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·29 Agustus 2025
Antwerpen und Döpper vom DFB gesperrt: Fragen und Antworten

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·29 Agustus 2025
Wegen versuchter Spielmanipulation sind die beiden früheren VfL-Trainer Marco Antwerpen und Frank Döpper am Donnerstag vom DFB-Sportgericht gesperrt worden. liga3-online.de beantwortet die wichtigsten Fragen dazu.
Worauf basiert der Urteilsspruch?
Im Wesentlichen basiert der Urteilsspruch auf der Aussage von Athletiktrainer Tim Schütte. Dieser soll von Antwerpen im Vorfeld des Spiels zweimal dazu aufgefordert worden sein, den vom VfL an Lohne verliehenen Bernd Riesselmann – unter Androhung von Konsequenzen – einen Verzicht auf einen Einsatz nahezulegen. Konkret sollte Riesselmann eine Verletzung am Oberschenkel vortäuschen. Das Gericht stufte die Aussagen Schüttes als glaubhaft ein, zumal sich der 25-Jährige selbst belastet hatte, indem er zugab, der Aufforderung nachgekommen zu sein. Er habe sich unter Druck gesetzt gefühlt, berichtete Schütte am Donnerstag. Auch seine emotionale Betroffenheit, die er bei der Beweisaufnahme gezeigt habe, hätte die Glaubhaftigkeit untermauert. Schütte soll damit gedroht worden sein, er würde seinen Job verlieren, wenn er der Forderung nicht nachkommen würde.
Gibt es andere Beweise für die versuchte Spielmanipulation?
Nein. Schriftliche Dokumente etwa liegen nicht vor. Allerdings bestätigten laut der "NOZ" sowohl Co-Trainer Frithjof Hansen, Teammanager Leon Seelhöfer, Videoanalyst Ferhat Findik sowie der damalige Athletiktrainer Mathis Beckmann, dass Schütte von Antwerpen dazu aufgefordert worden sein soll, Riesselmann zu kontaktieren.
Wie äußerte sich Riesselmann selbst?
Vor Gericht erzählte der 21-Jährige, dass er fassungslos gewesen sei und es nicht glauben konnte. Über den Anruf informierte Riesselmann zunächst seinen Berater, der sich wiederum mit dem VfL in Verbindung setzte. Die Lila-Weißen wandten sich anschließend an den Ombudsmann des DFB – Carsten Thiel von Herff. Dieser informierte den Kontrollausschuss, während sich VfL-Geschäftsführer Welling mit Blau-Weiß Lohne in Verbindung setzte und betonte, dass es im Sinne des VfL sei, wenn sowohl Riesselmann als auch Theo Janotta, der bereits vor dem Spiel als Neuzugang bei den Lila-Weißen für die neue Saison feststand, spielen würden. Und so kam es dann auch, beide erzielten zudem jeweils einen Treffer.
Spielte es eine Rolle, dass die versuchte Spielmanipulation letztlich ins Leere lief?
Nein, schon der Versuch ist strafbar. Dass die versuchte Spielmanipulation erfolglos blieb, wirkte sich allerdings strafmildernd aus.
Warum wurden Antwerpen und Döpper nicht unmittelbar nach Bekanntwerden der versuchten Manipulation – noch vor dem Pokalspiel – fristlos gekündet?
Laut Geschäftsführer Michael Welling lagen zu diesem Zeitpunkt noch keine ausreichenden Erkenntnisse vor. Das war erst einige Tage später der Fall, was am 27. Mai – drei Tage nach dem Spiel – zur fristlosen Kündigung führte.
Warum wurde keine Geldstrafe ausgesprochen?
Von einer Geldstrafe – diese hatte der Kontrollausschuss nebst einer Sperre zunächst gefordert – sah das Sportgericht ab, weil Antwerpen und Döpper seit ihrer fristlosen Kündigung durch den VfL Ende Mai derzeit ohne Einkommen sind.
Ist das Urteil schon rechtskräftig?
Nein, binnen einer Woche können Antwerpen und Döpper in Berufung gehen. Dann würde der Fall vor dem DFB-Bundesgericht – der nächsthöheren Instanz – verhandelt werden.
Wie wahrscheinlich ist es, dass Antwerpen und Döpper in Berufung gehen?
Vieles spricht dafür, dass die beiden Trainer das Urteil nicht einfach so hinnehmen werden. Schließlich hatte ihr Anwalt – Horst Kletke – auf Freispruch plädiert, außerdem bestritten Antwerpen und Döpper die Vorwürfe gegen sich. Hinzukommt, dass die Beweisaufnahme aus Kletkes Sicht auf "zu viele Vermutungen" gestützt sei, wie die "Neue Osnabrücker Zeitung" berichtet. Zudem soll er bemängelt haben, dass zu wenig Zeugen die Schilderungen von Schütte inhaltlich stützten.
Wie geht es aus arbeitsrechtlicher Sicht nun weiter?
Nachdem ein Gütetermin vor dem Arbeitsgericht gescheitert war, ist für den 10. Dezember eine Verhandlung angesetzt worden. Dann wird das Arbeitsgericht darüber entscheiden müssen, ob die fristlose Kündigung – ausgesprochen aufgrund der versuchten Spielmanipulation – rechtmäßig war. Sollte das Arbeitsgericht dem DFB-Sportgericht folgen, dürften keine Zweifel daran bestehen. Denkbar jedoch, dass dem Arbeitsgericht die Beweislast nicht ausreichend ist, da diese lediglich auf Zeugenaussagen gestützt ist. Insgesamt geht es um einen hohen sechsstelligen Betrag, weil sich die Verträge von Antwerpen und Döpper nach dem Klassenerhalt automatisch um zwei weitere Jahre bis 2027 verlängert hatten.