Wochenschau: Bayerns Partie Among Us mit Alaba und Super-Agent Zahavi

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Matti Peters

Artikelbild: Wochenschau: Bayerns Partie Among Us mit Alaba und Super-Agent Zahavi

Spielerberater sind schon lange ein enormer Wirtschaftsfaktor im Profifußball. Sie haben absolute Daseinsberechtigung. Das Machtverhältnis kippte in den letzten Jahren allerdings in eine für viele Klubs gefährliche Richtung.

Das bekam zuletzt auch der FC Bayern zu spüren. Jetzt will sich die Fifa einschalten und den sogenannten Super-Agenten des Geschäfts an die Geldbörse gehen.

Der Vertragspoker zwischen dem deutschen Rekordmeister, David Alaba und dessen Berater Pini Zahavi hat einen Punkt erreicht, den FCB-Sportvorstand Hasan Salihamidžić treffend als „Super-Gau“ bezeichnete. Die Fronten sind verhärtet. Die Münchner zogen Anfang der Woche nach Ablauf einer gesetzten Frist das mittlerweile dritte Angebot für eine Verlängerung zurück.

Dafür erhielten sie wenige Tage vor dem Spitzenspiel gegen Borussia Dortmund sogar Zuspruch aus dem Lager der Schwarzgelben. Ja, 2020 hat uns sogar die ach so geliebten Wortgefechte beider Parteien genommen. Keine verbalen Giftpfeile. Keine haltlosen Ankündigungen.

Im Gegenteil. Es wurde auf Kuschelmodus geschaltet. BVB-Boss Aki Watzke äußerte Verständnis für Bayerns Handeln im Fall Alaba. Er kann ein Lied davon singen, wie es ist, sich mit provisionsgeilen Beratern rumzuschlagen.

Corona hat die Lage selbst bei Topklubs wie Real Madrid, dem FC Barcelona oder eben den Bayern deutlich erschwert: „Die Auswirkungen spüren selbst die größten Klubs extrem, egal ob der FC Bayern, Real Madrid oder der FC Barcelona. Irgendwann kommst du an die Grenze dessen, was du verantworten kannst. Dies sieht man am Beispiel David Alaba“, so Watzke gegenüber der ‚Sport Bild‘.

Man muss eben auch irgendwann klar machen, dass das Ende der Fahnenstange erreicht ist. Wir alle sind unseren Mitgliedern oder Aktionären verpflichtet. Es muss Grenzen geben

Hans-Joachim Watzke, Geschäftsführer Borussia Dortmund GmbH & Co.

Und was sagt David Alaba dazu? Der Österreicher erfuhr von dem zurückgezogenem Angebot über die Medien, wie er bei der Pressekonferenz vor dem Champions-League-Spiel gegen Salzburg beteuerte. Die Vereinsseite will wiederum die Spielerseite informiert haben. Ein Hauch vom aktuellen Trend-Game Among Us schwingt hier mit.

Auch der beliebte Online-Multiplayer lebt von heftigen Psychospielchen, erfinderischen Aussagen und dem Grundgedanken, einen oder mehrere vermeintliche Betrüger zu überführen.

Doch wer ist im Vertragspoker mit Alaba der Imposter? Wer spielt hier wem etwas vor? Vielleicht liegt die Wahrheit auch irgendwo zwischen den getätigten Aussagen. In jedem Fall wurde ein Vent benutzt, um aus den Vertragsverhandlungen vorerst auszusteigen.

Die Art und Weise hatte zudem etwas von einer Machtdemonstration. Gegenüber dem Spieler, aber vor allem gegenüber dem Berater, der den Münchenern nicht zum ersten Mal das Leben schwer macht.

Es wäre allerdings zu einfach, die Schuld allein beim Spielerberater zu suchen und ihn als Hauptverdächtigen auszumachen. Ebenso wie seine Kollegen macht er seinen Job. Sie vertreten die Interessen der Spieler und setzen sich beispielsweise im Falle einer Vertragsverlängerung für bessere Konditionen ein. Doch vom Ruf des barmherzigen Samariters sind die Pini Zahavis, Mino Raiolas oder Jorge Mendes‘ dieser Fußballwelt weit entfernt.

Sie wollen ein ordentliches Stück vom Kuchen abhaben. In den letzten Jahren ist ein deutlicher Anstieg an Provisionen für Spielerberater festzustellen. Allein im vergangenen Jahr hatten Spielerberater offiziell knapp 560 Millionen Euro verdient. Nach Angaben des Weltfußballverbands vier Mal mehr als noch 2015.

Mit diesen astronomischen Summen soll nun bald Schluss sein. Bis zum Februar kommenden Jahres will die Fifa zu neuen, schärferen Bestimmungen für Spielerberater kommen. So soll die Wiedereinführung des Lizenzsystems sowie eine Obergrenze für Provisionen eingeführt werden, um „missbräuchliche Praktiken zu vermeiden“.

Man will wieder für mehr Transparenz sorgen, nachdem die aktuellen Regeln erst vor fünf Jahren gelockert worden waren. Laut Emilio García Silvero, Direktor der Rechtsabteilung der Fifa, sollen die neuen Bestimmungen bis zum nächsten Sommer vom Fifa-Council verabschiedet und im September 2021 weltweit eingeführt werden.

Um Transfer-Theaterstücke, wie es der FC Bayern und Protagonist David Alaba aktuell aufführen, künftig einzudämmen, müsste wohl zusätzlich noch das Thema Gehaltsobergrenze bei Spielergehältern in Angriff genommen werden.

Bis dahin ist die Entscheidung in der Causa Alaba schon längst gefallen. Als guter Crewmate wird der 28-Jährige unabhängig von seinem Zukunftsplan fleißig seine Tasks bis zum Saisonende machen. Dafür liegt ihm letztlich auch einfach zu viel an dem Klub, in dem er zu einem der besten Verteidiger aufstieg, die momentan die Fußballschuhe schnüren.