🔼 Was wĂ€re, wenn die Bundesliga Schalkes Salary Cap kopieren wĂŒrde?

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Niklas Levinsohn

Artikelbild: 🔼 Was wĂ€re, wenn die Bundesliga Schalkes Salary Cap kopieren wĂŒrde?

2,5 Millionen Euro: Mehr sollen neu unter Vertrag genommene Profis beim FC Schalke 04 in Zukunft nicht verdienen. Was aber, wenn das nicht nur fĂŒr die Knappen gelten wĂŒrde, sondern fĂŒr die anderen 17 Bundesligisten auch?

„Sie können nicht einfach das Wort ‚Gehaltsobergrenze‘ sagen und erwarten, dass irgendwas passiert.“ „Ich werde es nicht sagen, ich werde es verkĂŒnden.“ Unmittelbar nach diesem ZwiegesprĂ€ch mit DFL-Mitarbeiter Oscar Martinez eröffnet Christian Seifert die extra einberufene Pressekonferenz, um den ab sofort geltenden Salary Cap von 2,5 Millionen Euro fĂŒr die Bundesliga zu verkĂŒnden.

Neue Spieler, die von einem Bundesligisten unter Vertrag genommen werden, dĂŒrfen nur noch eben jene Summe im Jahr verdienen. SpielervertrĂ€ge, die verlĂ€ngert werden, mĂŒssen unabhĂ€ngig vom Ursprungsgehalt ans Schalke-Limit, wie es im Volksmund schnell genannt wird, angepasst werden. „Wir versprechen uns davon einen ausgeglicheneren und spannenderen Wettbewerb“, erklĂ€rt Seifert den radikalen Schritt.

Der lĂ€sst zunĂ€chst auf sich warten. Top-Klubs wie Bayern, Dortmund, Leverkusen und Leipzig, auch bekannt als Klubs, die in der Spitze ein Vielfaches von 2,5 Millionen Euro an ihre Profis ĂŒberweisen, streichen SpielerverkĂ€ufe mit sofortiger Wirkung aus ihrem Vokabular. Sancho? Muss bis 2022 bleiben. Havertz? Muss bis 2022 bleiben. Was soll man schon mit 100 Millionen Euro anfangen, wenn man sich davon nicht ein Mal Weltklasse, sondern nur zehn Mal Durchschnitt kaufen kann?

Da wir uns die Bayern-Meisterschaften neun, zehn und elf ersparen wollen, spulen wir also vor bis ins Jahr 2023. Ein Jahr, in dem die VertrĂ€ge vieler Stars der Liga auslaufen. Und praktischerweise ĂŒberspringen wir damit auch „diese Pandemiesache“, die bis dahin bestenfalls ausgestanden ist. Hoffen wir auf gute FĂŒhrung. Der FCB verliert Kingsley Coman, Joshua Kimmich und Serge Gnabry, die sich allesamt ablösefrei ins Ausland verabschieden. Adrian Fein dagegen gibt sich mit den 2,5 Millionen Euro zufrieden und verlĂ€ngert.

Zu Beginn der Saison 2023/24 sehen die Kader vieler Bundesligisten drastisch verĂ€ndert aus. Besagte Bayern schicken die Doppelspitze Zirkzee-Arp ins Rennen. In Dortmund gehen Julian Brandt und Emre Can in ihr letztes Vertragsjahr. Ihr Partner im Dreier-Mittelfeld heißt Tobias Raschl. Vom Start weg entwickelt sich ein ausgeglichenes Titelrennen; der lachende Dritte bzw. Erste hört allerdings auf den Namen FC Schalke 04.

Königsblau hat das Ruhrgebiet zum persönlichen Baskenland erklĂ€rt und sich darauf verlegt, in Bilbao-Manier ausschließlich auf Spieler aus der Region zu setzen. Ein Vorsatz, der aufgrund der Dichte an Klubs und Talenten rund um Gelsenkirchen beachtliche FrĂŒchte trĂ€gt. AngefĂŒhrt von KapitĂ€n Kutucu, der die Binde nicht nur aufgrund der schönen Alliteration trĂ€gt, krönt Schalke sich zum jĂŒngsten Meister aller Zeiten. Die 2011er Garde des BVB staunt nicht schlecht.

Neugewonnene Abwechslung im Titelkampf ist also gegeben. Aber um Gottes Willen, wie sieht es bloß international aus? Schließlich war das Totschlagargument der Bewahrer der alten Ordnung stets die Warnung, dass Deutschland bei EinfĂŒhrung einer Gehaltsobergrenze international den Anschluss verlieren wĂŒrde. Oder bei irgendeinem RĂŒtteln am Status quo zugunsten eines faireren nationalen Wettbewerbs. Nun, lass uns noch ein bisschen vorspulen.

Mittlerweile sind wir in der heißen Phase der Saison 2027/28 angekommen. Nach fĂŒnfjĂ€hriger Abwesenheit hat es eine deutsche Mannschaft endlich wieder ins Halbfinale der Champions League geschafft. AngefĂŒhrt von der US-Amerikanerin Christy Ann Strike, der ersten Cheftrainerin der Bundesliga ĂŒberhaupt, ist der SC Freiburg in die Runde der letzten Vier eingezogen. Die Breisgauer scheitern zwar an Real Madrid, werden aber als deutsches Ajax Amsterdam von der internationalen Presse gefeiert.

Überhaupt kommt die gehaltsgedeckelte Bundesliga im Ausland gut an. Der Wettbewerb ist tatsĂ€chlich fair und damit nahezu unmöglich vorherzusehen. Das Geld, das die Klubs nicht mehr in SpielergehĂ€lter stecken können, haben sie in ihre Jugendstrukturen und in die Ausbildung ihrer Trainer fließen lassen. Das Ergebnis ist ein fußballerisch attraktiver und innovativer Spielbetrieb, der durchsetzt ist mit aufstrebenden jungen Talenten und grundsoliden Spielern.

Denn man sollte es kaum glauben, aber auch fĂŒr 2,5 Millionen Euro Jahresgehalt kann man kompetente Kicker unter Vertrag nehmen. Zwei angenehme Nebeneffekte bringt die schöne neue Bundesliga-Welt außerdem mit sich: Da die Gehaltskosten drastisch geschrumpft sind, sind synchron dazu auch die Preise fĂŒr Trikots und Tickets gefallen. Der Druck, die ganz großen GehĂ€lter zahlen zu können, wird nicht mehr ans schwĂ€chste Glied, also den Fan/Kunden weitergereicht. Weil es ihn eben nicht mehr gibt.

Und: Bundestrainer Bruno Labbadia hat einen nie da gewesenen Pool aus talentierten deutschen Spielern, aus dem er schöpfen kann. Das tut Herthas Meistermacher aus der Saison 2026/27 auch, fĂŒhrt die deutsche Mannschaft um KapitĂ€n und Chelsea-Ikone Timo Werner im Sommer 2028 zum ersten EM-Titel seit 1996. Gleich so ein Erfolg im ersten Turnier nach der Ära Löw. Wer hĂ€tte das gedacht?


Dieses Format soll dich in regelmĂ€ĂŸigen AbstĂ€nden in ein Paralleluniversum der Fußballwelt entfĂŒhren. Du darfst dich also auf weitere Teile einer Serie von unterhaltsamen, lustigen oder sogar absurden Texten freuen.