Wochenschau: Embolo und Bayern im "Catch Me If You Can"-Modus

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Antonia Hennigs

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2002 eroberte Leonardo DiCaprio als Frank William Abagnale Junior die Kinoleinwände dieser Welt. Als gewitzter Hochstapler tanzte er dem FBI auf der Nase herum und begeisterte die Zuschauer*innen in den Kinosälen. Ob Breel Embolo den Filmklassiker kennt, können wir natürlich nicht wissen. Sein fragwürdiges Manöver am vergangenen Wochenende erweckte aber zumindest den Eindruck.

Nachdem der Gladbach-Profi bestritten hatte, am Samstagabend auf einer Party mit 23 Personen gewesen zu sein, kommen jetzt immer mehr Details ans Licht, die seine Glaubwürdigkeit zumindest wackeln lassen. Embolo behauptet, mit Kollegen in einer Wohnung nebenan Basketball geguckt zu haben. Die Polizei behauptet, in diese Wohnung sei Embolo geflohen, nachdem die Party von der Polizei aufgelöst wurde.

Genauer gesagt sei ein Party-Teilnehmer über ein Flachdach geflohen und in besagte Wohnung eingestiegen. „Wir gehen davon aus, dass der Geflohene und Embolo eine Person sind“, drückte es ein Sprecher der Polizei Essen diplomatisch aus. Ganz abgesehen davon, dass auch das Treffen zum Basketball Schauen gegen Corona-Vorgaben verstoßen hätte, nimmt die Geschichte immer hollywoodreifere Züge an.

Á la Leonardo DiCaprio, James Bond und Co. legte Embolo demnach eine Flucht hin, nur um Minuten später von der Polizei in der Badewanne der Wohnung entdeckt zu werden, schreibt die ‚Bild‘. Dem Bericht zufolge soll der 23-Jährige Tage später auch noch versucht haben, einen Termin beim Essener Oberbürgermeister zu erhalten, um „eine Summe für einen karitativen Zweck zu spenden“. Kann man sich nicht ausdenken.

Während in Gladbach die Luft brennt, da der Spieler seinen Kollegen und Trainern auch noch versichert hatte, nicht bei der Party gewesen zu sein, hat der immer gleiche Akteur im Bundesliga-Zirkus das Lachen. Der FC Bayern München wird einmal mehr zu der einen, die immer lacht. Und gern geschehen für den Ohrwurm.

Auf keinen anderen Verein trifft das Motto „Catch me if you can“ besser zu, als auf den Rekordmeister aus München. Die letzten Tage haben mal wieder bewiesen, dass bei den vermeintlichen Bayern-Verfolgern wenig Interesse zu bestehen scheint, den FCB auch wirklich zu verfolgen. Vor zwei Wochen musste sich der Titelträger Gladbach geschlagen geben, Tage später schmiss Holstein Kiel den Rekordmeister doch tatsächlich aus dem Pokal.

Die Bayern wackelten und eine bessere Gelegenheit, in der Liga Punkte auf die Münchner gutzumachen, wird es so schnell wohl nicht mehr geben. Die Reaktion: Leverkusen holte nur einen Punkt gegen Werder Bremen und verlor gegen Union Berlin. Borussia Dortmund patzte gegen Mainz 05 und, und, und. Statt auf Sportsfreund Barack Obama zu hören und unter dem Motto „Yes, we can“ aufzulaufen, lässt die Liga den FC Bayern wieder durchatmen.

Durchgeatmet wurde wahrscheinlich auch bei Union Berlin am Donnerstagnachmittag. Nach der Partie gegen Bayer Leverkusen am vergangenen Wochenende standen Rassismus-Vorwürfe gegen Florian Hübner und später auch Cedric Teuchert im Raum. Hübner soll Nadiem Amiri während der Partie als „Scheiß-Afghane“ bezeichnet haben, was in den folgenden Tagen aber auch durch das DFB-Sportgericht nicht nachgewiesen werden konnte.

Das Gericht belegte Hübner mit einer Sperre von zwei Spielen und 20.000 Euro Geldstrafe. Allerdings nicht wegen einer rassistischen Äußerung, sondern wegen „unsportlichen Verhaltens“. Für den Vorwurf der rassistischen Beleidigung sollen keine Anhaltspunkte gefunden worden sein. Auch Jonathan Tah, der im Interview nach der Partie der Erste war, der von dem Vorfall inklusive des Ausdrucks „Scheiß-Afghane“ berichtet hatte, sei selbst kein Zeuge dessen gewesen.

Das Thema Glaubwürdigkeit spielte in dieser Bundesliga-Woche eine fast größere Rolle als das Sportliche. Denn unabhängig davon, wer am Ende die Wahrheit sagte, ist es die Undurchsichtigkeit und fehlende Nachvollziehbarkeit, die hängen bleibt. Hübner soll sich bereits nach dem Spiel bei Amiri entschuldigt haben. Für was genau? Das werden wir wohl nie erfahren.

Eine Woche, die von vielen unschönen, nicht sportlichen Themen bestimmt war, liegt hinter uns. Eine Woche, in der Transparenz, Wahrheit und Glaubwürdigkeit nicht gerade groß geschrieben wurden. Und eine Woche, in der Leonardo DiCaprio als Frank William Abagnale Junior ein bisschen zu sehr als Vorbild diente. Für die nächste Woche wünschen wir uns deshalb ein bisschen weniger Gangster und ein bisschen mehr Aufrichtigkeit.