Wut beim FC Ingolstadt: "Haben die noch alle Latten am Zaun?"

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Was für ein Drama! Durch einen Nürnberger Treffer in der sechsten (!) Minute Nachspielzeit verpasste der FC Ingolstadt am Samstag den Aufstieg in die 2. Bundesliga um Millimeter. Neben Trauer dominierte anschließend eine gehörige Portion Wut. Marcel Gaus etwa kritisierte die DFB-Terminplanung scharf, während Trainer Tomas Oral die lange Nachspielzeit sauer aufstieß.

Auf Fassungslosigkeit folgt Wut

Nach Abpfiff spielten sich im Audi Sportpark wilde Szenen ab. Spieler beider Mannschaften gingen aufeinander los, Nürnberg-Torhüter Mathenia sank weinend zu Boden. Zum Weinen dürfte in diesem Moment jedoch eher den Ingolstädtern zumute gewesen sein. Nachdem die Schanzer am 38. Spieltag durch einen Last Minute-Treffer der Würzburger Kickers erst in die Relegation gerutscht waren, hatte ein Gegentor in der sechsten Minute der Nachspielzeit soeben den sicher geglaubten Aufstieg zunichte gemacht. Die Fassungslosigkeit sprach den FCI-Akteuren anschließend förmlich aus den Gesichtern.

"Ich habe zwar eine Mannschaft gesehen, die heute Unglaubliches geleistet hat, aber leider um den Lohn ihrer Arbeit gebracht wurde. So bestraft zu werden, ist Wahnsinn und pervers", befand ein sichtlich niedergeschlagener Trainer Tomas Oral bei "Dazn". Besagten Lohn schien der FCI nach Wiederanpfiff auf schier unglaubliche Weise einzustreichen. Nach einem Torwartfehler sorgte Kutschke zunächst für den Führungstreffer (53.), danach spielten sich die Schanzer in einen Rausch. Marcel Gaus, der schon den ersten Treffer eingeleitet hatte, schlug zwei weitere Freistöße, einen verwertete Schröck (62.), den anderen köpfte Krauße ein (66.).

"Eine Farce"

"Ich bin stolz darauf, dass wir an die Chancen geglaubt haben", erklärte Gaus am "Amazon"-Mikrofon. "Auch, wenn sie noch so klein waren." Ein 3:0 hätte den Ingolstädtern zum Aufstieg gereicht. Doch das bittere Ende wartete bereits: Nach einem letzten Verzweiflungsschlag in den FCI-Sechzehner bugsierte Schleusener die Kugel irgendwie zum entscheidenden Nürnberger Treffer über die Linie (90.+6).

Nachdem sich das Geschehen auf dem Platz ein wenig beruhigt hatte, gaben erste FCI-Akteure Einblicke in ihre Gefühlswelt. Es regierte nicht die Trauer, sondern vor allem Wut. Dreifach-Vorlagengeber Gaus nahm die DFB- und DFL-Offiziellen ins Visier: "Was für mich eine Farce ist, ist dass man nach fünfeinhalb Englischen Wochen zwei spielfreie Tage hat. Wir haben nie Ausreden gesucht. Aber diejenigen, die die Spiele planen, die sollen sich mal ein bisschen hinterfragen, ob man da einen fairen Wettbewerb macht." Zum Vergleich: Zweitligist Nürnberg hatte vor dem Relegations-Hinspiel acht Tage Pause. Und so wurde Gaus deutlich: "Bei der Spielansetzung, da muss man die Leute fragen, ob die noch alle Latten am Zaun haben." 

Oral kritisiert Dingert

FCI-Cheftrainer Oral ging zunächst nicht auf die Terminplanung ein, sah dafür jedoch eine Teilschuld bei Schiedsrichter Christian Dingert: "Für die Nachspielzeit von fünf Minuten habe ich kein Verständnis, es gab keinen Grund dafür. Dann sind die fünf Minuten rum und er lässt weiterlaufen." Zuvor hatte Dingert allerdings angezeigt, die Nachspielzeit aufgrund von Verzögerungen um eine Minute zu verlängern – zumal Oral in der dritten Minute der Nachspielzeit nochmal doppelt gewechselt hatte.

Was den Ingolstädter Coach zusätzlich in Rage brachte, war ein Zweikampf zwischen Nico Antonitsch und Nürnbergs Michael Frey kurz vor dem Gegentreffer, bei dem der Ingolstädter zu Boden ging. Gepfiffen wurde die Szene nicht, auch der Video-Assistent stufte den Zweikampf in der Überprüfung des Treffers nicht als Foul ein. "Wenn Kontakt da ist, ist es ein Foul. Er berührt ihn schon. Also was soll ich da großartig sagen", so der FCI-Coach, der nach Abpfiff ebenso wie Kutschke Gelb sah. Dass sich Dingert auf den VAR verließ und sich die Szene nicht selbst nochmal anschaute, konnte Oral nicht nachvollziehen: "Das ist für mich verständnislos. Es ist brutal." Noch brutaler: Schon im letzten Jahr unterlag der FCI in der Relegation nur aufgrund der Auswärtstorregel. Bei den Schanzern wird einiges an Aufbauarbeit nötig sein.