Wellental

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SV Darmstadt 1898

Eine der Tücken der Ostalb ist das raue Wetter. Winde kommen, Winde gehen. Unbeständige Temperaturen, auf Hochs folgen Tiefs. Manchmal sogar am gleichen Tag. Ein Zustand, der sich auch hervorragend auf die 2. Liga übertragen lässt. Die Unbeständigkeit und Tagesformabhängigkeit der Liga ist ein definierendes Merkmal. Das musste auch der SV Darmstadt 98 am Freitagabend in Heidenheim erfahren.

“Und in genauso einem Wellental befinden wir uns gerade”, sagte Torsten Lieberknecht auf der Pressekonferenz nach der 1:2-Niederlage beim 1. FC Heidenheim. Ein verlorenes Spiel auf fremden Platz, in einer offenen Partie. Nach Karlsruhe und Rostock mussten sich die Lilien zum dritten Mal in dieser Spielzeit auswärts geschlagen geben. Dabei zeigten die Darmstädter schon im Ostseestadion und auch jetzt in Heidenheim vernünftige Leistungen, einzig die Durchschlagskraft in der Offensive sowie die letzte Konsequenz in der Verteidigung fehlten. “Unsere Auswärtsauftritte sind insgesamt ordentlich, wir bringen sie aber nicht mit der Überzeugung und Wucht zu Ende, wie wir es in den Heimspielen tun”, monierte der Cheftrainer des SV Darmstadt 98.

Diskrepanz zwischen Heim- und Auswärtsertrag

Das Merck-Stadion am Böllenfalltor ist dagegen in den letzten drei Auftritten zur Festung avanciert. Vor heimischem Publikum reiten die Lilien förmlich auf den hohen Wellenbergen und begeistern mit erfolgreichem Offensivfußball. So stellen die Südhessen mit elf Heimtoren nach St. Pauli und Regensburg die heimstärkste Offensive der Liga. Genauso stark die Defensivleistungen vor Darmstädter Publikum: Erst drei Gegentore kassierten die Lilien, nur Nürnberg und Karlsruhe weniger. Heimerfolge gegen Ingolstadt, Hannover und Dresden waren der Lohn dieser Arbeit. Luca Pfeiffer: “Zuhause kriegen wir immer unser Spiel durch, dominieren den Gegner.” Das sieht auch Lieberknecht so: “In den Heimspielen zeigen wir überzeugende Spiele und Siege.” Etwas, was in den Auswärtsspielen trotz couragierter Auftritte jedoch noch nicht so recht gelingen will.

Erst einen Punkt holten die Lilien in dieser Saison auf fremden Geläuf. Wohlgemerkt im Hamburger Volksparkstadion - beim HSV, einem der großen Aufstiegsaspiranten dieser Liga. Doch drei Auswärtsniederlagen sind die Kehrseite der starken Heimauftritte. “Das ist die Diskrepanz, die wir momentan haben”, erklärte Lieberknecht. Dennoch zeigten die Lilien in Heidenheim keine schlechte Leistung. Im Gegenteil. Die Statistiken dieses Duells am Freitagabend? Ausgeglichen. Die identische Anzahl an Torschüssen (17:17), eine leicht bessere Passquote der Darmstädter (74:73 Prozent) sowie geringe Lilien-Vorteile im Ballbesitz (51:49 Prozent). Pfeiffer: “Ein Punkt wäre hier verdient gewesen. Die Niederlage ist auf jeden Fall sehr bitter und ärgerlich.”

“Wir haben uns ordentlich verkauft”

Schließlich kassierten die Südhessen erst in der Schlussphase den entscheidenden Gegentreffer, welcher der Heidenheimer Mannschaft den Sieg bescherte. Ein so heimstarkes Team des FCH, das in dieser Saison ohnehin noch kein Spiel in der Voith-Arena verlor. Und dennoch. “Wir haben uns ordentlich verkauft und müssen einfach was mitnehmen”, betonte Fabian Holland. Große Torchancen gab es auf beiden Seiten, nur nutzte der FCH diese eine Möglichkeit mehr. Die Analyse des SV98-Kapitäns: “Wir waren in den entscheidenden Situationen sowohl hinten als auch vorne nicht clever genug.”

So bleiben die Lilien in der Fremde weiter ohne Dreier. Ein Umstand, der sich schnellstmöglich ändern soll. “Wir wissen, dass wir auch auswärts punkten müssen”, betonte der Darmstädter Kapitän. Die nächste Chance dazu bietet bereits das kommende Wochenende, wenn auf den SV Darmstadt 98 in Sandhausen (3.10., 13.30 Uhr) direkt das nächste Auswärtsspiel wartet. Dort im Hardtwald wollen die Lilien wieder die Wellenberge erklimmen. So wie sie es bislang auch punktemäßig am Böllenfalltor taten. Doch keine Frage: Höhen und Tiefen, Wellentäler und - berge gehören zu einer Saison dazu.

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