Champions League Vorschau Gruppe F: FC Zenit, BVB, Lazio, Club Brugge

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Artikelbild: Champions League Vorschau Gruppe F: FC Zenit, BVB, Lazio, Club Brugge

In der Champions League steht die Gruppenphase der neuen Saison an. In der Gruppe F stehen sich der FC Zenit, Borussia Dortmund, Lazio und der Club Brugge gegenüber. Wir liefern einen Überblick über die Gruppe!

  • Russischer Meister Zenit als Underdog
  • Kann der BVB konstant abliefern?
  • Lazio: Immobile ist bereit für die große Bühne
  • Gruppe A: Bayern, Atletico, RB Salzburg, Lok. Moskau
  • Gruppe B: Real Madrid, Shakhtar, Inter, GladbachGruppe C: FC Porto, ManCity, Olympiakos, Marseille
  • Gruppe D: Liverpool, Ajax, Atalanta, MidtjyllandGruppe E: Sevilla, Chelsea, Krasnodar, Rennes

Zenit: Russischer Doublesieger als Underdog

Den Kopf der Gruppe F bildet logischerweise die Mannschaft aus Lostopf 1. Doch im Gegensatz zu vielen anderen Gruppen in der Champions League dürfte Zenit St. Petersburg nicht als Favorit auf ein Weiterkommen in die Gruppenphase der Königsklasse starten. Trotz dem Double in der heimischen Liga, Meistertitel und Pokalsieg, fällt der Name der Russen ein wenig zurück, wenn man auf die deutsche und italienische Beteiligung in der Gruppe schaut. Doch die Mannschaft von Trainer Sergey Semak (44), die zusätzlich zum Double auch den nationalen Supercup für sich entscheiden konnte, wird sicherlich nicht kampflos aufgeben.

Die neue Saison in Russland läuft ähnlich gut wie die vergangene für das Team aus St. Petersburg. Nach zehn Spieltagen steht man mit 21 Punkten an der Tabellenspitze, punktgleich mit dem Konkurrenten Spartak Moskau. Besonders ins Auge sticht das starke Torverhältnis des russischen Teams. Mit 21 erzielten Treffern und nur sechs Gegentoren liegt dieses schon früh in der Saison bei beeindruckenden +15. Die Balance bei Zenit stimmt. Nur gegen Dinamo Moskau musste man sich bis jetzt geschlagen geben, und dies auch denkbar knapp mit 1:0. Gegen Spartak gab es am letzten Spieltag ein 1:1-Unentschieden, auch deshalb konnte man sich weiter auf dem Spitzenplatz der Tabelle halten. 

Zenit mit solidem System

Zenit ist im Moment das Beste, was der russische Fußball zu bieten hat und wird auch mit genau diesem Selbstbewusstsein in die Gruppe F starten. Grundpfeiler des Erfolges ist das stabile 4-4-2 System Semaks, welches meist mit zwei eher defensiven, zentralen Mittelfeldspielern aufgestellt wird. Zenit ist selten berauschend, aber effektiv und wahnsinnig unangenehm zu bespielen. Dies könnte auch Mannschaften wie Borussia Dortmund vor einige Herausforderungen stellen. Seit dem Sommer ist auch der ehemalige Liverpooler Dejan Lovren (31) fester Bestandteil der diszipliniert arbeitenden Defensive und startete in allen Ligaspielen. Der Innenverteidiger steht schon fast sinnbildlich für den Fußball Zenits. Unspektakulär, physisch, und verlässlich. 

In der Offensive setzt man auf zwei Faktoren. Schnelle Flügel wie Malcom (23), den der geneigte Zuschauer aus Rom und Barcelona kennt. Und auf eine Schlüsselfigur: Kapitän Artem Dzyuba (32). Der großgewachsene Russe ist quasi eine Mustervorlage für einen Strafraumstürmer, erzielte in neun Partien schon sechs Ligatreffer. Doch zugleich ist er auch der Fixpunkt im Spiel mit dem Ball, setzt seinen Körper immer wieder clever ein und kommt auch deshalb schon auf drei Torvorlagen. Wer Zenit besiegen will, muss Dzyuba unter Kontrolle bekommen.

BVB: Favorit aus dem Ruhrpott?

Unter den Fans von Borussia Dortmund galt es in den letzten Jahren als gesetzt, dass man schon in der Gruppenphase auf starke Gegner treffen würde. Treffen mit Real Madrid gehörten fast schon zur Tagesordnung, im letzten Jahr warteten Inter und der FC Barcelona. Deshalb dürfte die Gruppenkonstellation für viele Borussen fast schon überraschend sein. Neben Lazio gelten die Dortmunder als Favoriten, verfügen über den spannendsten Kader der gesamten Gruppe F. Ob dies für den BVB, der oft für Spektakel gegen große Namen und für Enttäuschungen gegen unangenehme Underdogs stand, eine gute Sache ist?

Fest steht, dass die Mannschaft von Lucien Favre eine gute Chance auf den Einzug in die KO-Phase der Champions League hat. Schon im letzten Jahr konnte man diesen Schritt machen und sich gegen Inter Mailand durchsetzen, in diesem Jahr scheint die Konkurrenz in der Gruppe geringer. Favres Mannschaft ist seit dem letzten Jahr weitestgehend zusammen geblieben, nur der Abgang von Achraf Hakimi (21) könnte etwas schmerzen. Der Marokkaner erlebte in der letzten Saison seine besten Auftritte in der Königsklasse.  Die größte Frage die sich BVB-Fans vor der Gruppenphase stellen dürften, ist die selbe wie in der Liga: Schaffen es die Borussen konstant ihre Qualität abzurufen?

Zwischen Fußballfesten und Tristesse

Im letzten November stellte Favre nach vielen Diskussionen, auch mit seinen Spielern, auf eine Dreierkette um. Sein bevorzugtes 4-2-3-1-System hatte beim BVB nie hundertprozentig gegriffen, immer wieder schienen die Spieler verunsichert und gaben selbst hohe Führungen noch aus der Hand. Und tatsächlich stabilisierte der zusätzliche Innenverteidiger das Dortmunder Abwehrverhalten. Angeführt von einem enorm formstarken Mats Hummels (31) und dem im Winter eingekauften Emre Can (26) verschoben sich die offensichtlichen Probleme Dortmunds in einen anderen Teil des Feldes.

Denn trotz der enorm hohen Qualität in der Offensive um Jadon Sancho (20), Erling Haaland (20) und Gio Reyna (17), gelingt es dem BVB nicht immer, tiefstehende Gegner zu knacken. Und wenn die Maschinerie nicht ins Rollen kommt, schleicht sich oft auch noch Trägheit ein. Der Gegner wird dann nicht ausreichend mit scharfem und schnellem Passspiel gefordert und kann sich für die vereinzelten Nadelstiche ausruhen. Perfekt zu beobachten bei der überraschenden Niederlage in Augsburg. Die Hoffnung der Borussen könnte hierbei auf dem erfahrenen und wiedergenesenen Kapitän Marco Reus (31) liegen. Sein Einfluss kann Formschwankungen der jungen Wilden minimieren.  Sollte der BVB die Qualität des Kaders regelmäßig auf den Platz bringen, könnte ein sehr spannendes, europäisches Jahr auf Schwarzgelb warten.

Ist die Zeit Lazios gekommen?

Seit 2016 steht Simone Inzaghi (44) an der Seitenlinie und beobachtet kritisch, wie sich seine Mannschaft, Lazio, präsentiert. Mit einer klaren Spielidee und einem unbestrittenen Superstar im Sturm erreichten die Römer im letzten Jahr den vierten Tabellenplatz und lagen am Ende der Saison nur fünf Punkte hinter Dauermeister Juventus. Viele der Spieler sind im besten Fußballeralter und nun soll auch auf der großen, europäischen Bühne Werbung für die konstante Arbeit Inzaghis gemacht werden. In der Gruppenkonstellation der Gruppe F zählt Lazio mit den Dortmundern zu den Favoriten, doch die bisherigen Auftritte in der neuen Saison machen nicht nur Hoffnung.

Nach einem souveränen Auftaktsieg gegen Cagliari gab es eine herbe Klatsche gegen Atalanta BC und ein Remis gegen Inter Mailand. Diese beiden Spiele und ihr Verlauf zeigten sehr gut Stärken und Schwächen der italienischen Mannschaft auf. So war man Atalantas Offensivpower nicht gewachsen und kassierte am Ende vier Gegentore. Lazio ist, trotz guter Resultate, immer noch kein konstantes Spitzenteam. Wenn die Mannschaft unter enormem Druck steht, kommt es immer mal wieder zu solchen Niederlagen. Besonders bitter ist hierbei die Verletzung von Innenverteidiger Luiz Felipe (23), der in dieser Saison noch kein Spiel absolvierte. Gegen Inter hingegen zeigten die italienischen Hauptstädter, dass sie an guten Tagen mit jedem Team mithalten können und durch diszipliniertes Auftreten jede Mannschaft an den Rand einer Niederlage bringen können.

Der unglaubliche Immobile

Inzaghi setzt zumeist auf ein 3-5-2-System und legt hohen Fokus auf die Zentrale. Spieler wie Sergej Milinkovic-Savic (25) stehen hierbei sinnbildlich für ein prägendes Element des Spiels. Körperlich robust, diszipliniert im Verteidigen, aber auch mit der Fähigkeit gesegnet blitzschnell Gegenangriffe zu initiieren. Die fußballerische Klasse im römischen Zentrum ist hoch. Spieler wie Luis Alberto (28) verfügen über genug technische Raffinesse, um den Angriffen Lazios eine gewisse Uneberechenbarkeit beizufügen.

Doch der wichtigste Spieler und meist der Angreifer, der die Offensivbemühungen abschließt, ist sehr gut ausrechenbar. Es ist Ciro Immobile (30). Seit Jahren trifft der Italiener immer und immer wieder, seit seiner Rückkehr in die Heimat zählt er zu den besten Stürmern Europas. Und obwohl dies kein Geheimnis mehr ist, ist der Angreifer kaum zu stoppen. 36 (!) mal traf Immobile in der vergangenen Saison ins Schwarze und ließ damit auch Christiano Ronaldo hinter sich. Immobile, und auch Lazio, sind bereit für die große Bühne.

Club Brugge – Regelmäßige Ausrufezeichen

Der Club Brugge ist der vierte im Bunde. Neben dem russischen Meister sowie starken italienischen und deutschen Konkurrenten zählen die Belgier, wie in jedem Jahr, in ihrer Gruppe zu den stärksten Kandidaten für ein frühes Ausscheiden aus den europäischen Wettbewerben. Doch unterschätzen sollte man den Verein auf keinen Fall. Denn Brugge ist kein Unbekannter auf dem Parkett der Königsklasse und konnte auch in den letzten Jahren immer wieder leistungstechnische Ausrufezeichen setzen.

Am Ende war dann zumeist doch die finanzielle und damit verbundene, qualitative Überlegenheit der Mannschaften aus den Top5-Ligen ausschlaggebend, das heißt aber nicht, dass man von Brugge nicht ansehnlichen Fußball und eine ordentliche Herausforderung an beinahe jedes Teams des Kontinents erwarten kann. Brugge zählt zu den unbestrittenen Top-Mannschaften in der belgischen Liga und konnte bereits 16 Mal den Meistertitel erringen. Die Champions League ist für den Underdog also kein ungewohntes Terrain, in schöner Regelmäßigkeit präsentiert sich die Mannschaft auch im prestigeträchtigsten Wettbewerb Europas.

Variabel und gefährlich

Seit letztem Jahr wird das belgische Team von Philippe Clement (46) gecoacht. Der Trainer hat in seiner Amtszeit Brugge zu einer Mannschaft geformt, die zahlreiche Formaionen spielen kann und diese fast ohne Leistungsabfall wechseln kann. Alleine in dieser Saison wurden in acht Ligaspielen vier verschiedene, taktische Ansätze präsentiert. Drei Parteien mit 3er-Kette, die anderen mit 4er-Kette. Diese taktische Flexibilität kann auch in der Gruppe F dafür sorgen, dass die Belgier für die ein oder andere Überraschung sorgen. Besonders lobenswert ist diese Variabilität unter dem Gesichtspunkt der Dominanz in heimischen Gefilden, sie steht für die Lust am Experimentieren.

Im Tor kann man zudem auf große Erfahrung bauen, der ehemalige Liverpooler Simon Mignolet (32) hütet den Kasten. Generell baut man auf erfahrene Spieler in defensiven Schlüsselpositionen. Kapitän Rudy Vormer (32) ist schon seit 2014 bei Brügge und bildet den Kern des Spiels im zentralen Mittelfeld. Nur in der Offensive setzt man auf Tempo und Jugend. Spieler wie Youssouph Badji (18), Emmanuel Dennis (22) und Krepin Diatta (21) haben die Qualität, nahezu jeden Gegner zu überrumpeln und sind Namen, mit denen man sich auch über Belgien hinaus in den nächsten Jahren auseinandersetzen wird. Ein Lob für das starke Scouting in diesem Bereich. Auch in diesem Jahr wird Brugge alles geben, und für die ein oder andere starke Leistung gut sein.

Prognose

Der BVB und Lazio sind die Favoriten auf ein Weiterkommen. Doch jedes Team der Gruppe hat Potential, für eine Überraschung zu sorgen. Auch wenn sich über die sechs Spiele am Ende die Favoriten durchsetzen werden, wird es enger als viele bei den Namen erwarten.

Julius Eid