🤔 Was zum Geier ist eigentlich ... ein diametral abkippender Sechser? | OneFootball

🤔 Was zum Geier ist eigentlich ... ein diametral abkippender Sechser?

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Jan Schultz

Die Sprache im Fußball war mal leicht verständlich und klar. Franz Beckenbauer schickte die deutsche Nationalmannschaft einst mit den Worten „Geht’s raus und spielt’s Fußball“ ins WM-Finale. Heutzutage kommen selbst Fachidioten wie wir teilweise an unsere Grenzen, wenn Trainer mit ihrer neumodernen Taktiksprache um die Ecke kommen.

Genau deswegen versuchen wir dir mit dem neuen Format „Was zum Geier ist eigentlich?“ dabei zu helfen, dich bei der wöchentlichen Bundesliga-Konferenz mit Freunden mal am Gespräch zu beteiligen und vielleicht sogar den einen oder anderen anerkennenden Blick zu kassieren.

Diesmal geht es um den diametral abkippenden Sechser, der für Hirnwindungen wie auch Zungen gleichermaßen zu einem Problem werden kann. Dabei ist er heutzutage doch total gebräuchlich und der Ausgangspunkt zahlreicher Tore. Aber eines nach dem anderen, schlüsseln wir das mal auf.

Viererkette wird zur Dreierkette

Der wohl zugänglichste Teil an diesem taktischen Kniff ist der Sechser, also der defensive Mittelfeldspieler. Dieser befindet sich, wie all seine Kollegen auch, während eines Spiels nicht durchgehend stur auf ein und derselben Position. Bei eigenen Angriffen kann er den Raum schließen, den ein vorrückender Außenverteidiger für den Gegner öffnet. Er kann auch selbst mit nach vorne stürmen und damit kurzfristig die Rollen mit einem dafür absichernden Achter tauschen.

Oder der Sechser lässt sich während des eigenen Spielaufbaus zur Unterstützung der Kollegen eine Reihe zurückfallen, also ungefähr auf dieselbe Höhe wie die beiden Innenverteidiger in einem System mit Viererkette. Dieses Verhalten nennt man abkippen. Die Außenverteidiger können dadurch raus schieben. Sie rücken eine Reihe nach vorne und sollen dort das Mittelfeld des Gegners auseinander ziehen.

In der eigenen Abwehrreihe gerät das angreifende Team dank der Verstärkung durch den Sechser trotzdem nicht in Unterzahl, ist gegen zwei pressende Angreifer idealerweise sogar in der Überzahl und hat damit genügend Anspielstationen für eine schnelle Ballzirkulation.

Fehlt nur noch das Diametrale an der ganzen Sache. Wenn der defensive Mittelfeldspieler abkippt, hat er zwei Optionen. Er kann sich zwischen den beiden, in dieser Konstellation auseinander schiebenden Innenverteidigern positionieren. In dem Fall spricht man von einem zentral abkippenden Sechser. Orientiert er sich aber links oder rechts neben die zwei Innenverteidiger, spricht man vom diametral abkippenden Sechser.

Zwei prominente Beispiele

Die beiden Innenverteidiger verschieben dann jeweils vom defensiven Mittelfeldspieler weg, sodass ein Innenverteidiger das Zentrum besetzt und der andere die gegenüberliegende Seite des abkippenden Sechsers. Besonders oft hat sich diese Variante bisher etwa bei Real Madrid gezeigt, wo Toni Kroos gerne nach links abkippt, Luka Modrić hingegen eher nach rechts.

Von dort können derart ball- und passsichere Profis immer wieder Angriffe einleiten. Entweder mit vielen kurzen, schnellen Pässen, bis sich eine Lücke zwischen den gegnerischen Ketten öffnet. Oder mit langen Bällen, primär Seitenverlagerungen. Die ganz Mutigen gehen sogar mal ins Dribbling. Eigentlich ganz einfach, oder?