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·20. September 2022

Bierhoff: "Gruppensieg wäre ein Statement"

Artikelbild:Bierhoff: "Gruppensieg wäre ein Statement"

Die Nationalmannschaft bereitet sich erstmals am neuen DFB-Campus in Frankfurt auf ein Länderspiel vor. Am Freitag in Leipzig (ab 20.45 Uhr live im ZDF) spielt das Team von Bundestrainer Hansi Flick in der Nations League gegen Ungarn. Oliver Bierhoff, Direktor Nationalmannschaften und Akademie, sowie Joshua Kimmich sprechen darüber.

Oliver Bierhoff über...

... das erste Training auf dem neuen Campus: Ich konnte aus einem Meeting heraus auf den Platz schauen, das war eine wunderbare Situation für mich wie für jeden Mitarbeiter hier, die Trainingseinheit verfolgen zu dürfen. Die Frauen waren hier, die Männer sind jetzt hier und so geht das Bild dann auf, was man immer vor Augen hatte. Wir freuen uns, dass wir nach der Sommerpause als Mannschaft zusammenkommen. Es ist ein besonderer Lehrgang, weil wir die Nations League erfolgreich abschließen möchten und weil es der letzte Lehrgang vor der Kadernominierung für die WM ist. Ich weiß, dass die Trainer sehr intensiv und akribisch arbeiten und Gespräche führen. Auch in der Zeit bis zur Nominierung werden sie die Spieler genau beobachten.

... den DFB-Campus: Der Campus soll die Heimat des gesamten deutschen Fußballs sein. Auch für Mannschaften, die normalerweise gar nicht solche Trainingsmöglichkeiten haben. Wir haben uns die Vorgabe gesetzt, dass jede Mannschaft, wenn möglich, hier ihr Quartier aufschlagen kann. Es ist logistisch einfacher, und man hat immer gute Platzverhältnisse. Es gibt hier 33 Zimmer, das ist für eine Mannschaft immer ausreichend.

... zur Nations League: Wir haben schon den Anspruch, sie erfolgreich abzuschließen, das sind keine Freundschaftsspiele.

... zur Belastung der Spieler: Die Belastung ist auf jeden Fall sehr hoch, sie findet nur an anderer Stelle statt. Wenn die Spieler die WM nicht spielen würden, würden sie die Spiele im Verein machen. Ich sehe durch die WM keine höhere Belastung. Außerdem beschäftigen wir uns stark mit Belastungssteuerung und haben ein professionelles Umfeld, deswegen sehe ich da kein Problem.

... das Ziel bei der WM: Unser großes Ziel ist natürlich das Finale am 18. Dezember. Wenn eine deutsche Nationalmannschaft in ein Turnier geht, dann sollte sie die Ambitionen und den Glauben haben, ins Finale zu kommen und dieses auch zu gewinnen.

... die Unterkunft in Katar: Wir haben die Philosophie, dass wir immer gerne ein ruhiges Ambiente auswählen. Wir haben gerne unseren eigenen Bereich. In der Stadt besteht nach unseren Informationen das Risiko, dass die Anfahrt zum Training während eines Turniers deutlich verzögert wird.

... Veränderungen seit der letzten WM: Wir haben mit Hansi Flick einen Erfolgstrainer mit klaren Vorstellungen, der weiß wie man eine Mannschaft zum Erfolg führt. Unsere Spieler haben sich verbessert, viele Erfahrungen gesammelt. Da ist nach den vergangenen beiden Turnieren eine Menge Wut im Bauch, so etwas nicht noch einmal zu erleben. Mentalität, Qualität der Spieler und ein Toptrainer machen den Unterschied.

... die größten Baustellen der Mannschaft: Wir müssen noch abgeklärter sein und in Spielen, in denen wir dominieren und gut spielen, den Gegner nicht mehr zurücklassen. Da lassen wir häufig noch einen Türspalt offen.

... das Ziel, in der Weltspitze zu spielen: Wir sind auf einem guten Weg. Wenn wir die Nations-League-Gruppe gewinnen, wäre das ein Statement. Vor allem wenn wir vor England landen. Italien schätze ich nicht ganz so stark ein, das kennen wir aus der Vergangenheit anders.

Joshua Kimmich über...

... das erste Training am Campus: Die Plätze sind sehr gut, wir fühlen uns absolut wohl. Der Campus macht einen guten Eindruck.

... die Nations League: Es geht immer auch um die Art und Weise, im Endeffekt aber um das Ergebnis. Wir wollen unsere Gruppe gewinnen, als Erster Weiterkommen und das Selbstvertrauen mitnehmen.

... Gegner Ungarn: Ein unangenehmer Gegner, das haben wir im Hinspiel und bei der EURO 2020 schon gemerkt. Sie verteidigen sehr leidenschaftlich. Ich habe selten gegen eine Mannschaft gespielt, die so diszipliniert spielt. Das Hinspiel war schwierig, weil da auch gute Stimmung war, was für ein Länderspiel eher ungewöhnlich ist und wir nur wenige Torchancen hatten.

... die WM in Katar: Auf eine WM hat man als Fußballer extreme Lust. Es wird zu Recht viel darüber diskutiert, aber es ist schwierig, sich nach der Vergabe mit den Missständen vor Ort auseinanderzusetzen. Das wusste man vorher. Es wird immer wieder ein Boykott der Spieler gefordert, aber da sind wir zwölf Jahre zu spät dran. Es wäre wichtig gewesen, sich vor der Vergabe darüber Gedanken zu machen. Der Geher Jonathan Hilbert hat gestern Eindrücke geschildert, vor allem über die klimatischen Bedingungen und die Medienfreiheit. Insgesamt ist es ein Spagat zwischen riesiger Vorfreude und den Missständen. Im Endeffekt sind wir dort, um sportlichen Erfolg zu haben.

... die WM während der laufenden Bundesligasaison: Die WM ist schon ein bisschen im Kopf, aber wir wollen hier jetzt erst mal die Nations-League-Gruppe gewinnen. Dass das eine WM-Vorbereitung darstellt, ist uns bewusst, das sind die Vereinsspiele auch. Aber als Fußballer will man alle drei Tage in Form sein und ein gutes Spiel machen.

... das Spiel ohne Mittelstürmer: Unabhängig von der echten Spitze ist die Spielweise in der Nationalmannschaft und im Verein ähnlich. Es kommt aber auch immer auf den Gegner an. Es gibt Prinzipien, die immer gelten, und einen Matchplan, der auf den Gegner angepasst ist. Wir haben viele Möglichkeiten, wie wir aufstellen und das Spiel angehen können.

... Serge Gnabry: Er ist für uns brutal wichtig, weil er sehr zielstrebig ist, immer den Abschluss sucht und die Dinger vor der Hütte auch eigentlich macht. Die Mannschaft hat ein riesiges Vertrauen in ihn. Wir haben hier und bei Bayern ein Luxusproblem im Kader, weil die Qualität sehr hoch ist. Jeder weiß, dass er performen muss - und das will auch jeder. Es gibt Konkurrenzkampf auf jeder Position.

... seine Führungsrolle: Wenn man schon viele Spiele absolviert hat, fühlt man sich in der Lage, Verantwortung zu übernehmen. Darüber mache ich mir aber nicht viele Gedanken, ich will Leistung bringen - das ist die Basis für alles andere.

... Sprüche von Kollegen zum FC Bayern München: Von Niklas Süle höre ich ein bisschen was, aber grundsätzlich konzentriert man sich hier auf die Nationalmannschaft. Für den neutralen Zuschauer ist die Bundesliga so spannender. Aber die Saison ist noch lang.

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