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Der 1. FC Köln spielt 1:1 in Bielefeld: Nach der Führung das Fußballspielen eingestellt

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Kalt war es auf der Bielefelder Alm, kalt und nass. Mit einem Wort: ungemütlich. Und nach der Halbzeit schüttete es wie aus Eimern. Wohl selten hatte die Qualität eines Fußballspiels besser zu den äußeren Bedingungen gepasst wie dieses 1:1 zwischen den Arminen aus Bielefeld und dem 1. FC Köln. Es gab Fehlpässe zuhauf, Spieler liefen mit dem Ball über die Außenlinie und Vorlagen landeten im fußballerischen Nirwana. Und so stand auch Kölns Trainer Steffen Baumgart nach dem Schlusspfiff von Schiedsrichter Dr. Felix Brych zunächst regungslos da mit den Händen in seinen Hosentaschen und mag sich wohl gefragt haben, was er da über 93 Minuten von seiner Mannschaft geboten bekommen hatte. “Heute sind wir auf eine Mannschaft gestoßen, die uns in vielen Bereichen den Schneid abgekauft hat. Wir haben es nicht geschafft, unser Spiel nach vorne umzusetzen”, sollte er später sagen.

Guter Beginn, frühe Führung und schnelles Nachlassen

Dabei hatte es gut begonnen für sein Team. Anthony Modeste bot sich bereits nach vier Minuten eine große Torchance, als er völlig frei vor Bielefelds Keeper Stefan Ortega zum Kopfball kam, diesen allerdings zu zentral setzte. Kaum mehr als zehn Minuten später gelang den Kölnern sogar die Führung durch Salih Özcan, der von Rafael Czichos in den Bielefelder Strafraum geschickt worden war. Doch danach war es vorbei mit der Kölner Herrlichkeit, es schien, als ob man mit der Führung im Rücken das Fußballspielen einstellen wolle.

“Heute sind wir auf eine Mannschaft gestoßen, die uns in vielen Bereichen den Schneid abgekauft hat. Wir haben es nicht geschafft, unser Spiel nach vorne umzusetzen.”

Und so kamen die Ostwestfalen zu Chancen. Durch Fabian Klos, der alleine auf Marvin Schwäbe zulief und an dem Kölner Keeper scheiterte (25.), durch Patrick Wimmer, dessen Torschuss durch Luca Kilians Grätsche gerade noch verhindert wurde (42.), und erneut durch Bielefelds Kapitän Klos, dessen Kopfball von Benno Schmitz auf der Linie geklärt wurde (45.+3). Steffen Baumgart sah man beim Gang in die Halbzeitpause an, dass es Redebedarf gab – so konnte es für die “Geißböcke” bei diesem wichtigen Auswärtsspiel nicht weitergehen.

Luca Kilian im Zweikampf gegen Patrick Wimmer beim 1:1-Remis auf der Bielefelder Alm. (Foto: Dean Mouhtaropoulos/Getty Images)

Es ging weiter – und zwar so, wie in den letzten dreißig Minuten vor der Halbzeit. Bielefeld drückte, der 1. FC Köln beschränkte sich darauf zu reagieren. Die Strafe folgte in der 59. Spielminute, als der eingewechselte Bryan Lasme aus 14 Metern zum Ausgleich ins linke Toreck traf. Danach versuchte die Arminia alles, um endlich den ersten Heimdreier der Saison zu schaffen, scheiterte jedoch an Keeper Schwäbe und dem eigenen Schusspech. Dr. Brych setzte diesem Spiel dann in der 93. Minute ein Ende, das von Bielefelder Protesten begleitet wurde, wähnten sich die Arminen doch um eine große Konterchance beraubt.

Erkenntnisse: Ein Punktgewinn trotz schwacher Leistung

Wollte man der fußballerischen Leistung der Kölner das Prädikat “durchwachsen” verleihen, würde man sich eines Euphemismus bedienen, der die Darbietung der “Geißböcke” unverdient wohlwollend beschreiben würde. Man weiß gar nicht, wo man mit der Aufzählung der Fehlleistungen beginnen soll. Bei Kingsley Schindler, der in erster Linie dadurch auffiel, dass er Fehlpässe am laufenden Band produzierte und in der Regel seinem Gegenspieler hinterherlaufen musste? Bei Ellyes Skhiri, der im Mittelfeld nur selten Zugriff auf das Spiel bekam und nach seiner Verletzung der guten Form in den Spielen zuvor hinterherläuft? Bei Sebastian Andersson, der nach seiner Einwechselung eine merkwürdig uninspirierte Darbietung ablieferte, die bei Ljubicics Flankenlauf darin kulminierte, dass er den Paarlauf mit dem Bielefelder Innenverteidiger der selbstverständlich gebotenen Absetzbewegung im Strafraum vorzog?

“Wir sind in Führung gegangen, was uns eigentlich in die Karten hätte spielen müssen. Leider war das Gegenteil der Fall.”

Die Beispiele ließen sich problemlos erweitern und auch die Spieler sprachen die schwache Leistung an: “Wir sind in Führung gegangen, was uns eigentlich in die Karten hätte spielen müssen. Leider war das Gegenteil der Fall. Danach waren wir lethargisch und so ist Bielefeld ins Spiel gekommen”, ordnete Interimskapitän Rafael Czichos die Darbietung seines Teams ein. Was war gut? Wenig. Schwäbes Torwartleistung sollte Erwähnung finden. Schön, dass man beim 1. FC Köln einen Keeper agieren sieht, der sich im Eins-gegen-Eins breit macht und nicht wegknickt, der mit dem Ball am Fuß souverän agiert und seiner Abwehr das Gefühl verleiht, dass da jemand das Tor hütet, auf dessen aktives Torwartspiel man sich verlassen kann. Rafael Czichos machte eine gute Partie, kompromisslos, sicher und mit dem ein oder anderen Offensivimpuls. Und die kämpferische Leistung, die in diametralem Gegensatz zur spielerischen Darbietung stand. Die Kölner spielten schlecht, aber sie wehrten sich wenigstens. Und das war in der Vergangenheit weiß Gott nicht immer so.

Der Ausblick: Die Puppenkiste kommt

Am nächsten Freitagabend (20.30 Uhr) kommt der FC Augsburg nach Köln. Ein gewohnt unangenehmer Gegner, dessen Spielstil auch die zahlreichen Trainerwechsel des Vereins zu überdauern scheint und der unter Einsatz aller erlaubten und nicht selten auch unerlaubten Mittel agiert. So ist zu hoffen, dass – in memoriam Marwin Hitz – die Elfmeterpunkte im Kölner Stadion die Partie gegen die Fuggerstädter unbeschadet überstehen werden. Spiele gegen den FC Augsburg sind nur selten vergnügungssteuerpflichtig und es steht zu befürchten, dass sich dies am nächsten Freitag auch nicht ändern wird.

Gewiss, der 1. FC Köln wird kämpferisch mithalten müssen, um die Punkte in Müngersdorf behalten zu können. Vor allem muss er aber spielerisch an Leistungen anknüpfen wie gegen Leipzig oder Mönchengladbach, um die Partie zu seinen Gunsten entscheiden zu können. Sicherlich wird Mark Uth wieder zur Verfügung stehen, möglicherweise auch Jonas Hector. Uth würde Modeste vorne im Zentrum entlasten und Hector Benno Schmitz wieder die Gelegenheit geben, auf die rechte Abwehrseite zu wechseln. Eines ist sicher: Ein Nachteil wäre dies gewiss nicht.

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