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·5 April 2025

„Wir müssen 90 Minuten leiden“

Gambar artikel:„Wir müssen 90 Minuten leiden“

Der FC St. Pauli empfängt mit Borussia Mönchengladbach ein mutiges und kreatives Team, welches in vielen Spielphasen Lösungen hat. Für den FCSP ist das eine große Herausforderung.(Titelfoto: Stefan Groenveld)

Im „Vor dem Spiel“-Gespräch hat sich Michael mit Möppi vom exzellenten Blog & Podcast „Borussia Xplained“ zur aktuellen sportlichen Situation bei Borussia Mönchengladbach unterhalten. Das Gespräch möchte ich Euch sehr empfehlen.Ebenfalls sehr zu empfehlen ist der Blick von Nina auf „Verein und Fanszene“, der eine doch sehr unstete Entwicklung der Fanszene in Mönchengladbach nachzeichnet.


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Personal

Alle Infos zu verletzten/fehlenden Spielern und Rückkehrern, könnt ihr detailliert im Artikel „Personal-Situation vor FCSP vs. BMG“ nachlesen.Zwar freut man sich beim FC St. Pauli über die Rückkehr von Morgan Guilavogui in den Kader, allerdings macht nun die Defensive Sorgen, weil neben Karol Mets (Saison-Aus) auch Siebe Van der Heyden am Wochenende fehlen wird.Auf Seiten von Borussia Mönchengladbach ist die personelle Situation insgesamt sehr positiv, abgesehen davon, dass im Tor und auf der Sechser-Position jeweils Spieler fehlen.

Was hat Borussia Mönchengladbach zu bieten?

Eine ziemlich gute Form. Borussia Mönchengladbach ist nicht gut in die Saison (vier Niederlagen an den ersten sechs Spieltagen) und auch nicht gut in das Jahr 2025 gestartet (drei Niederlagen in Serie). Doch jeweils nach diesen schlechten Startphasen haben es die Fohlen teilweise richtig gut gemacht. So hat man seit dem schwachen Start ins neue Jahr nur noch zwei Spiele verloren (19 Punkte aus neun Partien) und sich so Stück für Stück nach oben gearbeitet. Inzwischen ist man auf dem fünften Tabellenplatz angekommen und darf sich ernsthafte Hoffnungen auf das internationale Geschäft machen.

Entsprechend ist Alexander Blessin auf der Pressekonferenz auch voll des Lobes, als es um Borussia Mönchengladbach geht. Er erklärt: „Es ist schon sehr stimmig, was sie in den letzten Wochen produziert haben“ und führt die erfolgreiche aktuelle Phase unter anderem darauf zurück, dass Mönchengladbach seine individuellen Stärken besser eingebracht habe und nun als Mannschaft auftrete. Doch daran allein liegt es natürlich nicht. Borussia Mönchengladbach überzeugte in dieser Saison auch damit, dass das Team mit dem Ball in vielen Spielsituationen Lösungen gefunden hat. Diese schauen wir uns mal etwas genauer an:

Eine angenehme Ausnahme in der Bundesliga

Borussia Mönchengladbach ist eine positive Erscheinung in der Bundesliga. Denn im Gegensatz zu vielen anderen Clubs, die nicht aus München, Dortmund oder Leverkusen kommen, möchte das Team von Trainer Gerardo Seoane den Ball haben und hat eine klare und auch recht mutige Struktur in Ballbesitzphasen. Das Team agiert dabei immer aus einer 4-2-3-1-Grundordnung heraus, verändert diese dann aber mehr oder weniger stark.

Denn in Ballbesitzphasen entwickeln die Fohlen oft eine asymmetrische Struktur. Joe Scally, der rechte Außenverteidiger, verbleibt oft mit hinten bei den beiden Innenverteidigern, während Linksverteidiger Lukas Ullrich viel eher mit nach vorne auf Höhe der Gladbacher Offensiv-Reihe schiebt. Viel statischer sind da schon die beiden Sechser, die im Aufbau nahezu immer auch im defensiven Mittelfeld verbleiben, teilweise, wenn beide Außenverteidiger hochschieben, sogar in die hintere Kette fallen.

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Bei Borussia Mönchengladbach gab es in den letzten Wochen ziemlich viel zu feiern. Das Team ist aktuell sehr gut drauf, holte 19 Punkte aus den letzten neun Spielen. // (Sebastian Widmann/Getty Images/via OneFootball)

Vertikaler Seoane-Fußball trifft Gladbacher Ballbesitz-DNA

Der FC St. Pauli wird gegen diese Aufbaustruktur von Borussia Mönchengladbach aller Voraussicht nach im gewohnten 5-2-3 agieren. Dabei wird der vordere Fünferblock eher auf das Zentrum fokussiert sein und die Fohlen werden versuchen, nicht durch, sondern um diesen Fünferblock herum Lücken zu reißen. Dazu bewegt sich Alassane Plea, der im Zehnerraum hinter Tim Kleindienst agiert, gerne links oder rechts neben diesen Block und versucht dort, eine Überzahl-Situation zu erschaffen. Gelingt das, dann wird der freie Zehnerraum von den Gladbacher Spielern sofort attackiert – dieser Aufbau-Stil ist sehr schön und ausführlich in einem Artikel von Borussia Xplained dargestellt.

Diesen durchaus mutigen Ansatz in Ballbesitz kann sich Borussia Mönchengladbach auch erlauben, weil sie im Zweifel immer eine Lösung haben, sollte es nicht so wie gewünscht funktionieren. Denn es bietet sich immer eine „Exit-Strategie“ in Form eines langen Balles auf Stürmer Tim Kleindienst. Zwar ist das Ballbesitz-Spiel von Borussia Mönchengladbach durchaus ein positiver Farbtupfer in einer ansonsten eher destruktiven Bundesliga, doch ihre größte Stärke ist das laut Alexander Blessin nicht. Der FCSP-Chefcoach hebt vielmehr das Umschaltverhalten des Teams hervor („Das ist ihr Steckenpferd, da müssen wir bei Ballverlusten hellwach sein“). Das schnelle Umschaltspiel ist auch tatsächlich eher das, wofür Trainer Seoane bekannt ist, was ihn als Coach erfolgreich gemacht hat. In Mönchengladbach vereint der 46-jährige Cheftrainer nun aber beides ziemlich gut und somit ist Mönchengladbach einer der wenigen Bundesliga-Clubs, die mit dem Ball in jeder Spielsituation etwas anfangen können.

Kleindienst und Plea Fixpunkte der starken Offensive

Der wichtigste Spieler für die Gladbacher Offensive ist natürlich Tim Kleindienst, nicht nur aufgrund seiner Funktion als Anspielstation bei langen Bällen. Kleindienst überzeugt auch im Pressing sehr, wurde von seinem Ex-Trainer Frank Schmidt mal als bester Defensivspieler der Liga bezeichnet. Blessin: „Tim Kleindienst arbeitet extrem viel für seine Team-Mitglieder. Er macht die Bälle sehr gut fest, ist immer anspielbar und in der Box sehr gefährlich.“ Bei all dem Lob für seine Rolle in der Defensive und als Wandspieler in der Offensive, mag man dem letzten Halbsatz von Blessin (zu) wenig Aufmerksamkeit schenken. Aber Kleindienst hat halt auch schon 15 Tore in dieser Saison erzielt und obwohl er mit 29 Jahren bereits im gehobenen Fußballer-Alter ist, ist er als Spieler in dieser Saison noch einmal ein Stück besser geworden.

Dieses neue Level von Kleindienst dürfte aber auch einfach damit zusammenhängen, dass er sehr gute Spieler um sich herum hat. Einer davon ist Alassane Plea, der bereits seit Jahren im Trikot von Borussia Mönchengladbach Höchstleistungen bringt. Auf 16 Torbeteiligungen kommt er bereits und dürfte vermutlich seinen persönlichen Bundesliga-Rekord (20 Torbeteiligungen) am Saisonende brechen. Blessin: „Er kommt mit Wucht und Dynamik, mit sehr klarem Zug zum Tor und versucht aber auch, in der Zentrale die Bälle zu verteilen.“ Plea ist ein sehr agiler Offensivspieler, der mit sehr viel Eleganz auf dem Platz agiert (er weicht auch immer wieder von seiner Position ab, siehe drei Absätze zuvor). Zuletzt präsentierte er sich in Top-Form, traf gegen Bremen und Leipzig und sammelte sechs Torbeteiligungen in den letzten vier Partien.

Spielweise könnte FC St. Pauli liegen

Wie gewinnt man also gegen dieses Gladbacher Team, welches Lösungen für eigentlich alle Spielphasen hat? Das haben Augsburg und Mainz zuletzt gezeigt. Zwei Teams, die von ihrer Struktur her durchaus Ähnlichkeiten zu jener des FC St. Pauli aufweisen. Wie ist diesen beiden Teams das gelungen, Alexander Blessin? „Sie haben mutig in den Räumen verteidigt. Sie bringen 100 Prozent in jeglichen Momenten des Spiels. Ihre Stärke ist, den Gegner ständig zu fordern und dadurch zu überfordern. Das ist genau das, was wir auch machen müssen. Dazu müssen wir 90 Minuten leiden und Mönchengladbach so zwingen, dass sie nicht die Ruhe und Qualität haben, um uns weh zu tun.“

Mögliche Aufstellung

Selten ist die gegnerische Aufstellung so klar, wie es sie vor diesem Sonntag ist. Borussia Mönchengladbach hat als eines der ganz wenigen Teams der Bundesliga eine ganz klare Startelf und entsprechend kann man sicher sein, wer da am Sonntag bei Anpfiff auf dem Rasen stehen wird. Ein Vorteil für Mönchengladbach, weil diese Startelf extrem gut eingespielt ist. Allerdings ist es dadurch auch für den Gegner einfacher, weil man sich auf die einzelnen Spieler einstellen kann. So zum Beispiel auf die Gladbacher Innenverteidigung:

Sichere Startelf von Mönchengladbach

Initial wird das Spiel der Gladbacher aus der Innenverteidigung heraus aufgebaut. Wichtigster Spieler für den Aufbau ist Ko Itakura, dessen progressives Passspiel eines der besten der Bundesliga ist. Itakura ist vom Körper her ganz sicher kein typischer Innenverteidiger, mit Abstrichen gilt das auch für Nebenmann Nico Elvedi. Beide Spieler bestechen laut Blessin aber durch ein hohes Maß an „Spielintelligenz“, lösen Situationen entsprechend oft anders als Innenverteidiger, die ihren Gegenspielern physisch überlegen sind. Damit stellt Borussia Mönchengladbach eine eher untypische Innenverteidigung auf, gegen die man eventuell auch anders agieren kann und sollte. Zum Beispiel finden beide unter Druck im Spielaufbau oft Lösungen. Macht es dann Sinn, sie hoch anzulaufen? Vermutlich nicht so sehr, allerdings sollte man besonders Itakura auch nicht den Raum geben, um progressiv zu spielen.

Führt diese doch eher untypische Besetzung der Gladbacher Innenverteidigung dazu, dass der FC St. Pauli seine personelle Besetzung in der Offensive darauf anpasst? Blessin erklärt zwar, dass diese BMG-Personalien: „natürlich eine Rolle in unseren Überlegungen spielen“, sagt aber auch, dass man nicht zu sehr von seinen eigenen Ideen abweichen wolle. Sowieso verteilte er Lob für Danel Sinani, Elias Saad traf gegen die Bayern und Noah Weißhaupt war dort, zumindest im ersten Abschnitt, ein großer Aktivposten – auch wenn Morgan Guilavogui wieder mit an Bord ist (der laut Blessin Luft für 30 Minuten hat), deutet nichts darauf hin, dass der FCSP hier personell wechseln wird.

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Erwartete Aufstellung bei der Partie FC St. Pauli gegen Borussia Mönchengladbach

FCSP: Vasilj – Nemeth, Wahl, Ritzka – Saliakas, Irvine, Smith, Treu – Sinani – Weißhaupt, Saad

BMG: Cardoso – Scally, Itakura, Elvedi, Ullrich – Reitz, Weigl – Honorat, Plea, Hack – Kleindienst

Wird Ritzka Van der Heyden ersetzen?

Personell wechseln wird der FC St. Pauli aber sicher in der Innenverteidigung. Denn Siebe Van der Heyden muss ersetzt werden, Hauke Wahl steht zudem vor der Rückkehr in die Startelf. Positionsgetreu dürfte dieser Wechsel nicht vonstatten gehen. Es dürfte eher zu einer größeren Rotation in der Innenverteidigung kommen, an deren Ende entweder Adam Dźwigała oder Lars Ritzka auf der Position hinten links in der Innenverteidigung stehen werden (Wahl dürfte im Zentrum agieren, David Nemeth rechts). Eine Rückkehr von Eric Smith in die Innenverteidigung schloss Alexander Blessin auf der PK hingegen klar aus. Ich tippe auf Ritzka (auch wenn er im Kopfballspiel gegen Kleindienst sicher klare Nachteile gegenüber Dźwigała hätte), weil der das zweimal in dieser Saison überragend gemacht hat. Aller guten Dinge sind drei.

Keine „dubbeligen Gegentore“ fangen

Dass es aber überhaupt wieder zu einer Veränderung der Dreierkette hinten kommt, dürfte Alexander Blessin überhaupt nicht gefallen. Denn im Hinspiel habe man „dubbelige Gegentore“ bekommen, die aufgrund von Abstimmungsproblemen zustande kamen (es war damals das erste Spiel ohne Karol Mets in der Innenverteidigung). Gegen Borussia Mönchengladbach gehe es nun aber darum, „solche Fehler zu unterbinden – es muss ein Rädchen ins nächste greifen“, so Blessin.

Das Spiel gegen Borussia Mönchengladbach ist für den FC St. Pauli eine große Herausforderung. Die Spielweise der Gladbacher wird besonders der FCSP-Innenverteidigung alles abverlangen (Vorwärtsverteidigen, wenn BMG um den Block herum spielen möchte; Tiefe absichern für „Exit-Strategie“; stets gute Positionierung für Konterabsicherung). Damit diese das hinbekommt, braucht es unbedingt auch viele Momente der Entlastung, was dann Aufgabe der Offensive des FC St. Pauli ist. Es braucht also auf jeden Fall die „100 Prozent“, wie es Augsburg und Mainz gelungen ist, um sich gegen Borussia Mönchengladbach für Punkte zu empfehlen. Dabei helfen soll das Millerntor, wie Blessin erklärt: „Mit der Unterstützung unserer Fans, die gegen Hoffenheim überragend waren, haben wir in den letzten Heimspielen gezeigt, dass wir hinsichtlich der Heimstärke nicht nur Fallobst sind. Wir sind etwas besser geworden. Wir wollen auf den Heimsieg gegen Hoffenheim noch einen draufsetzen.“Forza!// Tim

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