dieblaue24
·28 de fevereiro de 2025
Der Gast-Kommentar von Franz-Josef Obermaier: "Ist das Demokratie, die man sich für diesen Verein wünscht?"
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·28 de fevereiro de 2025
Die Lage ist ernst wie selten zuvor beim TSV 1860. Aus diesem Grund hat uns der frühere Verwaltungsratskandidat Franz-Josef Obermaier aus Forstern einen durchaus lesenswerten Gast-Kommentar geschickt - sein Statement im Wortlaut:
es sind turbulente Zeiten für unseren TSV 1860 München – nicht nur sportlich, sondern auch vereinsintern. Während sich auf dem Platz eine beängstigende sportliche Talfahrt abzeichnet, brodelt es ebenso hinter den Kulissen. Unzufriedenheit, Spaltung und Frust bestimmen die Diskussionen in den Foren, auf den Rängen und in den sozialen Medien. Doch so verständlich der Ärger auch sein mag – wenn wir etwas verändern wollen, müssen wir den Blick auf das richten, was wirklich zählt: unsere aktive Teilnahme am Vereinsleben.
Der letzte hohe Sieg – doch wo stehen wir heute?
Der 9:0-Erfolg, über den man heute spricht, war keiner auf dem Fußballfeld, sondern das Ergebnis einer Mitgliederversammlung, die wohl niemand vergessen wird, der sie miterlebt hat. Große Worte wurden gesprochen, es wurde sich selbst gefeiert, es wurde gesungen – doch wo steht der Verein nun, sieben Monate später? Sportlich auf dem absteigenden Ast, strukturell in einer Sackgasse und in der Fanszene zunehmend gespalten.
Es war von „Zirkuskünstlern“ die Rede, es wurde gelobt, dass man in den letzten Jahren geliefert habe wie kein anderer zuvor. Besonders stolz betonte man, dass es so viele Gespräche mit der Stadt über das Stadion gegeben habe wie nie zuvor. Doch kürzlich hat Oberbürgermeister Reiter selbst diesen Punkt öffentlich dementiert: Entsprechende Verhandlungen habe es in dieser Form nicht gegeben. Damit stellt sich die Frage: Wer verkauft hier welche Erfolge – und welche Realität steht dahinter?
Westkurve, Spruchbänder und Spaltung
Gefeiert wird in der Westkurve nach wie vor, doch meist feiert man sich selbst. Beleidigende Spruchbänder gehören mittlerweile zur Tagesordnung bei den Spielen. Statt geschlossener Unterstützung für die Mannschaft prägen interne Fehden und persönliche Anfeindungen das Bild. Doch wem hilft das? Sicher nicht den Spielern auf dem Platz, sicher nicht dem Verein und schon gar nicht einer Einigung innerhalb der Fanszene. Gleichzeitig werden weiterhin Pyros und Feuerwerke gezündet – in vollem Bewusstsein, dass dies dem Verein erheblichen finanziellen Schaden zufügt. Die Westkurve war einst das Herz der lautstarken Unterstützung für die Mannschaft. Daran sollte sie wieder anknüpfen.
Präsidiumsentscheidung ohne breite Diskussion
Während die Kurve in eigenen Kämpfen gefangen ist, werden auf Vereinsebene grundlegende Entscheidungen getroffen – ohne Transparenz und ohne Einbeziehung der Mitglieder in die Diskussionen. Ein langjähriger Präsident, über dessen Leistung sich jeder selbst eine Meinung bilden kann, wurde vom Verwaltungsrat kurzerhand abgesägt.
Ohne offene Debatten, ohne den Versuch, eine breit getragene Lösung zu finden, wurden die Vorschläge für das neue Präsidium hinter verschlossenen Türen festgelegt. Ist das die Demokratie, die man sich für diesen Verein wünscht? Die Satzungen wurden in den letzten Jahrzehnten genau in diese Richtung geändert, sodass der Verwaltungsrat hier die alleinige Entscheidung treffen kann. Eine Mitsprache der Mitglieder oder eine offene Diskussion über alternative Kandidaten? Fehlanzeige.
Sportlicher Abstiegskampf – und das Vereinsleben?
Während die Mannschaft Woche für Woche Niederlagen kassiert, die Neuzugänge und der Trainerwechsel zur Winterpause wirkungslos verpufft sind, scheint sich niemand der sportlichen Katastrophe wirklich anzunehmen. Der Geschäftsführer Dr. Werner, der bei der Kaderplanung auf Künstliche Intelligenz vertraute, steht inzwischen isoliert da – keine Unterstützung von jenen, die im vergangenen Sommer noch Verantwortung übernommen haben.
Gleichzeitig sind Fanorganisationen wie „Weiss und blau für den TSV“ oder das „Bündnis Zukunft“ in einer paradoxen Situation: Einerseits wird ihnen vorgeworfen, nichts an der Lage zu ändern, andererseits hat keine dieser Gruppen eine offizielle Funktion im Verein. Sie können keine Entscheidungen treffen, keine strukturellen Weichen stellen. Und genau hier liegt der Kern des Problems: Die, die sich am lautesten über Vereinsverantwortliche, gewählte Personen und Satzungen aufregen, sind oft selbst nicht einmal Mitglieder oder nutzen ihr Stimmrecht nicht.
Veränderung passiert nicht in Foren – sondern auf der Mitgliederversammlung
Es ist leicht, sich in sozialen Medien über die Lage zu beschweren, Rücktritte zu fordern oder Verantwortliche zu kritisieren. Doch der TSV 1860 München ist ein Verein – und das bedeutet, dass einzig und allein die Mitglieder die Zukunft gestalten.
Eine Wahl kann 15 Stunden dauern, sie kann anstrengend sein – doch sie ist der einzige Ort, an dem echte Veränderung möglich ist. Wer unzufrieden ist, wer Reformen möchte, wer verhindern will, dass Entscheidungen über den Kopf der Mitglieder hinweg getroffen werden, der muss seinen Platz auf der Mitgliederversammlung einnehmen und seine Stimme abgeben. Alles andere ist folgenloses Lamentieren.
Lasst uns den Verein gemeinsam retten
Die Situation ist ernst. Sportlich geht es mit offenen Augen in Richtung Regionalliga, und wenn wir nicht aufpassen, könnte die Vereinsstruktur weiteren Schaden nehmen. Doch noch ist es nicht zu spät. Wenn Fans und Verantwortliche wieder an einem Strang ziehen, wenn sich mehr Menschen aktiv einbringen, dann kann der TSV 1860 München wieder auf den richtigen Weg finden.Lasst uns den Abstiegsgespenstern trotzen – gemeinsam, mit Leidenschaft und mit einem klaren Fokus auf das, was wirklich zählt: den sportlichen Erfolg und die Zukunft unseres Vereins.
Einmal Löwe, immer LöweFranz-Josef Obermaier