DFB-Team im Check: Gewinner & Verlierer vom Test-Doppelpack gegen Israel und Niederlande | OneFootball

DFB-Team im Check: Gewinner & Verlierer vom Test-Doppelpack gegen Israel und Niederlande

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Die Länderspielpause ist - zur Erleichterung der meisten Fußball-Fans - wieder vorbei. Die DFB-Elf konnte bei den Spielen gegen Israel (2:0) und die Niederlande (1:1) ordentliche Leistungen darbieten. Wir sehen uns an, welche Spieler als Gewinner bzw. als Verlierer zu ihren Vereinen zurückkehren und Pluspunkte im WM-Rennen sammeln konnten.

Gewinner der Länderspiele gegen Israel und die Niederlande:

Nico Schlotterbeck:Wer Nico Schlotterbeck spielen sieht, der könnte den Eindruck gewinnen, dass dieser schon seit zehn Jahren in der Nationalmannschaft spielt. Der junge Freiburger agiert mit einer derartigen Selbstverständlichkeit, dass es für Hansi Flick schwer wird, am Abwehr-Hoffnungsträger vorbeizukommen. Beeindrucken konnte der selbstbewusste Innenverteidiger vor allem mit seinem klugen, mutigen und kreativen Spielaufbau. Zudem zeigte er sich körperlich jederzeit präsent und blieb in praktisch allen Eins-gegen-Eins-Duellen der Sieger. Lediglich in der Schlussphase gegen Israel leistete sich der Youngster einen bösen Schnitzer, der letztlich mit einem Elfmeter bestraft wurde. Schlotterbeck konnte sich bei Trapp bedanken, der den Strafstoß parierte. Wenige Tage später zeigte Schlotterbeck gegen Oranje, dass er aus seinem Fehler gelernt hat. Demnach steht auch fest: Den 22-Jährigen kann man auch gegen die großen Gegner bringen.David Raum:David Raum durfte beide Spiele von Beginn an absolvieren, was sicherlich auch ein wenig mit der Nichtnominierung von Gosens zu tun hatte, der soeben erst eine Verletzung überwunden hat. Der Hoffenheimer nutzte seine Chance bereits gegen Israel, indem er das machte, was ihn immer auszeichnet. Raum legte ein großes Pensum an den Tag, schlug gefährliche Flanken in die Mitte und krönte seine Leistung mit einer Torvorlage. Der Linksfuß zeigte sich auch gegen die wesentlich stärkeren Holländer mutig und brachte viel offensive Power mit, ohne dabei aber die Defensive zu vernachlässigen. Eigentlich hätte er sogar einen Treffer erzielen müssen, jedoch verließ ihm nach einem tollen Lauf über die linke Seite im entscheidenden Moment für kurze Zeit der Mut. Gegen Ende der Partie ließ der U21-Europameister dann doch ein wenig nach und hatte am Ausgleichstreffer seine Aktien, indem er das Kopfballduell gegen den zugegeben auch größeren Dumfries verlor. Alles in allem zeigte er aber deutlich mehr Licht als Schatten und dürfte seinen WM-Platz auf der linken Abwehrseite neben (oder sogar vor) Gosens relativ sicher haben. Jamal Musiala: Es ist schon bezeichnend, wenn es ein 19-Jähriger schafft, Joshua Kimmich und Leon Goretzka praktisch 1:1 zu ersetzen. Der junge Münchner konnte sein Standing in den Spielen gegen Israel und vor allem gegen die Niederlande erheblich steigern. Musiala durfte in beiden Partien von Beginn an ran und glänzte mit seiner ungeheuren Ballgewandtheit und Spielfreude. Dabei bewies er aber wie zuletzt schon in München, dass er nicht nur ein feiner Offensivspieler ist, sondern auch defensiv schon einiges mitbringt. Gegen die Niederlande glänzte der Youngster mit zwölf Ballgewinnen, was der beste Wert aller DFB-Kicker war. Zudem agierte er permanent als Antreiber, spielte mutige und genaue Pässe und war letztlich sogar am zwischenzeitlichen 1:0 beteiligt. Als der Rohdiamant schließlich ausgewechselt wurde, war sofort ein Bruch im Spiel zu sehen. In dieser Form dürfte er klar vor Ilkay Gündogan stehen. Kevin Trapp:Kevin Trapp bekam beim Spiel gegen Israel die Chance, sich über 45 Minuten zu zeigen. Erwartungsgemäß gab es für den Eintracht-Torwart kaum etwas zu tun. Nico Schlotterbeck sei Dank, durfte er sich dann aber doch noch auszeichnen - und tat dies auch. Mit seinem parierten Elfmeter bewahrte er seine weiße Weste und sicherte den 2:0-Erfolg. Mehr konnte Trapp auch nicht tun. Ein klarer Punktsieg gegen den nicht nominierten Bernd Leno im Kampf um den Job als dritter Torwart.

Die Verlierer der Länderspiele gegen Israel und die Niederlande

Ilkay Gündogan:Der Mittelfeldspieler von Manchester City blieb bereits bei der EM deutlich hinter seinen Leistungen im Klub und seinen eigenen Ansprüchen zurück. Diese formulierte er vor den beiden Länderspielen gegen Israel und die Niederlande dennoch klar. Der Routinier möchte im DFB-Dress Stammspieler und Führungskraft sein. Diesen Ansprüchen hinkte er jedoch deutlich hinterher. Eigentlich hätte Gündogan die Abwesenheit von Joshua Kimmich und Leon Goretzka dahingehend nutzen müssen, um zu zeigen, dass er ein Mittelfeld-Chef sein kann. Gegen Israel kann man dem Ex-Dortmunder eine ordentliche Leistung bescheinigen, die er mit einem Assist krönte. Im eigentlichen Härtetest gegen die Niederlande fiel er aber durch. Der Man-City-Star offenbarte große Defizite in Sachen Athletik und Durchsetzungsvermögen. Fast nie war er in der Lage, in den direkten Zweikämpfen als Gewinner hervorzugehen. Zwar weiß man, dass die Fähigkeiten des Kickers eher mit dem Ball zum Tragen kommen, jedoch demonstrierte er diese zu selten. Der Premier-League-Star versteckte sich zu häufig oder wählte mit Quer- und Rückpässen die sichere Variante. Dabei fiel er sowohl offensiv als auch defensiv klar gegenüber Nebenmann Jamal Musiala ab. Dem 31-Jährigen droht im zentralen Mittelfeld die Rolle als Nummer vier.

Julian Brandt:Der BVB-Akteur rettete die BVB-Ehre, nachdem Serge Gnabry aufgrund einer Grippe nach Hause fahren musste, bzw. sollte sie eigentlich retten. Nachdem sich Hansi Flick zunächst gegen die Nominierung eines Dortmunders entscheiden hatte, holte er Julian Brandt für Gnabry dazu. Was er sich davon genau versprochen hat, wird aber vermutlich sein Geheimnis bleiben. Der Borusse musste gegen Israel 90 Minuten lang zusehen, bekam gegen die Niederlande aber dann doch gute 20 Minuten Einsatzzeit. Akzente konnte er dabei aber keine setzen. Zudem hatte man auch nicht das Gefühl, als wolle er Hansi Flick beweisen, dass er zum Kreis der Nationalmannschaft gehört. Von einem Spieler, der ja gerade erst präsentiert bekommen hatte, dass er zu den Wackelkandidaten gehört, erwartet man eigentlich, dass er sich für weitere Chancen zerreißt. Brandt agierte jedoch wie so oft eher lethargisch. Matthias Ginter:Der Gladbacher genoss unter Joachim Löw ein hohes Standing und gehörte nicht selten der Startelf an. Die soeben zu Ende gegangene Länderspielreise hätte sich der Innenverteidiger aber schenken können. Tatschlich gewährte Hansi Flick dem Spieler nicht eine Einsatzminute. Während Schlotterbeck und Tah die Innenverteidigung gegen Israel bildeten, durften Schlotterbeck und Rüdiger gegen die Niederlande ran. Demnach liegt der Schluss nahe, dass Ginter derzeit hinter Süle, Rüdiger, Schlotterbeck und vielleicht auch Tah liegt. Theoretisch wäre der 28-Jährige auch ein Kandidat für die Rechtsverteidigung. Aufgrund der offensiven Spielweise von Raum oder sonst auch Gosens, läuft es darauf hinaus, dass auf rechtes ein defensivstarker Spieler agiert. Hierbei setzte Flick aber zweimal auf Thilo Kehrer und nicht eine Minute auf Ginter. Demnach scheint er in dieser Rolle auch kein Kandidat zu sein.Benjamin Henrichs: Der Leipziger wurde für seine ansteigende Formkurve belohnt und für die beiden Länderspiele nominiert. Beweisen durfte sich der Außenverteidiger aber lediglich für wenige Minuten gegen die Niederlande. Bei Hansi Flick scheint derzeit Thilo Kehrer die Nase vorne zu haben, der zwar nicht unbedingt glänzen konnte, seinen Vorsprung aber auch nicht verspielt hat. Henrichs hätte sich wohl zumindest erhofft, mal eine Halbzeit spielen zu dürfen, um ein Bewerbungsschreiben zu hinterlassen.Derzeit sieht es aber eher so aus, als wäre der Weg in die Startelf für Henrichs ein ziemlich weiter. Da zählt ab jetzt nur die Devise: In Leipzig Leistung bringen und dauerhaft einen Stammplatz innehaben. Ansonsten wird Henrichs im DFB-Dress eine Randfigur bleiben - wie er es eben auch während dieser Länderspielreise war.

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