Wochenschau: Wo Pandemie und Profifußball sich die Hand geben

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Niklas Levinsohn

Artikelbild: Wochenschau: Wo Pandemie und Profifußball sich die Hand geben

Bereits auf der Wortebene haben Pandemie und Profifußball drei Buchstaben gemeinsam. Doch die beiden großen Ps des Jahres 2020 verbindet noch mehr.

Der Profifußball, so wurde es uns zumindest beigebracht und so wird es immer noch häufig wiedergekäut, ist ein schnelllebiges Geschäft. Wer das nicht glaubt, der muss in einer Suchmaschine seiner Wahl nur nach eben jenem schnelllebigen Geschäft, nun ja, suchen. Auch wenn diese Feststellung allerhöchstens noch Allgemeinplatz-Status genießt, ist sie deswegen doch nicht weniger zutreffend.

Vor ein paar Wochen hat Newcastle United von einer Zukunft mit dickem Geldbeutel, schillernden Namen und großen Erfolgen geträumt. Voraussetzung dafür wäre zwar die finale Verabschiedung vom eigenen moralischen Kompass gewesen, aber hey: Auch das ist Profifußball. Nun jedoch haben die saudischen Sugar-Daddys ihr Angebot zurückgezogen. Newcastle hängt also erstmal weiter am Tropf von Unterhaltsverweigerer Mike Ashley.

Ein schnelllebiges Geschäft ist die Pandemie, die auf unbestimmte Zeit unsere Lebensumstände diktiert, allerdings auch. Vor ein paar Wochen waren wir, eine sich vorrangig um einen veganen Koch sammelnde Minderheit ausgenommen, noch eine Nation von Schulterklopfern. Autos kann der Deutsche, Pandemie kann er aber auch. Karl Lauterbach, der alte Hirtenjunge, hatte für unser aller Geschmack zu oft „Wolf!“ gebrüllt.

Und jetzt? Jetzt nähern sich die täglichen Neuinfektionen der Tausendermarke. Der R-Wert hat die 1 längst gerissen. Plötzlich ist sie doch wieder ein bisschen zu spüren, die Angst vor der schon abgesagten zweiten Welle. Natürlich völlig zurecht. Denn sie ist die wohl einzige Welle, die noch beschissener ist als die La-Ola-Welle präsentiert vom Fan Club Nationalmannschaft powered by Coca Cola.

Insofern ist es vielleicht sogar müßig, sich an den Fürs und Widers des DFL-Konzepts zur Zuschauerwiedereingliederung abzuarbeiten. Organisierte Fangruppen begegnen dem anvisierten Teileinlass mit der Parole: „Alle oder keiner“. Dass es alle werden, ist auszuschließen. Ob es keiner wird, muss uns das pandemische Pendel verraten. Blöd nur, es spuckt seine Antworten immer mit Verzögerung aus: Ansteckung, Inkubation, Symptome, Test, Ergebnis.

Wir leben gerade, für die meisten von uns ist es eine Premiere, in einer Zeit, in der die ungefähre Vorhersehbarkeit der Zukunft nicht über eine Handvoll Wochen hinausreicht. Ob wir uns zum Start der Bundesliga in einer Gemengelage wiederfinden, die ein reduziertes Fanaufkommen in den Stadien zulässt, hängt von unterschiedlichsten Faktoren ab. Kaum einer wiegt wohl so schwer wie das verantwortungsbewusste Handeln jedes Einzelnen.

Wenn sich zu viele über die Spielregeln hinwegsetzen, Ausnahmen beanspruchen und Schlupflöcher ertasten, dann wird aus einer eigentlich sehr guten Sache schnell eine Sache, die ihren ursprünglichen Zweck verfehlt. Ehe man sich versieht, klebt einem ein neuartiges Virus an der Backe, das man nicht mehr los wird. Auch das kennt man aus dem Profifußball.