dieblaue24
·26 de febrero de 2025
Ohne Ehre
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·26 de febrero de 2025
Seit 36 Jahren bin ich in dieser Rolle und darf über meinen Herzensverein TSV 1860 München berichten, habe den Durchmarsch von der Bayernliga bis in die Champions League-Qualifikation gegen Leeds United unter dem kongenialen Duo Karl-Heinz Wildmoser & Werner Lorant mitgemacht - alles aus der ersten Reihe. Der Aufstieg des Klubs ist den beiden nicht in den Schoß gefallen, sondern war das Produkt knochenharter Arbeit. Sie haben Sechzig gelebt und verteidigt.
Früher empfand ich meinen Beruf als eine Berufung, eine Ehre; aber heute Mittag habe ich dermaßen demoralisiert und erschöpft an der Grünwalder Straße 114 am Ticketschalter ausgecheckt: Mittlerweile ist dieser Klub eine einzige Qual. Nein, es sind nicht nur die politischen Peinlichkeiten in der Führungsebene (“Wir haben geliefert!”), sondern auch der Sport, der mit Profifußball kaum noch etwas zu tun hat. Deswegen kann ich den Aussagen von Meister-Löwe Fredi Heiß in der “Abendzeitung” nur beipflichten: “Richtigen Profifußball spielt Sechzig schon lange nicht mehr.”
Jüngster Auslöser: Die besorgniserregende 0:1-Testpleite über 2x25 Minuten gegen die eigene U21. Bei aller Liebe: Die Löwen-Amateure spielen in der Bayernliga - Fünfte Liga! Und das soll nicht abwertend gegenüber der hervorragend eingestellten Hirschnagl-Elf klingen, sondern muss der Ersten Mannschaft des TSV 1860 knallhart die Augen öffnen.
Was als Aufbaugegner in einem Negativstrudel und Chance für die Kadereingliederung gedacht war (Philipp Maier, Andy Lucoqui, Jesper Verlaat), entpuppte sich als absolutes Fiasko. Auf der einen Seite uninspirierte und zurückhaltende Schlaffi-Profis, die offenbar immer noch nicht wissen, für welchen großen Verein sie spielen dürfen - und auf der anderen Seite willige Amateurkicker, die den “Großen” im Klub zeigten, was mit Begeisterung, Aggressivität, Leidenschaft und einem guten Matchplan alles möglich ist. Hannover 96 II wird am Samstag im Sechs-Punkte-Spiel nicht anders auftreten. Deswegen war diese Partie eine gute Schablone für den Abstiegskampf.
Bezeichnend: U21-Abwehrchef Alexander Benede war mit seinen 36 Jahren am Mittwochvormittag der auffälligste Spieler auf dem Einserplatz - als Lautsprecher und kompromissloser Zweikämpfer. Natürlich hat Benede auch einige Drittliga-Einsätze für den FC Bayern II auf dem Tacho, dennoch kann es nicht sein, dass ein Fußball-“Rentner” die hochbezahlten Löwen-Profis dermaßen in den Schatten stellt, dass sich Kapitän Jesper Verlaat hinterfragen sollte, wie er mit seinen Kollegen die torkelnden Löwen retten will. Und auch der neue Trainer Patrick Glöckner muss sich die Frage stellen: Wie kann das sein, dass nach seinem guten Einstand mit fünf Punkten aus drei Spielen die Mannschaft mittlerweile derart desillusionierend auftritt? Es geht auch um seine Reputation. In Geschäftsführer Dr. Christian Werner dürfte es brodeln: Mit dem Pausenpfiff verließ er die Coachingzone und beobachtete mit versteinerter Miene die zweite Hälfte vom Fenster aus im dritten Stock der Geschäftsstelle. Möglicherweise auch als Eigenschutz. Er hätte Gründe genug gehabt, um seinen Unmut deutlich zu äußern.
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