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·22. Februar 2024

Bayerncoach als "Lame Duck": So erging es Tuchels Vorgängern 

Artikelbild:Bayerncoach als "Lame Duck": So erging es Tuchels Vorgängern 

Der FC Bayern München und Trainer Thomas Tuchel werden ab Sommer getrennte Wege gehen. In der Historie des Klubs kam es schon häufiger vor, einen Trainer quasi zeitverzögert zu entlassen. Wie erging es den Vorgängern von Thomas Tuchel in der Folge?

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Trappatoni wurde noch Pokalsieger

Der FC Bayern München gab am Mittwoch die Trennung von Thomas Tuchel bekannt. Der Trainer wird den Klub trotz eines bis 2025 laufenden Vertrags nach der Saison verlassen. Zieht er bis zum Ende durch? In der Vergangenheit gab es schon ähnliche Fälle. Am 19. März 1998 war klar, dass sich die Wege von Giovanni Trappatoni und dem FC Bayern trennen würden. Der Mister hatte Wochen zuvor seine legendäre "Flasche leer"-Pressekonferenz gehalten und damit war für ihn klar, dass er seinen bis 2000 laufenden Kontrakt nicht mehr erfüllen würde. Als Nachfolger präsentierte der FC Bayern zügig Ottmar Hitzfeld. Am 14. April 1998 titelte der kicker vom "Eiertanz". Für Trappatoni ging es somit nur noch darum, mit dem DFB-Pokal den einzig möglichen Titel zu sichern. Champions League und deutsche Meisterschaft waren nicht mehr möglich. Trotz seiner Wut-Rede zogen die Spieler bis zum Ende mit und holten im Endspiel gegen den MSV Duisburg (2:1) den Pott nach München.


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Hitzfeld holte das Double

"Aus Spekulation wird Gewissheit", lautete die Headline des Spiegel am 2. Januar 2008. Hitzfeld als "Lame Duck"? Diese Gefahr drohte. Obwohl der FC Bayern in der Saison 2007/08 zu Saisonbeginn begeisterte, war die Magie, die Hitzfeld in der ersten Amtszeit in München (1998 bis 2004) ausstrahlte, nicht mehr da. Nach seiner Installation im Februar 2007 verpasste er schon den Sprung in die Champions League. Spätestens der von Karl-Heinz Rummenigge gewählte Satz, dass "Fußball keine Mathematik" sei, war der Anfang vom Ende. Hitzfeld zog sein Ding mit den Spielern allerdings professionell durch. Er holte das nationale Double und scheiterte in der Europa League erst im Halbfinale an Zenit Sankt-Petersburg (1:1/0:4).

Van Gaal scheiterte vorzeitig

Ein stilvoller Abschied? Louis van Gaal erlebte ein anderes Ende bei den Münchnern. Bereits im März 2011 stand fest, dass sich die Wege von ihm und den Roten trennen würden. Doch selbst der Plan, die Saison gemeinsam zu beenden, ließ sich nicht aufrechterhalten. Am 10. April war dann vorzeitig Schluss für van Gaal. "Fußball muss auch Spaß machen, aber der Spaß hat beim FC Bayern schon längere Zeit gefehlt", polterte der damalige Präsident Uli Hoeneß. Mit dem Torwartwechsel von Hans-Jörg Butt zu Thomas Kraft "ging die ganze Scheiße los". Dabei hatte das Team nach der Bekanntgabe von van Gaals Abgang zum Saisonende vor rund vier Wochen aus vier Partien in der Bundesliga zehn Punkte geholt. Das Tischtuch aber war zerschnitten, ein 1:1 in Nürnberg brachte das Fass endgültig zum Überlaufen. Der FC Bayern rutschte hinter Hannover 96 (!) auf Rang vier ab, drohte die Champions League zu verpassen. Die riskante Kehrtwende machte sich final bezahlt, van Gaals ehemaliger Co-Trainer Andries Jonker führte das Team in die Qualifikation zur Königsklasse.

Heynckes wusste früh Bescheid - und holte trotzdem das Triple

Jupp Heynckes bestritt die Saison 2012/13 bereits ab Dezember mit dem Wissen, dass ihn Pep Guardiola nach der Saison ersetzen würde. Der so erfolgreiche Coach war mit dieser Entscheidung nicht einverstanden, seine Wut wandelte er gemeinsam mit der Mannschaft in noch mehr positive Energie um. "Wir haben den besten Fußball gespielt, den der FC Bayern jemals gespielt hat! Weil sich die gesamte Mannschaft zu 100 Prozent mit ihm solidarisiert hatte", erklärte Hoeneß in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung rückblickend. Der FC Bayern wurde souverän deutscher Meister, holte den Pokal und die Champions League. Das Triple war historisch - und die Angst vor einer "lame Duck" unbegründet.

Tuchel als "Lame Duck"?

Welchen Weg wählt nun Tuchel? Sein Aus zum Saisonende ist seit Mittwochvormittag bekannt. Klar ist, dass die Profis nun in der Pflicht stehen. Dennoch darf sich ein Trainer nicht alles erlauben. Van Gaal etwa stolperte auch über seine Sturheit, Heynckes oder Hitzfeld hingegen pflegten trotzdem weiterhin einen professionellen, herzlichen Umgang mit den Bossen und dem Team. Es ist ein schmaler Grat, auf dem der Trainer wandelt. Je besser der Umgang mit den Führungsspielern ist, desto größer ist die Erfolgschance. Sollten sich die unzufriedenen Führungsspieler wie Joshua Kimmich oder Leon Goretzka zusammenraufen und vor allem mit Blick auf die Champions League alles reinwerfen, kann Tuchel möglicherweise doch noch den größten europäischen Titel nach München holen - den Titel "lame duck" könnte der so renomierte Coach dann ad acta legen.

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