus Höjlund: 2:1! Und plötzlich war die Partie wieder offen. Gemessen am Spiel der ersten Halbzeit war sie das ohnehin, jetzt aber auch hinsichtlich des Ergebnisses. Fußball ist aber manchmal paradox, denn gerade nach dem Gegentreffer wirkte der FC Bayern plötzlich so wach, so spritzig, so aktiv und so geradlinig, wie es sich das Trainerteam von Beginn an gewünscht hätte. Der Aufbau war durchdachter, United wurde die möglicherweise aufkommende Hoffnung sofort genommen. Nach einem guten Konterangriff bekam der FCB einen Eckball zugesprochen, aus dem der Handelfmeter resultierte, den Harry Kane zum 3:1 verwandelte.

Artikelbild:FC Bayern nach dem Sieg gegen Man. United: Es geht nicht ohne Fragezeichen

(Photo by Matthias Hangst/Getty Images)

Das gab dem Heimteam endgültig Sicherheit. Jetzt fand Musiala endgültig zu seinem Flow, das Gegenpressing funktionierte konsequenter, die Räume in der Offensive wurden besser besetzt. Folglich gab es immer mehr Chancen, auf Musiala-Vorlage traf Sane butterweich nur den Innenpfosten. United wirkte jetzt überfordert, wusste den Tempowechseln wenig entgegenzusetzen, hatte sogar Glück, dass Eric Maxim Choupo-Moting nicht noch präziser abschloss und 1-2 Bälle am Ende nicht mit der letzten Präzision versehen waren. Die Minuten 50-85 waren das, was sich Trainer Tuchel von seinem Team wünscht. Noch nicht in Perfektion, aber mit vielen guten Ideen.

FC Bayern: Es geht nicht ohne Fragezeichen

Ein essenzieller Punkt, wenn man sich den FC Bayern in dieser Saison anschaut, ist folgender: Ohne Fragezeichen nach dem Ende eines Spiels geht es nicht. Der Supercup war ein einziges Fragezeichen, gegen Bremen gab es Phasen, in denen Werder zu sehr eingeladen wurde, Augsburg wurde zu Beginn nicht mit dem nötigen Tempo bespielt, gegen Gladbach offenbarte man zu Beginn einige Lücken, gegen Leverkusen stimmte die Absicherung gegen die Konter nicht. Und gegen United? Ließ man sich am Ende wieder zu einem wilden Spiel hinreißen. Statt den berühmten Deckel draufzumachen, kassierte der Rekordmeister das 3:2. Sicher etwas zufällig, weil Casemiro den Ball im Liegen über die Linie stocherte, aber mit einem 4:1 oder gar 5:1, was die Chancen vorher hergaben, wäre das nicht mehr relevant gewesen.

Mathys Tel, momentan mehr als nur ein Edeljoker, erzielte noch das 4:2 – in unnachahmlicher Manier. Dass ein Freistoß von Bruno Fernandes noch zum 4:3 führte, war eher eine Randnotiz. Was bleibt: Viel Arbeit. Für den Trainer und für das Team. Es gelingt weiterhin nicht, eine nachhaltige Spielidee auf den Platz zu bringen. Und es gelingt nicht, die guten Ansätze auch über 90 Minuten hinweg zu einer rundherum guten Leistung zu vereinen. Der amtierende deutsche Meister ist aktuell ein gutes, aber kein überragendes Team. Angefangen bei einzelnen Konzentrationsproblemen in der Defensive über technischen Schwächen im Spiel mit dem Ball bis hin zu einer nicht idealen Kane-Einbindung und einer mangelhaften Chancenverwertung.

In den kommenden Wochen muss das Verhältnis schwächerer zu stärkerer Phasen in einem Spiel deutlich mehr in Richtung der positiven Aspekte tendieren. Denn ehrlicherweise ist die große Revolution unter Tuchel noch ausgeblieben. Das Spiel gegen Manchester United bot, wie die Partien zuvor ebenfalls, gute und weniger gute Momente. Die guten zu konservieren und die schlechten möglichst auf ein Minimum zu reduzieren, wird nun die Aufgabe der kommenden Wochen sein.

(Photo by CHRISTOF STACHE/AFP via Getty Images)

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