Wochenschau: Ronaldo, Robben und die Jagd nach dem perfekten Ende | OneFootball

Wochenschau: Ronaldo, Robben und die Jagd nach dem perfekten Ende

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Niklas Levinsohn

Während der eine noch neue Rekorde aufstellt, radelt der andere gemütlich vom Spiel nach Hause. Was Cristiano Ronaldo von Arjen Robben lernen kann.

Cristiano Ronaldo hat diese Woche einen hübschen kleinen Rekord aufgestellt. 100 Treffer sind dem Portugiesen mit seinem Tor gegen Sassuolo am Mittwochabend bereits für Juventus Turin gelungen. Schneller erreichte kein anderer Spieler der Alten Dame diese Marke. Außerdem ist CR7 der Einzige, der 100 Tore oder mehr in drei verschiedenen Ligen erzielt hat. So jemand muss nun wirklich nicht ans Aufhören denken.

Das tut Ronaldo auch nicht – trotz seiner nun schon 36 Jahre. Die Frage ist natürlich, ob das Alter dieses Ausnahmeathleten überhaupt bemessen und bewertet werden kann wie das von uns gewöhnlichen Menschen. Vielleicht ist Ronaldo ja eine Art umgekehrter Hund und sieben Jahre in seinem Leben entsprechen einem Menschenjahr. Ganz so drastisch dürfte der Unterschied auch wieder nicht sein. Aber der fünffache Weltfußballer altert definitiv außergewöhnlich langsam.

Etwas Gehetztes wohnt den drei Karrierejahren, die inzwischen seit seinem Abschied aus Madrid vergangen sind, dennoch inne. Jeder weiß: Ronaldo will (wollte?) auch mit Juventus Turin unbedingt die Champions League gewinnen. Wie ein Spieler seines Formats natürlich überhaupt immer alles gewinnen will. Wo er vorher vielleicht nur verbissen war, wirkte er gerade in der Königsklasse oft zuletzt vielmehr verkrampft. Und mit ihm die seiner Mission zuarbeitenden Teamkollegen.

Diese Mission könnte vor einem zeitnahen Ende stehen. Also nicht das erneute Gewinnen der Champions League. Nur eben das Gewinnen selbiger mit Juventus Turin. Aus eigener Kraft kann der entthronte Serienmeister, der aktuell nur Fünfter in der Serie A ist, nicht mehr die Königsklasse erreichen. Ein Juventus ohne Champions League wäre kommende Saison wohl auch ein Juventus ohne Ronaldo. Für den dann zwingend erforderlichen Neuaufbau hat der 36-Jährige keine Zeit.

Ronaldos neue sportliche Heimat könnte stattdessen Paris werden. PSG-Superstar Neymar hat gegenüber der französischen Ausgabe von ‚GQ‘ bereits mit der Charmeoffensive begonnen: „Ich möchte mit Cristiano Ronaldo spielen. Ich habe bereits mit grossartigen Spielern wie Messi und Mbappé gespielt, aber noch nicht mit CR7.“ Die Frage muss aber erlaubt sein: Was, wenn es zum Beispiel in Paris ebenfalls nichts wird mit dem Henkelpott? Und auch sonst kein großer Titel mehr herausspringt auf der Zielgeraden seiner Karriere?

Irgendetwas nicht erreicht zu haben oder sich in irgendeiner Hinsicht unvollendet zu fühlen, wird immer Teil der universellen Erfahrung des Menschseins sein. Das gilt auch für so exorbitant erfolgreiche Menschen wie Cristiano Ronaldo. Wer zur Ruhe zu kommen nur dann als Option sieht, wenn er noch dieses oder jenes Ziel erreicht hat oder der eigene Körper sich querstellt, der wird es vermutlich nie tun. Oder eben auf eine Art und Weise, die im Lichte des eigenen Lebenswerks unwürdig ist.

Zur Ruhe zu kommen muss übrigens im Falle von Ronaldo nicht gleich bedeuten, mit dem Fußball aufzuhören. Vielleicht nur, ihn anders zu betrachten. Es ist wohl eher eine müßige Angelegenheit, den Ehrgeiz von Profifußballern gegeneinander aufzuwiegen. Aber Arjen Robben dürfte wie Ronaldo zu den Ehrgeizigsten unter den Ehrgeizigen gehören. Trotzdem hat ausgerechnet der in jüngeren Jahren oft als zu verbissen geltende Niederländer vorgemacht, wie es weitergehen kann.

Robben ist zu seinem Jugendverein Groningen zurückgekehrt und meldete sich dort am vergangenen Wochenende nach langer Leidenszeit mit zwei Torvorlagen zurück. Anschließend setzte sich der 37-Jährige auf sein Fahrrad und fuhr nach Hause. Gewinnen und gut spielen will Robben sicherlich heute noch genauso gerne wie früher, als er noch für die Bayern kickte. Aber der Flügelspieler scheint seinen Frieden damit gemacht zu haben, nicht mehr nach dem Allerhöchsten zu streben. Man sieht es ihm förmlich an.

Womöglich sollte Ronaldo, Europameister, fünffacher Ballon d’Or-Gewinner und Champions League-Sieger, also im Sommer einfach an Robben denken und auf seine Mutter hören. Die hat nach Sportings erster Meisterschaft seit 19 Jahren mit Blick auf ihren Sohn verkündet: „Ich werde mit ihm reden. Nächstes Jahr wird er im Alvalade (Stadion von Sporting, d. Red.) spielen, ich werde ihn überzeugen.“ Es wäre die perfekte Klammer um die Karriere eines der besten Spieler aller Zeiten. Jetzt muss nur noch Ronaldo das auch erkennen.