Wochenschau: Almans bleiben Almans, auch in Zeiten von Corona

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Antonia Hennigs

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Was sich in den letzten Tagen abgespielt hat, konnte keiner voraussehen. Für den Umgang mit der Corona-Krise gab es keine Blaupause, weder für Politiker, die Gesellschaft oder eben auch für den Fußball. Vor zwei Wochen dachten wir, so manche Schmähplakate gerichtet an den Sohn einer Mutter und die Reaktionen darauf seien eine Ausnahmesituation. Wir wurden eines Besseren belehrt.

Am Montag bezeichnete DFL-Chef Christian Seifert eine Spielpause der Bundesliga und der 2. Liga noch als „illusorisch“. Aufhören sei keine Option, die Saison müsse wie geplant zu Ende gespielt werden. Als ‚Kompromiss‘ wurden Zuschauer von den Spielen ausgeschlossen, um die weitere Ausbreitung des Virus zu verhindern. Das Rheinderby wurde zum ersten Geisterspiel der Bundesliga-Geschichte und zum Negativ-Beispiel auf vielen Ebenen.

Das Wichtigste war aber natürlich: Das Spiel fand statt. Die TV-Gelder sind geflossen und Verträge wurden erfüllt. Denn darauf sind die Deutschen stolz. Auf Genauigkeit, auf das Einhalten von Verträgen und darauf, gute Geschäftsmänner zu sein. So mancher Verantwortliche hielt mit dieser, mindestens in Zeiten wie diesen, bedenklichen Prioritätensetzung auch gar nicht hinter dem Berg.

Dirk Zingler, Präsident von Union Berlin, beschwerte sich unter der Woche noch darüber, dass seinem Verein die Geschäftsgrundlage genommen werden würde, wenn die Fans aus dem Stadion ausgeschlossen werden. Da er ein guter Alman ist, unterlegte er seine Beschwerde natürlich auch mit äußerst passenden und gar nicht wilden Beispielen. Das BMW-Werk in Berlin-Marienfelde und der öffentliche Nahverkehr würden ja auch noch normal betrieben werden. Okay.

Glücklicherweise muss Herr Zingler sich darum mittlerweile keine Gedanken mehr machen. Der Berliner Senat hat bereits angekündigt, dass es auch im öffentlichen Nahverkehr zu Einschränkungen kommen könnte. Und Die DFL hat sich am Freitag-Nachmittag dazu durchgerungen, den Spieltag an diesem Wochenende abzusagen. Mit Ruhm bekleckert hat sie sich dabei aber genauso wenig. Mit einer Salami-Taktik, die seinesgleichen sucht, wurde von Stunde zu Stunde neu entschieden, um der einzig richtigen Option, der Absage, doch noch aus dem Weg zu gehen.

Es geht um Gelder, das ist allen bewusst. Aber so gut wie alle anderen europäische Ligen haben schneller verstanden, dass es momentan ausnahmsweise mal nicht darum geht. Was man aber nicht vergessen darf: In Deutschland geht es auch immer ein bisschen ums Prinzip. Das haben alle Verantwortlichen in den letzten Tagen beeindruckend bewiesen.

Ein ebenso absurd denkender Teil der Alman-Gesellschaft tat sich auf, als ‚Sky‘ verkündete, dass sie die Konferenzen des zu dem Zeitpunkt noch geplanten Spieltags im Free-TV übertragen würden. Erzürnt meldeten sich zahlende Sky-Kunden zu Wort, sie würden doch für exklusive Inhalte zahlen und hätten durch die Übertragung im Free-TV nun keinen Vorteil mehr.

Richtig. Denn man zahlt ja für das Sky-Abo um einen Vorteil gegenüber dem restlichen Pöbel zu haben, nicht um Fußball zu gucken. Kollektivstrafen sind schon etwas Schlimmes.

Ohne Rücksicht auf Verluste. Die Vorgehensweise der DFL in den letzten Tagen scheint sich an dieser Devise orientiert zu haben. Denn stellt Euch mal vor, Gewinn und finanzielle Vorteile müssten sich hinter der Gesundheit tausender Menschen anstellen. Ein Szenario, das auch Karl-Heinz Rummenigge nicht verstehen kann. Es geht ja „am Ende um Finanzen.“

Wir haben schon verstanden, dass die Vereine Wirtschaftsunternehmen sind. Was diese aber anscheinend nicht verstanden haben, ist dass eine große Verantwortung damit einhergeht.

Ganz abgesehen davon, dass die Spielpause der Ligen möglicherweise noch nicht ausreicht und man die Saison eventuell beenden muss, sollte man wohl erst einmal froh darüber sein, gestern Abend nicht die Möglichkeit gehabt zu haben, sich Düsseldorf gegen Paderborn zu Gemüte zu führen. Die DFL wird sich am Montag weiter besprechen, aber zu einem frühzeitigen Abbruch der Saison wird es wohl erst kommen, wenn Dietmar Hopp Corona-Symptome zeigt.