2. Bundesliga: Die Tops und Flops der Saison 2021/22 | OneFootball

2. Bundesliga: Die Tops und Flops der Saison 2021/22

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Die Saison der im Vorfeld als beste zweite Liga der Welt bezeichneten 2. Bundesliga hat gehalten, was sie versprochen hat. Ein atemberaubendes Aufstiegsrennen zog Fans, Zuschauer und Akteure gleichermaßen in ihrem Bann. Die Tops, Flops, Gewinner und Verlierer im Überblick:

  • HSV bricht Fluch
  • Düsseldorf mit furioser Rückrunde
  • Darmstadt ganz nah dran am großen Coup

2. Bundesliga: Der klare Gewinner sind die Fans

Was für eine Saison! Die 2. Bundesliga wurde von vielen Experten und Fans als beste zweite Liga aller Zeiten betitelt. Das lag unter anderem auch an den beiden Bundesliga-Absteigern FC Schalke 04 und SV Werder Bremen. Gepaart mit Mannschaften wie dem Hamburger SV oder dem FC St. Pauli war klar, dass es kein einseitiges Rennen um den Aufstieg werden würde. Aber wer hätte gedacht, dass zum Beispiel der SSV Jahn Regensburg zu Anfang oben mitmischen würde oder geschweige denn der SV Darmstadt 98 sich so lange im Aufstiegsrennen würde halten können.

Am letzten Spieltag der 2. Bundesliga fochten theoretisch noch vier Mannschaften die Plätze zwei und drei untereinander aus. Ein Endspurt der von vielen bereits abgeschriebenen Hamburger gepaart mit Schwächephasen der Bremer, Darmstädter und Paulianer machte das Aufstiegsrennen noch einmal richtig spannend. Späte Treffer, Traumtore, kämpferische Leistungen und enge Partien bekamen die Fans geboten. Eine der aufregendsten Saisons im deutschen Fußballunterhaus ging mit einem Knall zu Ende und hat einen klaren Gewinner: Die Fans.

Vorweg sei gesagt: Natürlich sind auch die beiden direkten Aufsteiger Schalke und Werder unter Top einzuordnen. Im Nachfolgenden wird sich aber auf andere Mannschaften konzentriert, die gemeinhin weniger „selbstverständlich“ unter den Gewinnern dieser Saison einzuordnen sind.

Darmstadt überrascht und überzeugt: Pfeiffer und Tietz als Trumpf

In der Vorsaison der 2. Bundesliga liefen die Lilien auf einem guten siebten Platz ein, hatten aber nie wirklich Aufstiegsambitionen angemeldet. Nach einem Trainerwechsel hin zu Torsten Lieberknecht (48) war unklar, wie die Mannschaft performen würde. Knackpunkt waren vor allem zwei Transfers: Luca Pfeiffer (25) und Phillip Tietz (24). Die beiden Stürmer sind aus dem gleichen Holz geschnitzt: Groß, robust, kopfball- und abschlussstark.

Das System der Darmstädter war simpel: Über außen gefährliche Bälle ins Zentrum geben, die die beiden groß gewachsenen Stürmer (Pfeiffer: 1,96 Meter; Tietz: 1,90 Meter) dann verwerten sollen. Mit Erfolg: Pfeiffer (17 Treffer, sechs Vorlagen) und Tietz (15 Treffer, neun Vorlagen) waren gemeinsam für 47 Tore der Lilien verantwortlich. Das macht eine Beteiligungs-Quote von 66 Prozent an allen erzielten Darmstädter Toren (71). Auf den ersten Blick scheint die Mannschaft überperformed zu haben. Lieberknecht muss nun dafür sorgen, diese Leistungen zu bestätigen. Denn sowohl von Pfeiffer als auch von Tietz war diese Leistung keinesfalls zu erwarten. Tietz kam im Sommer aus der 3. Liga vom SV Wehen Wiesbaden, Pfeiffer aus Dänemark vom FC Midtjylland.

Photot: Alex Grimm/Getty Images

Was Darmstadt am Ende sozusagen „das Genick gebrochen“ hat, waren wortwörtlich Tops und Flops. Denn mit zehn Niederlagen kassierte man mit Abstand die meisten im Aufstiegsquintett, zu oft wechselten sich überragende Spiele (z.B. 4:2 bei S04, 4:0 vs. St. Pauli, 3:0 vs. Bremen) mit ernüchterndem Leistungsabfall (z.B. 2:5 vs. S04, 0:5 vs. HSV) ab. Dennoch war es eine Spielzeit, die vor der Saison wohl jeder Fan und Verantwortliche der Lilien so unterschrieben hätte.

Walter gibt dem HSV ein neues Gesicht – Mannschaft bricht den Fluch

Es war das vierte Jahr für den HSV in der 2. Bundesliga und um ein Haar erneut ein ernüchterndes. Denn in den drei Jahren zuvor verspielten die Rothosen auf den letzten Metern sehr gute Ausgangslagen und belegten den ungeliebten vierten Platz. Nach der Niederlage gegen Holstein Kiel (0:1) am 29. Spieltag sah auch in dieser Saison vieles nach einem erneuten Nichtaufstieg aus. Platz drei war sieben Punkte entfernt. Selbst bei einem eigenen Endspurt von fünf Siegen musste man auf Patzer der Konkurrenz hoffen. Aber genau die gab es. Was dem HSV in die Karten spielte waren die vielen direkten Duelle der Konkurrenten, die sich in den folgenden Wochen gegenseitig Punkte wegnahmen.

Das Team von Trainer Tim Walter (46) zeigte Moral und erledigte seinen Job, gewann die letzten fünf Spiele. Darunter überzeugende und deutliche Siege gegen Karlsruhe (4:0) oder Ingolstadt (3:0). Aber es waren die knappen Erfolge gegen Hannover 96 (2:1), Regensburg (4:2) und Hansa Rostock (3:2) die die Saison und gleichzeitig die Entwicklung der Mannschaft sinnbildlich wiedergeben.

Photo: Cathrin Mueller/Getty Images

Den Glauben an die eigene Stärke, den Kampfgeist wenn man so will, hat Walter in den Köpfen seiner Profis eingepflanzt. Etwas, das in den Jahren zuvor von Fans, Verantwortlichen und auch Spielern hinterfragt worden ist und gefehlt hat. Walters anspruchsvolles, risikoreiches und offensives System wurde von der Mannschaft angenommen und konsequent durchgezogen. Obwohl es, auch vereinsintern, Kritik an der Spielweise gab, hielten Trainer und Mannschaft daran fest. Wie es scheint zu Recht.

Denn statistisch war die Mannschaft in vielen Punkten stark. Beste Defensive, die mit Abstand beste Tordifferenz der Aufstiegsaspiranten. Allein die vielen Unterschieden sind ein Makel. Zwölf Remis an der Zahl, nur der KSC hat öfter Unentschieden gespielt (14). Das ist es auch, was den HSV in der Tabelle hat abrutschen lassen. Allerdings waren darunter auch einige „dreckige“ Punktgewinne, die es so in den letzten Jahren wohl nicht gegeben hätte. Stichwort Kampfgeist.

In der Relegation hat der ehemalige Bundesliga-Dino nun das erste Mal in vier Jahren auch im Saisonfinale Chancen auf den Aufstieg. Mit breiter Brust, viel Selbstvertrauen und einem Lauf von fünf Siegen in Serie, bei denen das Feld quasi von hinten aufgeräumt wurde, erwartet man nun den kommenden Gegner Hertha BSC.

Düsseldorf und Sandhausen mit furioser Rückrunde

Bei Fortuna Düsseldorf brannte zwischenzeitlich der Baum. Nach vier Niederlagen am Stück ohne eigene erzielte Treffer lag man Anfang Februar auf dem 16. Platz der 2. Bundesliga. Nur Erzgebirge Aue und der FC Ingolstadt standen zu dem Zeitpunkt schlechter da. Vorhang auf für Daniel Thioune (47). Der ehemalige Profi, der bereits den VfL Osnabrück und HSV in der 2. Bundesliga trainierte, übernahm Anfang Februar und startete einen beeindruckenden Lauf. Zum Einstand bezwang man mal eben Schalke mit 2:1. Und auch gegen den HSV entführte man einen Punkt (1:1), gegen Darmstadt war man sogar siegreich (2:1).

Photo: Dean Mouhtaropoulos/Getty Images

Insgesamt zwölf Spiele blieb die Mannschaft von Thioune ungeschlagen (sechs Siege, sechs Remis) und sicherte sich im Endeffekt souverän und völlig verdient den Klassenerhalt. Die erste Niederlage musste der Übungsleiter erst am letzten Spieltag gegen St. Pauli hinnehmen. Sogar ein zwischenzeitlich massiver Corona-Ausbruch (14 Spieler und Thioune) konnte Düsseldorf nicht stoppen.

Sandhausen wendete einen möglichen Abstieg aus der 2. Bundesliga mit einer überragenden Rückrunde ab. Schwarz auf weiß: Sandhausen belegt in der Rückrunden-Tabelle den fünften Rang. Acht Siege stehen vier Remis und nur fünf Niederlagen gegenüber. In der Hinrunde ging man noch neunmal als Verlierer vom Platz und konnte nur drei Siege einfahren. Punkte gegen auf dem Papier vermeintlich stärkere Mannschaften wie den HSV (1:1), Werder Bremen (1:1) oder den 1. FC Nürnberg (4:2) und eine zwischenzeitliche Serie von sieben Spielen ohne Niederlage brachten die Sandhäuser am Ende über die Ziellinie.

Kiel enttäuscht – Aue hat es dieses Jahr erwischt

Nun zu den weniger erfreulichen Schlagzeilen dieser Saison der 2. Bundesliga. Holstein Kiel, letzte Saison erst in der Aufstiegsrelegation am 1. FC Köln gescheitert, hatte mit einer starken Erwartungshaltung zu kämpfen und konnte diese nicht erfüllen. Allerdings darf hier nicht außer Acht gelassen werden, dass einige Leistungsträger den Verein vor der Saison verlassen haben. Torjäger Janni Serra (24) folgte dem Ruf von Arminia Bielefeld, Jonas Meffert (27) zog es zum HSV, Jae-Sung Lee (29) wechselte zum FSV Mainz 05.

Photo: Martin Rose/Getty Images

Vor allem die Abgänge von Lee und Serra konnten nicht aufgefangen werden. Vorne fehlte es an Durchschlagskraft, die Jann-Fiete Arp (22), Benedikt Pichler (24) oder Kwasi Wriedt (27) nicht liefern konnten. Das Fehlen von Meffert als sprichwörtlicher Staubsauger im zentralen Mittelfeld machte sich ebenfalls deutlich bemerkbar. Resultat waren ein schwacher 15. Platz nach der Hinrunde sowie die Entlassung des vorherigen Erfolgscoachs Ole Werner (34). Marcel Rapp (43) übernahm und führte Kiel, auch dank eines Zwischenspurts von sechs ungeschlagenen Spielen in Serie, auf einen sicheren und guten neunten Tabellenplatz. In Anbetracht der großen Erwartungen im Vorfeld aber dennoch eine Enttäuschung.

Düsseldorf bringt das Kunststück fertig, zugleich Top und Flop zu sein. Denn die furiose Rückrunde darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass man sich nach dem fünften Platz der vergangenen Saison durchaus im Dunstkreis der Aufstiegsaspiranten wähnte. Daher dürfte der zehnte Platz im Großen Ganzen doch wohl eher als Enttäuschung denn als Erfolg verbucht werden. Und auch Nürnberg wird sich mehr vom Saisonfinale erhofft haben. Lange Zeit spielte die Mannschaft um die ersten drei Plätze mit. Jedoch leistete sich Nürnberg im Endspurt zu viele Patzer.

Photo: Cathrin Mueller/Getty Images

Erzgebirge Aue hat es in diesem Jahr nicht geschafft, dem Abstieg von der Schippe zu springen. Nach dem Abgang von Torgarant und Lebensversicherung Pascal Testroet (31) allerdings auch nicht verwunderlich. Nach Aufsteiger Ingolstadt die schwächste Offensive und gleichzeitig mit 72 Gegentoren die Schießbude der Liga: Die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache.

Anfang leistet sich Fehltritt

Abseits des grünen Rasens hat sich zu Beginn der Saison ein Protagonist zum größten Verlierer der Saison aufgeschwungen. Markus Anfang (47) sollte Werder eigentlich zurück in die Bundesliga führen, sorgte aber im November 2021 für ganz andere Schlagzeilen. Damals wurde der Vorwurf laut, der Trainer hätte wissentlich sein Impfzertifikat gefälscht. Er bestritt diese Vorwürfe zunächst, trat dann aber wenige Tage nach Bekanntmachung der Vorwürfe von seinem Amt als Bremen-Coach zurück. Im Nachhinein und mit einigem Abstand räumte der Übungsleiter seinen Fehler ein.

(Photo by Martin Rose/Getty Images)

Der DFB sperrte Anfang Ende Dezember für ein Jahr. „Markus Anfang und Florian Junge haben durch ihr Handeln in erheblichem Maße gegen die Vorbildfunktion als Trainer verstoßen“, sagte damals Hans E. Lorenz, der Vorsitzende des Sportgerichts. Allerdings könnte Anfang, wenn ein Verein Interesse zeigen sollte, zur kommenden Saison wieder coachen. „Im Hinblick auf ihre abgelegten Geständnisse ist es aber gerechtfertigt, einen Teil der Sperre zur Bewährung auszusetzen, um ihnen die Möglichkeit zu geben, zur Saison 2022/2023 ein neues Engagement einzugehen.“

Eine ereignisreiche Saison der 2. Bundesliga liegt jetzt hinter uns. Sie hat gehalten, was sie im Vorfeld versprochen hat. Egal ob der HSV aufsteigt oder Hertha den Gang in Liga zwei antreten muss, eines ist sicher: Auch im nächsten Jahr werden mehrere Teams im Aufstiegsrennen mitmischen. Und auch der Abstiegskampf dürfte wieder mit einigen ganz eigenen Geschichten aufwarten. Mit Sicherheit wird es wieder zumindest einen Gewinner geben: Die Fans.

Photo: Alexander Hassenstein/Getty Images

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