Wasser-Skandal in Sevilla – Eintracht-Fans dursten für mehrere Stunden bei 30 Grad | OneFootball

Wasser-Skandal in Sevilla – Eintracht-Fans dursten für mehrere Stunden bei 30 Grad

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Eintracht Frankfurt hat das unmögliche möglich gemacht und als erste deutsche Mannschaft die Europa League gewonnen. Ein rauschendes Fußballfest sollte es in Sevilla werden - es wurde aber zu einem menschenunwürdigen Akt der Planlosigkeit.

Eintracht-Fan Sebastian Braun, einigen bekannt durch seine Sticker "Eine Stadt. Ein Verein. Gegen Rassismus, Faschismus und Homophobie", hatte Tickets für den Eintracht-Block V209 im Oberrang des Estadio Ramon Sanchez Pizjuan ergattern können.

Bereits die Einlasskontrolle ins Stadion waren sehr speziell. Wo in anderen Stadien meist Zäune den Durchgang versperren und den Zustrom der Fans regulieren, wurden in Sevilla Polizeipferde eingesetzt. Speziell für Kinder und kleinere Menschen ein sehr beklemmendes Gefühl.

Im Stadionbereich angekommen, befanden sich acht Verkaufsstände hinter den Blöcken. Die eine Hälfte war mit Essen bestückt, die andere Hälfte mit Getränken. Als Sebastian und seine Freunde sich um 20:15 Uhr anstellten, entstand vorne am Ausgabefenster lauter Tumult. Die Getränke in den Kiosks waren restlos ausverkauft. Es gab weder Wasser oder Cola noch alkoholfreies Bier. Daraufhin wurden von den Betreibern die Rollläden heruntergelassen. Einige Fans drückten sich dazwischen und schoben die Läden wieder hoch, um zu erfahren, wann Nachschub kommen würde. Dieses Vorhaben wurde von der mit Schlagwaffen ausgestatteten Polizei unterbunden, die die Fans zurückdrängten. Also ging man ohne Getränke zurück in den Block.

Polizei drängt durstige Fans mit Schlagstöcken zurück

Direkt mit dem Pausenpfiff war Sebastian wieder am Kiosk. Es gab auch tatsächlich Getränke. Allerdings nur jeweils zwei gefüllte Kühlschränke pro Verkaufsstand. Dies reichte nur für ein Viertel der wartenden Fans.Diesmal wurden die Tumulte heftiger. Die Fans hatten Durst und klopften mit den flachen Händen gegen die erneut heruntergelassenen Rollläden. Daraufhin kamen mehrere Polizisten und drängten die Wassersuchenden mit Einsatz ihrer Schlagstöcke zurück.

Einige Fans behalfen sich für die restliche Zeit im Stadion mit dem Wasser aus den Toilettenräumen. Allerdings war das gechlorte Wasser nicht wirklich zum Trinken geeignet, sodass einige Zuschauer Magenkrämpfe erlitten und erbrachen. Diese letzte Wasserquelle versiegt im Laufe der zweiten Halbzeit jedoch auch, da das Wasser einfach abgestellt wurde. Weder Händewaschen noch das Betätigen der Toilettenspülung war danach noch möglich.

Eintracht-Spieler werden am Verteilen von Wasserflaschen gehindert

Auch nach dem Spiel wurde es nicht besser. Die Eintracht-Profis Timothy Chandler und Aymen Barkok wollten Wasserflaschen an die durstigen Fans in der Kurve verteilen, wurden dabei aber von mehreren Ordnern zurückgedrängt.

Als Sebastian und seine Freunde nach dem Triumph der Eintracht das Stadion verließen, gab es außerhalb des Areals kein Wasser. Erst nach einem 30-minütigen Fußweg zum Fan-Treff konnte die Truppe wieder etwas trinken und ihren Flüssigkeitsmangel ausgleichen.

Ähnlich wie Sebastian erging es auch anderen Fans, wie zum Beispiel Matthias Renner, der mit seinem 10-jährigen Sohn einfach die größte Stunde seines Lieblingsvereins erleben wollte.

Die Stadt, der Betreiber des Stadions, die Polizei und die UEFA waren mit dieser Situation komplett überfordert. Sie sind verantwortlich dafür, dass Menschen bei über 30 Grad mehrere Stunden ohne Wasser auskommen mussten. Die dilettantische Organisation, gepaart mit fehlendem Gespür für Improvisation und der Einsatz von Schlagstöcken ist die hässliche Fratze dieses Spiels.

Sport1

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