Wochenschau: Ist die geplante Superliga das Ende des Fußballs?

Logo: OneFootball

OneFootball

Erik Schmidt

Artikelbild: Wochenschau: Ist die geplante Superliga das Ende des Fußballs?

Mit Fußball hatte Georg Friedrich Händel schon ganz einfach deshalb nichts am Hut, weil er selbst im 17. Jahrhundert, und somit weit vor der Geburtsstunde dieses Sports, das Licht der Welt erblickte. Und dennoch gelang es dem Komponisten, dass sich noch heute Fans des runden Leders auch über Europa hinaus für eines seiner Werke begeistern.

Erst am Dienstag und Mittwoch war dieses Phänomen wieder zu beobachten. Denn – ob nun in St. Petersburg, Paris, Rom oder München – in sämtlichen Arenen tönte eine von Händel geschaffene Melodie aus den Lautsprechern. Denn 1992 hatte Tony Britten die Vorarbeit des gebürtigen Hallensers für die Komposition der Champions-League-Hymne genutzt. Auch viele Jahre später entfacht sie nach wie vor Gänsehaut.

Es ist allerdings nicht ausgeschlossen, dass sich daran schon bald etwas ändert. Der Königsklasse droht nämlich Konkurrenz. Übermächtige Konkurrenz. Klingt komisch, ist aber so.

So soll das Champions-League-Millionengeschäft, dass die Schere zwischen den Topklubs und dem Rest immer größer werden lässt, eben jenen Topklubs nicht mehr reichen.

Eine Woche vor Halloween geistern nun erstmals konkrete Pläne einer Superliga durch die Branche. Wie ‚Sky Sports‘ erfahren haben will, lockt diese Superliga, die unter dem Namen „European Premier League“ firmieren könnte, gar mit Milliarden an Euro. Und das mitten in einer globalen Krise.

Nun ließe sich behaupten, dass dieses Vorhaben ja schon uralt sei. Doch diesmal kommen die dazugehörigen Informationen tatsächlich doch etwas ernsthafter daher. So soll der Startschuss zu diesem Projekt bereits in der übernächsten Saison ertönen. Neben einem Dutzend Vereinen aus den fünf europäischen Spitzenligen scheint auch die Fifa in die Überlegungen involviert. Die Uefa und ihre Klub-Wettbewerbe schauen dabei genauso in die Röhre wie alle übrigen Vereine und die Fans. Von Händel ganz zu schweigen.

Zwar sieht der Plan vor, dass der FC Liverpool und Co. ihren nationalen Spielklassen trotzdem treu bleiben. Die Chancen darauf, dass beispielsweise Sheffield United die Reds in einer gesamten Saison hinter sich lassen könnte, gingen dann jedoch erst recht Richtung null.

Also mögen die Superliga-Vertretungen in diesem Fall doch bitte gänzlich das Feld räumen! Was auch sogleich mehrere Vorteile mit sich brächte. In Spanien würde nicht nur vielleicht auch Athletic Bilbao mal wieder um die Meisterschaft mitspielen, Real Madrid könnte sich darüber hinaus einige Querelen ersparen.

Immerhin mussten sich die Königlichen zuletzt mit dem FC Cádiz (0:1) und Schachtar Donezk (2:3) rumärgern. Pleiten gegen solche Fliegengewichte führen dazu, dass Zinédine Zidanes Mannschaft überall als Gespött herhalten muss. Und das ausgerechnet auch noch vor dem Duell mit dem FC Barcelona. In einer Superliga wäre wohl jede Partie auf dem Niveau des Clásicos und Niederlagen ließen sich demzufolge besser verkaufen.

Diese Einschätzung teilen mit Sicherheit auch Juventus Turin, Paris Saint-Germain und der FC Chelsea, die in der laufenden Spielzeit allesamt schon über Underdogs stolperten. Zumal diese Underdogs nicht zu mehr als dieses lästige Beinstellen in der Lage sind, landen die Trophäen am Ende doch ohnehin immer in den gleichen Vitrinen. Doch genug des Sarkasmus. Immerhin scheiterte schon die Nations League mit ähnlichen Ansätzen grandios.

Aus Deutschland käme vor allem der FC Bayern dazu in Frage, am Konzert der ganz Großen teilzuhaben. Karl-Heinz Rummenigge, der gegenüber ‚Sky‘ betonte, „keinen Kenntnisstand“ von den Plänen zu besitzen, hatte ähnliche Überlegungen schon in der Vergangenheit abgelehnt. „Die Superliga wird es in den nächsten zehn Jahren nicht geben – an welchem Rad auch immer gedreht werden sollte“, erklärte der Bayern-Boss der ‚FAZ‘.

Etwas drastischer formulierte es derweil nun Gary Neville. „Der Fußball frisst sich selbst auf“, urteilte der englische Ex-Nationalspieler bei ‚Sky Sports‘, „denn die Fans werden sich abwenden.“ Ist das Ende – wenn auch anders als gedacht – also nah? Davon, dass die Corona-Pandemie zur Rückbesinnung auf ursprüngliche Werte führen konnte, fehlt momentan jedenfalls jegliche Spur.

Sollte die Superliga dennoch eines Tages an den Start gehen, bleibt dem allgemeinen Fan vor lauter Resignation dann nur eines zu hoffen: Und zwar, dass die Macher es nicht wagen, sich an Georg Friedrich Händel zu vergreifen.