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·28 March 2025
Lehrstunde in Barcelona: Die Noten der Wölfinnen zum Aus in der Champions League

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·28 March 2025
Die Erwartungen an die Wölfinnen waren nach der 1:4 Klatsche im Hinspiel des UWCL-Viertelfinales gegen den FC Barcelona nicht allzu groß. "Wir müssen einen Sahnetag auf den Platz bringen", war sich auch Kapitänin Alexandra Popp mehr als bewusst. Spoiler: Das hat nicht funktioniert. Auch im Rückspiel gingen die Wolfsburg-Frauen mit 1:6 in Barcelona baden. Über beide Partien hinweg wurde der Klassenunterschied der beiden Mannschaften deutlich.
Die Blaugrana spielte die Wölfinnen teils schwindelig und kombinierte sich mühelos durch die Reihen ihrer Gegnerinnen. Auf der anderen Seite hatten die Grün-Weißen große Probleme damit, im Abwehrverbund geschlossen zu verteidigen und für eine ordentliche Entlastung zu sorgen. Keine Spielerin konnte sich im Rückspiel leistungstechnisch von ihren Mitspielerinnen absetzen. Die Gesamtleistung der Wölfinnen ließ zu wünschen übrig. Demnach niedrig fällt der Notendurchschnitt der einzelnen Spielerinnen aus.
Eine der größten Leidtragenden des Abends war die Wolfsburger Torfrau Anneke Borbe. Sechs Gegentore zeigen deutlich, was für einen gebrauchten Tag die 24-Jährige erlebte. Nahezu jeder Abschluss von Barcelona fand den Weg ins Tornetz. Von den sechs Gegentreffern war aber auch keiner dabei, den Borbe hätte halten müssen. Das liegt einfach an der unfassbaren Abschlussstärke und technischen Qualität der Barça-Spielerinnen. Besonders sehenswert waren die direkten Freistoßtreffer von Mapi Leon und Claudia Pina. Ein Abend zum Vergessen für Borbe, aber die Schuld an der Niederlage träft sie definitiv nicht .
4/10
Vor allem in der ersten Halbzeit hatte Lynn Wilms auf ihrer rechten Seite ordentlich zu tun: Die meisten der gegnerischen Angriffe liefen über ihre Seite. Einen Schuss von Salma Paralluelo konnte Wilms ordentlich blocken und schaffte es auch zwei Mal durch überlegte Pässe ihre Mitspielerin Sveindís Jónsdóttir in Szene zu setzen. Allerdings erschien die Niederländerin mit zunehmenden Druck der Gegnerinnen leicht überfordert. Oftmals wirkte Wilms verunsichert und verwirrt, welche Spielerin sie denn nun decken soll - wie beim vierten Gegentor zu sehen. Eines kann man der Wölfin aber nicht absprechen: Wilms ackerte unermüdlich, beweist Moral und versuchte besonders gegen Ende noch einmal aufzudrehen.
3,5/10
Wilms niederländische Kollegin Dijkstra war ähnlich beschäftigt. In der 28. Minute entschärfte sie einen Angriff von Ewa Pajor durch ein perfekt getimtes Tackling und konnte generell öfter den Ball in letzter Sekunde klären - sei es per Kopf, mit dem Fuß oder dem Oberschenkel. Im Spielaufbau von hinten heraus blieb Dijkstra eher unauffällig. Einen schönen Flugkopfball der 26-Jährigen hinter die Kette konnte Jónsdóttir nicht festmachen. Dennoch zeigten die Spielerinnen des FC Barcelona auch der Wolfsburger Innenverteidigerin ihre Grenzen auf. So spielte Claudia Pina die Niederländerin in der 62. Minute mühelos aus und traf zum 4:0.
4/10
Marina Hegering kehrte, nachdem sie das Hinspiel in Wolfsburg verletzungsbedingt verpasste, zurück in die Startelf der Wölfinnen. Die erfahrene Innenverteidigerin fand gegen die spielstarke Offensive der Blaugrana kaum eine ruhige Minute. Des Öfteren konnte Hegering in letzter Sekunde einen Abschlussversuch der Spanierinnen blocken. Dennoch zeigte auch die 34-jährige Verteidigerin ein paar Unsicherheiten. Recht früh in der Partie verletzte sich Hegering leicht. Sie konnte die erste Halbzeit zwar zu Ende spielen, musste dann in der Pause allerdings ausgewechselt werden.
3,5/10
Die deutsche Nationalspielerin erwischte einen schwierigen Start in die Partie: Direkt zu Beginn wird die Linksverteidigerin gleich zwei Mal überlaufen. Eine Großchance ergab sich dadurch aber nicht. Insgesamt hatte Linder im Vergleich zu ihrer Kollegin Wilms auf der anderen Seite nicht so viel zu tun. Einen gravierenden Fehler machte sie nicht. Ein Lichtblick war ihre Performance aber auch eher nicht. Die Leistung von Linder war, verglichen mit der ihrer Wolfsburger Teamkolleginnen, durchschnittlich. So nahm Tommy Stroot Sarai Linder nach rund einer Stunde vom Spielfeld.
3,5/10
Zur Freude vieler Fans wurde Minge von der Innenverteidigung erlöst und durfte sich wieder im Mittelfeld beweisen. Dort zeigte sich die Vize-Kapitänin der deutschen Frauennationalmannschaft so gut, wie man eben gegen den FC Barcelona so aussehen kann. In der 28. Minute spielte Minge einen mustergültigen Pass auf die durchgestartete Vivien Endemann. Ansonsten gab die Partie nicht den Anlass für die defensiven Mittelfeldspielerinnen, um im Spielaufbau groß zu glänzen. Trotzdem hatte Minge die höchste Passgenauigkeit aller Wölfinnen (92 Prozent). Im Abwehrverhalten fehlte entweder manchmal der Zugriff oder die Abstände zu den Gegnerinnen waren zu groß.
5/10
Dieselbe Kritik lässt sich auch bei Lena Lattwein anwenden. Besonders in der ersten Halbzeit musste Lattwein im direkten Duell mit den Barça-Spielerinnen den Kürzeren ziehen. Dennoch hatte die 24-Jährige die meisten Ballabnahmen des Spiels. Gegen Ende der Partie drehte Lattwein dann wieder auf, zeigte sich aktiver und eroberte des Öfteren Bälle - das mag aber auch daran liegen, dass Barcelona einen Gang zurückschaltete. Aufmerksamkeit erregte die Wölfin kurz vor Schluss mit einem Distanzschuss, der in den Armen der spanischen Torfrau landete.
4,5/10
An Alexandra Popp lief das Rückspiel des Viertelfinals größtenteils eher vorbei. Die ehemalige DFB-Kapitänin fiel abermals eher durch ihre körperliche Spielweise auf. Besonders bedauerlich war der gravierende Abspielfehler von Alexandra Popp, der schließlich zur 1:0 Führung des FC Barcelona führte. Offensiv klappte auch bei der 33-Jährigen wenig: Zwei Mal fasste sie sich ein Herz, konnte aber nur ungefährliche Abschlüsse zustande bringen. In der 59. Minute nahm der VfL-Chefcoach Tommy Stroot die Führungsspielerin aus der Partie. Zurecht, denn das war nicht das Spiel der Alexandra Popp.
2,5/10
Überraschend war der Startelfeinsatz von Rebecka Blomqvist, die Jule Brand auf der Flügelposition ersetzte. Gegen ein so dominantes Team wie den FC Barcelona haben die offensiven Spielerinnen kein leichtes Spiel, da die eigene Mannschaft oft einfach keine Chance hat, ordentliche Bälle auf die vorne lauernden Angreiferinnen zu spielen. Deshalb hatte Rebecka Blomqvist auch die wenigsten Ballkontakte (23) aller Feldspieler, die 90 Minuten auf dem Platz waren. In der 72. Minute stand die Schwedin dann doch im Fokus, die einen wunderschönen Ball von Endemann auf Beerensteyn ablegen konnte, die dadurch den Ehrentreffer erzielen konnte. Bei den wenigen Ballkontakten war immerhin wenigstens ein Assist dabei.
3/10
Die Beschreibung der "armen Sau" trifft auch auf Vivien Endemann zu, die ähnlich wie Blomqvist vorne vergebens auf Zuspiele wartete. Wenn dann mal ein Pass auf die deutsche Nationalspielerin kam, hatte diese Probleme den Ball festzumachen. Glänzen konnte Endemann in der 62. Minute, als die 23-jährige Offensivspielerin einen mustergültigen Pass in die Spitze spielte, wodurch letzten Endes das Tor für den VfL Wolfsburg fiel. Nach 78. Minuten war dann Schluss für Vivien Endemann.
4/10
Von allen Wolfsburger Offensivspielerinnen war Sveindís Jónsdóttir in der Anfangsphase des Spiels am aktivsten. So ergaben sich für die Isländerin in den ersten fünf Minuten gleich zwei Aktionen, wobei sie den Ball vom rechten Flügel aus in den gegnerischen Sechszehner bringen konnte. Die 23-Jährige versuchte vorne Akzente zu setzen, dies gelang ihr aber eher sporadisch. Im Defensivverhalten mangelt es bei der Isländerin noch, so fiel sie öfters mit einem schlechten Timing unglücklich auf. Auch Jónsdóttir absolvierte nicht die vollen 90, sondern wurde 20 Minuten vor Spielende ausgewechselt.
3,5/10
Die 22-jährige Niederländerin durfte ihre ersten Champions League-Minuten im Trikot der Wölfinnen sammeln. Peddermors machte einen konzentrierten Eindruck. In der 67. Minute zeigte die zentrale Mittelfeldspielerin auch Mut und konnte nach einem super Solo-Dribbling den Ball wunderbar auf die andere Seite verlagern. Solche sonst gewöhnlichen Aktionen waren an diesem Abend klare Highlights im Spiel des VfL. Weniger glücklich sah Ella Peddermors dann gut zehn Minuten später aus, als sie ihre Gegenspielerin kurz vorm Sechzehner ungestüm zu Fall brachte - den daraus resultierenden Freistoß versenkte Pina direkt im Wolfsburger Kasten.
Sowohl Huth als auch Wedemeyer kamen in einem schwierigen Moment in die Partie. Das Spiel war definitiv schon gelaufen, jetzt ging es nur noch um Schadensbegrenzung. Anfangs trugen die beiden erfahrenen Spielerinnen in jedem Fall dazu bei, dass sich die Wolfsburgerinnen stabilisieren konnten. Sie machten keine gravierenden Fehler, konnten aber auch nicht wirklich Akzente setzen.
Ihre Joker-Qualitäten stellte Beerensteyn unter Beweis, als sie mit ihrem ersten Ballkontakt der Partie den Ehrentreffer gefühlvoll, aber mühelos im Tor unterbringen konnte. Die Statistik von fünf Ballkontakten spricht aber für sich: Viel konnte Lineth Beerensteyn dann auch nicht mehr ausrichten - das hat aber bei dem Spielstand auch niemand mehr erwartet.
Zwar hatte Jule Brand drei Ballkontakte mehr als ihre Stürmerkollegin Beerensteyn. Doch auch die deutsche Nationalspielerin war abgemeldet. So hat sich Brand ihr letztes Champions League-Spiel mit dem VfL Wolfsburg sicher nicht vorgestellt.