Ulli Potofski: „Werden die Zeit nicht zurückdrehen können“ | OneFootball

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·2 April 2025

Ulli Potofski: „Werden die Zeit nicht zurückdrehen können“

Article image:Ulli Potofski: „Werden die Zeit nicht zurückdrehen können“

Kommentatoren-Legende Ulli Potofski ist ein Mann mit vielen Facetten. Der gelernte Koch begann seine journalistische Laufbahn 1970 bei Radio Luxemburg und gilt als Wegbereiter der Fußballberichterstattung im Privatfernsehen. Daneben arbeitete er als Puppenspieler, Schlagersänger und Discjockey - und seit 2004 lässt er als Autor den jungen Fußballer Locke in seinen Büchern Abenteuer erleben. Mit Treffpunkt Betze spricht der Ur-Schalker über die Kommerzialisierung des Fußballs, den Niedergang von Traditionsvereinen und seine Begegnung mit Fritz Walter.

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Erstaunlich, dass viele Vereine am Stock gehen

Treffpunkt Betze: Hallo Herr Potofski, wie Sie selbst schon mehrfach gesagt haben, sind Sie mitverantwortlich für die Kommerzialisierung im Fußball. Wie beurteilen Sie die mediale Entwicklung und wohin kann sie Ihrer Meinung nach noch führen?

Ulli Potofski: Ich bin 1986 für RTL einfach zum DFB gefahren und habe gefragt, ob man die Bundesliga kaufen kann. Hätte ich das damals nicht getan, hätte es früher oder später ein anderer getan. Am Anfang war tatsächlich noch so etwas wie Romantik dabei - wir wollten einfach mehr Fußball zeigen. Näher dran sein. Aber nach und nach wurde es immer mehr zum Geschäft. Spätestens als SAT.1 und Premiere (Anm. d. Red.: heute Sky) in die Bundesliga-Berichterstattung eingestiegen sind, wurde der Fußball immer mehr kommerzialisiert. Eigentlich unvorstellbar, wie sich das alles entwickelt hat. Man denkt immer: Jetzt ist Schluss - und dann zahlt doch wieder jemand mehr Geld und es gibt Streamingdienste, Investoren, was dazu führt, dass der Markt zu meinem Erstaunen immer weiter wächst. Wird es irgendwann einen Overkill geben? Keine Ahnung - solange der Konsument es akzeptiert, scheint es immer weiter zu gehen. Erstaunlich finde ich aber auch, dass viele Vereine trotzdem finanziell am Stock gehen.

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Jeder muss entscheiden, ob er dem modernen Fußball folgen möchte

Treffpunkt Betze: Sie sind nicht nur gebürtiger Gelsenkirchener, sondern auch im Stadtteil Schalke geboren und aufgewachsen. Als echter "Schalker Junge“ kann man sich einer engen Beziehung zum S04 wohl nicht entziehen und zählt vermutlich auch zur Gruppe der Fußballromantiker. Wie sehr schmerzt es Sie, dass immer mehr Traditionsvereine in unteren Ligen ihr Dasein fristen und "Plastikclubs“ wie Hoffenheim, Leipzig oder auch Wolfsburg in der Bundesliga spielen?

Ulli Potofski: Traditionsvereine haben naturgemäß eine Historie, die sich über einen viel längeren Zeitraum entwickelt hat. Natürlich finde ich es schade, dass Vereine wie der MSV Duisburg, Rot-Weiß Oberhausen oder Rot-Weiß Essen, die alle mehr oder weniger "zufällig“ aus dem Ruhrgebiet kommen (lacht), in der Versenkung verschwunden sind. Teilweise wurde einfach jahrelang schlecht gewirtschaftet, vielleicht waren aber auch andere Gründe ausschlaggebend für den jeweiligen Niedergang. So oder so, wir werden die Zeit nicht zurückdrehen können und die Projekte, die mancher für zeitgemäß hält, werden bleiben. Man kann zum Beispiel von RB Leipzig halten, was man will. Aber da hatte jemand eine sehr kluge Marketingstrategie und hat sie zielgerichtet umgesetzt. Letztendlich muss jeder für sich entscheiden, ob er dem "modernen“ Fußball folgen möchte oder nicht.

Ein Muster an Bescheidenheit

Treffpunkt Betze: Apropos Tradition: Während Ihrer Zeit bei RTL hatten Sie unter anderem die Gelegenheit, ein Interview mit Fritz Walter zu führen. Welche Erinnerungen verbinden Sie mit diesem Interview und wie haben Sie Fritz Walter dabei erlebt?

Ulli Potofski: Ich habe Fritz als einen außergewöhnlichen Menschen kennen gelernt - wie übrigens auch Horst Eckel, mit dem ich noch Fußball spielen durfte. Er war ein Muster an Bescheidenheit, sehr liebenswürdig, sehr fair und nie gierig! Fritz begegnete einem immer auf Augenhöhe. Ich werde nie vergessen, wie er in meiner Sendung "Finale“, die für RTL Plus produziert wurde, live sagte: "Ulli, ich bin der Fritz - wir sind doch alle nur Fußballer!“. Er war ein ganz toller Mensch und lebte eine Demut, die man heute bei jungen Spielern oft vermisst. Ein Gruß in den Himmel - an einen wunderbaren Pfälzer!

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