WELT berichtet über geleakte eMails, Uneinigkeit und Schuldzuweisungen beim TSV 1860 | OneFootball

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·21 novembre 2023

WELT berichtet über geleakte eMails, Uneinigkeit und Schuldzuweisungen beim TSV 1860

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Unter dem Titel “Die schmutzige Akte 1860” veröffentlicht die überregionale deutsche Tageszeitung WELT einen Artikel rund um das “Führungschaos” in dem der TSV 1860 München aktuell “versinkt”. Dabei wurden auch mehrere interne Dokumente geleakt.

Die Protagonisten im Führungschaos seien auf der einen Seite Präsident Robert Reisinger und auf der anderen Seite die beiden Vize-Präsidenten Heinz Schmidt und Hans Sitzberger sowie Saki Stimoniaris. In Der Tageszeitung wird Reisinger isoliert betrachtet und im Verlauf des Artikels auch scharf kritisiert.


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Aufsichtsrat Yahya Ismaik, der Bruder von Hasan Ismaik, wirft Reisinger vor, er habe im Sommer den früheren Bundesliga-Profi Horst Heldt “auf eigene Faust gegen alle Widerstände” durchsetzen wollen. Dabei hätten sich auch Schmidt und Sitzberger gegen Held positioniert, so die Aussage. Richtig ist das nicht. In einem vorangegangenen Interview hatte Vize Schmidt bereits erläutert, dass man zunächst alternative Vorschläge hatte prüfen wollen, man aber am Ende den Vorschlag von Reisinger unterstützt habe.

Auch Horst Heldt wird von WELT zum Alleingang von Reisinger befragt. “Es ist auf keinen Fall ein Alleingang von Reisinger gewesen. Er hat seine beiden Vizepräsidenten abgeholt, mit denen ich gesprochen habe. Auch der Geschäftsführer Pfeifer war bei den Vorgesprächen dabei. Danach gab es ein Treffen mit Stimoniaris, der allerdings meines Wissens recht spät einbezogen wurde”, so Heldt. Abgesagt hätte er dann selbst, weil er nicht die Unterstützung der Investorenseite hatte.

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Martin Gräfer machte Druck

Geleakt wurden dabei auch eMails von Präsident Reisinger an Martin Gräfer. “Ein Miteinander, wie es HAM vorschwebt, heißt andernorts Alleinherrschaft”, soll Reisinger dem Vorstandsmitglied des Hauptsponsors “die Bayerische” geschrieben haben. Dabei wolle Reisinger mit dem investorenkritischen Verwaltungsrat, der laut der WELT nur mit e.V.-Vertretern besetzt sei, dagegenhalten. Dass der Verwaltungsrat nur mit e.V.-Vertretern besetzt ist, ist eine logische Konsequenz aus der Tatsache heraus, dass es ein e.V.-Gremium ist. Das als Anmerkung unsererseits. Dabei wolle Reisinger zum Saisonende auch den Vertrag von Pfeifer nicht verlängern, heißt es. Diese Nachricht an Gräfer hätte dann dafür gesorgt, dass es zu einem “Aufstand der Sponsoren” kam, heißt es im Artikel der WELT. Gräfer hatte wiederum bereits im September in einer Mail an Yayha Ismaik kritisiert, dass das Ziel Aufstieg in die 2. Bundesliga nicht von allen Beteiligten mit der “notwendigen Klarheit und insbesondere dem erforderlichen Fokus mitgetragen” werde. Das würde sowohl das weitere Engagement von Hauptsponsor die Bayerische als auch weiterer Sponsoren in Frage stellen.

Der WELT liegt noch weiterer eMail-Verkehr zwischen Gräfer und Familie Ismaik vor. So habe Gräfer mitgeteilt, dass ihm zugetragen wurde, man wollte den Geschäftsführer fristgemäß kündigen. Es läge zwar in der Verantwortung der jeweiligen Gremien, erkennt Gräfer. Das Vorgehen sei aus Sicht von der Bayerischen “sowohl in der Kommunikation als auch in der Art der Umsetzung bildlich gesehen ein weiterer Tiefschlag, der sich kritisch auf die gegenseitige Vertrauensbildung auswirken kann.”

Mittlerweile hat die Bayerische gemeinsam mit Sponsoren ein Bündnis Zukunft gegründet. Der Hauptsponsor widerspricht zwar gegenüber dem Löwenmagazin, dass die Federführung bei der Bayerischen liegt, man sei nur Teil dieses Bündnisses. Auf den Folien ist jedoch überall das Logo des Hauptsponsors zu sehen. Außerdem ist bekannt, dass Gräfer federführend die Sponsorengruppe leitet.

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Reisinger nicht mehr im Aufsichtsrat der Profifußball KGaA

Aufsichtsratsvorsitzender Saki Stimoniaris hat laut WELT eine Untersuchung zu den Verschleppungs-Vorwürfen von Reisinger gegen Geschäftsführer Pfeifer eingeleitet. Pfeifer habe bei seiner Befragung erklärt, er sei am 14. Juni von Reisinger aufgefordert worden, “Bekannte von Herrn Reisinger, mit denen er das abgesprochen habe, als Scheinkandidaten neben Horst Heldt dem Aufsichtsrat vorzuschlagen, um sicherzugehen, dass Heldt den Zuschlag erhält.” Dies soll der Geschäftsführer aber nicht gemacht haben.

Präsident Robert Reisinger ist laut WELT als Aufsichtsrat der TSV München von 1860 GmbH & Co KGaA zurückgetreten. Aufsichtsratsvorsitzender Saki Stimoniaris erklärte, dass für HAM die weitere Zusammenarbeit mit Reisinger “nicht länger zumutbar” sei. Allerdings eine symbolische Geste, schreibt WELT, denn zu dem Zeitpunkt war Reisinger längst zurückgetreten. Stimonaris will nun, dass er auch aus dem Beirat zurücktritt. Dabei versucht er als HAM-Vertreter deutlichen Druck auf den Mutterverein und die dortigen Verantwortlichen auszuüben.

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v.l. Anthony Power, Yahya Ismaik und Andrew Livingston

Vorwurf der Zerstörung von 1860

Heftigen Vorwurf gibt es auch von Yahya Ismaik im Hinblick auf die potentielle Entscheidung des e.V. einen dritten Vize-Präsidenten ins Amt zu holen. Zur Erinnerung: die Mitglieder des e.V. hatten in einer Abstimmung bereits letztes Jahr entschieden, dass der Verwaltungsrat ein viertes Präsidiumsmitglied benennen darf. Würde der e.V. dies tun, wäre das nur “um sicherzustellen, dass Herr Reisinger seine Zerstörung von 1860 ungehindert fortsetzen kann”, so der heftige Vorwurf von Yahya. Damit würde man praktisch die Stimmen von Hans Sitzberger und Heinz Schmidt ad absurdum führen. Bei einem 2:2 würde die Stimme des Präsidenten doppelt zählen. Dies wäre ein weiteres Beispiel “für die Bösgläubigkeit des e.V”, erklärt Hasan Ismaik auf Anfrage der WELT. Sollte Pfeifers Vertrag nicht verlängert werden, will Ismaik prüfen lassen “welche Auswirkungen dies und die übrigen Verstöße seitens des e. V. auf den Bestand unseres Kooperationsvertrags hätten.”

Reisinger nur eingesetzter Vertreter der e.V.-Mitglieder

Präsident Robert Reisinger wollte sich nicht gegenüber der WELT im Hinblick auf die Inhalte der Aufsichtrats- und Beiratssitzungen äußern. Er fordert jedoch den Mitgesellschafter und Kreditgeber Hasan Ismaik auf, er möge sich in einem klärenden Gespräch mit dem e.V. in Verbindung setzen. Entweder persönlich oder per Videoschalte. Das lehnt Ismaik knallhart ab, weil er Reisinger laut WELT nicht auf Augenhöhe mit sich selbst sieht. Präsident Reisinger weigere sich zu akzeptieren, “dass er lediglich der eingesetzte Vertreter der e. V.-Mitglieder ist.” Das dürfte dem einen oder anderen 1860-Mitglied sicherlich sauer aufstoßen.

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Saki Stimoniaris

Ismaik droht durch Aufsichtsrat den Geldhahn zuzudrehen

Hasan Ismaik droht dem TSV München von 1860 e.V. mit dem Zudrehen des Geldhahnes. Wird seitens des e.V. ein Sport-Geschäftsführer eingesetzt, gibt Ismaik über den Aufsichtsrat kein Geld mehr frei. Zur Erinnerung: weil die TSV München von 1860 GmbH & Co KGaA hochverschuldet ist, muss jede Finanzierung über einen bestimmten Betrag hinaus vom Aufsichtsrat genehmigt werden. Und dort hat HAM die Mehrheit. Aufsichtsratsvorsitzender ist Saki Stimoniaris. Ismaik erläutert: “Finanzielle Mittel werden in dem Maße zur Verfügung gestellt, wie und wann sich der e. V. für eine konstruktive Zusammenarbeit mit seinem Partner entscheidet. Anstatt zu versuchen, den Willen einiger weniger unqualifizierter Personen einem Unternehmen aufzuzwingen, das sie nicht zu führen haben. Jeder, der gewissermaßen vom e. V. zwangsverpflichtet zu 1860 kommt, wird nicht mit dem Geist der Zusammenarbeit kommen, der für das Funktionieren unseres Klubs erforderlich ist.”

Der Artikel der WELT dürfte nun auch ein ganz anderes Licht auf das “Bündnis Zukunft TSV 1860 München” werfen. Gerne dürft ihr hierüber diskutieren.

Den vollständigen Artikel findet ihr hier (leider mittlerweile nur noch für Abonnenten): Fußball: Die schmutzige Akte 1860 München – WELT

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