„You’ll Never Suffer Alone“ – Liverpools Beteiligung an der Super League

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Liverpools Rolle bei der Gründung einer Super League fügt einer bodenständigen Fanszene große Schmerzen zu. Ein Kommentar von Marcus Mann – Mitglied der Redmen Family.

Durchschnittliche Lesedauer: 5 Minuten
Geschrieben von Marcus Mann

In den letzten Tagen überschlugen sich die Ereignisse, nachdem zwölf Vereine, darunter der Liverpool FC, die Gründung einer Super League verkündeten. Die Aufregung und der Ärger über die gierigen Pläne der Elite-Klubs war groß, weswegen binnen 48 Stunden viele Vereine, darunter auch die Reds, einen Rückzieher machten und der (Alp-)Traum Super League erstmal geplatzt ist.

Einige Mitglieder der Redmen Family Germany haben sich mit ihren Meinungen zu Wort gemeldet, um ihrer Enttäuschung über Liverpools Rolle in der Gründung einer Super League in Worte zu fassen. So auch Marcus Mann. Auch wenn die Super League jetzt doch nicht kommen wird, wollten wir euch Marcus‘ emotionale Worte nicht vorenthalten. Ein Kommentar zu Liverpools Beteiligung an der Gründung der Super League und deren Auswirkungen auf die Fans.

„Vertrauen zum Liverpool FC mit Füßen getreten“

„Der 19.04.2021 geht in die Geschichte des LFC, sowie in die des europäischen Fußballs ein. Doch es handelt sich weder um ein großes Fußballspiel noch um ein atemberaubendes Finale, sondern um eine große Tragödie, das Ende es Fußballs wie man ihn bisher kannte.

Zum Glück sind keine Menschen körperlich zu Schaden gekommen. Aber es wurden Herzen gebrochen, Vertrauen, Liebe und Hingabe zum Liverpool FC mit Füßen getreten. Man hat uns die LFC-Familie willentlich und rücksichtslos eine seelische Grausamkeit angetan.

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Die Menschen, die genau das verkörpern, was diesen emotionalen Club ausmacht, wurden ignoriert, beiseite geschoben und verraten. Es scheint so als hätten die Eigner des Vereins sich an die Atmosphäre in der pandemiegeplagten Saison gewöhnt und würden dies nach der Pandemie lieber gegen ein gut zahlendes und stimmloses Operettenpublikum eintauschen wollen, anstatt sich auf die treuen Supporter des Vereins zu freuen. Die Anhänger bedeuten den US-Amerikanischen Besitzern absolut nichts mehr.

Grausamer Akt während einer Pandemie

Bekanntlich treibt das Streben nach „mehr“ den Menschen an. Bei der FSG hat dieses Streben nur noch rein bonitären Charakter und ist durch Rücksichtslosigkeit geprägt. Das meinen sie also mit „This means more“. Kein Mensch ist fehlerfrei, aber was sich die Damen und Herren um John W. Henry und Tom Werner da geleistet haben ist beispiellos.

Inmitten einer weltweiten Pandemie, in der der LFC die einzige positive Ablenkung für viele Menschen war, ist dies ein grausamer Akt. In einem vorgefertigten Schreiben unter dem Diktat der Herren Perez und Agnelli, sich als „Retter des Fußballs aufzuspielen“ eine weitere Demütigung des Vereins und all seiner Anhänger. Dies ist alles ein Verrat der Werte für die der Liverpool Football Club immer stand.

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Das Andenken unserer Verstorbenen und deren Angehörige der beiden großen Katastrophen wurde erneut beschmutzt, dieses Mal nicht durch die lange ausbleibende Gerechtigkeit, sondern durch das giergetriebene Handeln der FSG. Das Vermächtnis vieler Vereinslegenden, aber auch von all denjenigen, die unscheinbar im Hintergrund wirken, wurde deformiert. Dies ist genauso unverzeihlich, wie den treuen Supportern den geliebten Verein zu entreißen und gänzlich zu entfremden.

Warum muss es immer um Geld gehen?

Wer jetzt denkt, mit einem möglichen Bann der abtrünnigen Vereine und Spieler aus den jeweiligen Verbänden könnte dieses abartige Vorhaben aufhalten, dem sollte gesagt sein, dass die Treiber der Super League auch juristisch gut vorbereitet sein werden. Dabei wäre dies doch eine Gelegenheit gewesen um zu zeigen, dass man im fernen Boston versteht, welchen Verein und dessen Menschen man da in die FSG integriert hat. Es hätte nur ein „Nein“ gereicht. Nein wir sind ein weltoffener Club, der für Gleichheit, Fairness und Toleranz steht. Man hätte einen Schulterschluss mit den leidgeprüften Scousern schließen können, mit diesen sympathischen und offenen Menschen aus dem rebellischen Nordwesten Englands, sowie den weltweiten Liverpool-Anhängern.

Stattdessen betrügt man sie, nimmt ihnen die große Liebe, um sie dann zu verramschen. Wäre es denn so schlimm gewesen mit etwas weniger Geld auszukommen? Der Liverpool FC ist kein armer Verein, es wurde unter der Regie der FSG gut gewirtschaftet und ich bin mir sicher der LFC hätte die Pandemie auch ohne Super League verhältnismäßig gut überstanden. Was bedauerlicherweise nicht alle Vereine von sich behaupten können. Vor allem Clubs in den unteren Ligen wissen nicht wie es für sie weitergeht. Da wäre mindestens ein Verbleib in der Liga ein solidarischer Schritt gewesen.

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Ebenso hätte man, sobald es möglich wäre, Freundschaftsspiele vor Publikum abhalten können. Dies wäre vielleicht schon im Rahmen der Vorbereitung auf die neue Saison möglich gewesen. Den Vereinen wäre geholfen, den Menschen etwas Normalität zurück zugegeben und alle hätten dabei gewonnen. Man hätte nicht nur als Mitglied der Premier League, sondern als eines deren Aushängeschilder noch mehr an Ansehen gewonnen.
Wäre es so schlimm gewesen in der Champions League zu verbleiben? Gerade jetzt wo diese noch mehr auf die reichen Vereine, wie es der LFC ist, zurechtgebogen wird? Man hätte ohne schlechtes Gewissen „Nein“ sagen können, denn für die schlechte finanzielle Situation der südeuropäischen Vereine ist der LFC nicht verantwortlich.

Möglichkeiten für Solidarität wurden verspielt

Diese Vereine haben über Jahrzehnte über ihre Verhältnisse gelebt und die Pandemie fördert dies nur noch stärker zutage. Ja, die Duelle mit den abtrünnigen Vereinen würden ausbleiben, aber auch dies könnte Chancen bieten. So könnten vielleicht auch mehr Landesmeister teilnehmen und somit auch Vereine mit einer großen Tradition und Strahlkraft. Erinnern wir uns doch an die vielen früheren Duelle mit bspw. Borussia Mönchengladbach, aus denen sogar eine Fanfreundschaft erwachsen ist, die nach wie vor gepflegt wird. Ich durfte selbst vor Ort sein, als Anhänger der Borussia an der Anfield Road waren und in der Halbzeit „Die Elf vom Niederrhein“ erklang.

Bei richtigem Angehen mit der UEFA wäre es eine Chance gewesen dem Fußball etwas Positives zurückzugeben. Ja, ich weiß die UEFA und der Fußball auch so eine solidarisch geprägte Geschichte, die ich aber Heute nicht weiter thematisieren möchte. Hier wurden Möglichkeiten für wahre Solidarität bewusst ignoriert und lieber ein elitärer Kreis der „Gierigen“ erschaffen. Man hätte die Möglichkeit gehabt zu zeigen, dass „This means more“, „We are family“ und „You’ll never walk alone“ mehr sind als hohle Worte. Im Gegenteil man nutzt es als billige PR aus. Aber mit ihrem Handeln haben die Macher von der FSG uns, die Anhänger mit unserer Hymne der Lächerlichkeit preisgegeben. Somit wurde auch unser Stolz zutiefst verletzt.

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Doch wer bin ich, dass ich die klugen Macher aus den USA kritisiere.
Ich bin ein Fan, ein Supporter, ein Mitglied, ein Mensch dessen größter Traum ist, das Vermächtnis dieses besonderen Vereins an die nächste Generation weiterzugeben, ihn so zu bewahren, zu schützen und zu ehren wie es so viele vor uns bereits taten. Ich bin enttäuscht, wütend und niedergeschlagen, meines Herzensvereins beraubt durch Personen, die sich wie Banditen verhalten. Wer so mit den Menschen in und um den LFC umgeht, gehört nicht zu uns und trennt sich klar ab.

Die Liebe zum Verein bindet

Denn wir sind ein Teil der Seele dieses Vereins und wir sind weit mehr als 300 Millionen Mitglieder und dazu kommen noch unzählige Fans weltweit und ich bin mir sicher, es sind viele die sich so fühlen wie ich und es auch genauso sehen. Wir sprechen nicht dieselbe Sprache aber unsere Liebe zu diesem fantastischen Verein verbindet uns und die Stärke dieses Bandes sollte man nicht unterschätzen.

Auch Jürgen Klopp, wiederholte seine ablehnende Haltung gegenüber der Bildung eines solchen Gebildes. Für ihn wird es ebenfalls schwierig, wie will man das „Gesicht“ eines Vereins weiterhin sein, dessen Besitzer diesen Verein und alles für das, was er stand, mit Füßen treten? Ich kann es nicht beantworten, aber die Zukunft wird es zeigen.
Doch die Stimmen werden mehr und lauter sowie auch James Milner seine erhebt.

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Doch wie soll es für uns Anhänger weitergehen? Eine Frage, die noch nicht beantwortet werden kann. Eines steht aber fest, die Wunden, die mit der Verkündung der Super League durch die Verantwortlichen aufgerissen wurden, werden nicht so schnell verheilen und viele von uns werden dies selbst bei sofortiger Beendigung dieses Skandals vielleicht verdrängen, jedoch niemals vergeben können. Es liegt an uns aufzustehen, Flagge zu zeigen, den Kopf hochzunehmen und voller Hoffnung durch diesen Storm zu gehen. Ob nach dieser Dunkelheit jedoch wieder Licht auf unseren LFC scheint, ist ungewiss. Aber eins ist gewiss, ihr leidet nicht allein.
YNWA“