Was macht der denn? Thomas Broich reloaded, tanzwütiger Weltmeister | OneFootball

Was macht der denn? Thomas Broich reloaded, tanzwütiger Weltmeister

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Max von Stuckrad-Barre

Aus den Augen, aus dem Sinn? Genau diesem Phänomen wollen wir mit unserem Format „Was macht der denn?“ entgegenwirken und dir wöchentlich zeigen, was der eine oder andere alte Bekannte aus der Bundesliga so treibt.

Shinji Kagawa (St. Truidense)

Für Liebhaber alter Redensarten ist der Fall Kagawa ein Schock: Alte Liebe kann sehr wohl rosten. Nachdem der nächste Schritt bei Manchester United für den Japaner 2012 vor allem einer zurück sein sollte, war es zwei Jahre später bei der Rückkehr zur alten Liebe in Dortmund einfach nicht mehr dasselbe. Nach drei Jahren, die zwar einen DFB-Pokal, aber auch viel einsatzlosigkeitsinduzierten Frust brachten, machte Kagawa sich auf die Reise.

Die Stationen Beşiktaş, Real Saragossa und PAOK Saloniki waren allerdings mehr halbherziges Groundhopping als professioneller Fußball, mehr Knick als Karriere. Im Januar heuerte Kagawa schließlich in Belgien bei St. Truidense an. Bis zum Debüt dauerte es dort allerdings über einen Monat, seitdem reichte es lediglich für zwei Kurzeinsätze. Der ehemalige Dortmunder Publikumsliebling läuft Gefahr, auch den Aufenthalt in Belgien ausschließlich unter Fußball-Niemandsland-Tourismus verbuchen zu können.


Nicolai Müller (Central Coast Mariners)

Karriereverläufe wie den von Kagawa gibt es zuhauf. Ein ehemaliger Bundesliga-Spieler reist von Liga zu Liga, um durch Ortswechsel die Karriere wieder in Schwung zu bringen, kommt dabei aber auf dem Platz nicht vom Fleck. Dennoch kann der Weg in die profifußballerische Peripherie auch das große Glück bedeuten. Pionierarbeit leistete hierbei Thomas Broich, der 2010 nach Australien zu Brisbane Roar ging und dort sieben erfolgreiche Jahre erlebte, die im Ergebnis weit über einen bloßen Karrierewiederbelebungsversuch hinausgingen. Auf den Down-Under-Spuren Broichs wandelt jetzt ein ehemaliger HSV-Spieler.

Nicolai Müller, den es 2019 zunächst nach Sydney zog, wechselte im Sommer letzten Jahres zu den Central Coast Mariners. Dort hat er nicht nur kürzlich sein erstes Tor für den neuen Klub erzielt, der 34-Jährige kommt mit mittlerweile 45 Einsätzen in der A-League auch bereits auf die viertmeisten Einsätze eines Deutschen in der ersten australischen Liga. Bis zu Spitzenreiter Broich fehlen zwar noch einige Spiele, einfach wieder regelmäßig auflaufen zu können, ist aber schonmal etwas. Der nächste Schritt wäre dann, frei nach der Karriereplanung von Broich: ARD-Experte und „Leiter Methodik“ bei der Hertha.


Mario Götze (PSV Eindhoven)

Nachdem Götze der Welt 2014 in Rio gezeigt hatte, dass er besser ist als Messi, ging es hauptsächlich bergab. Beim FC Bayern fand er sich nie wirklich zurecht und auch das Comeback in Dortmund war, wie bei Kagawa, allein örtlich gesehen eine Rückkehr. Zurück zur alten Form fand er nie. Im Oktober 2020 folgte dann der Neustart in den Niederlanden bei der PSV Eindhoven. Der Wechsel in das Team von Roger Schmidt ist allerdings keinesfalls als ruhiger Karriereausklang im Ausland zu verstehen.

Ganz im Gegenteil: Anstatt entspannt das Profidasein auszuschleichen, schwingt der mittlerweile 29-Jährige Woche für Woche das Tanzbein und zwar auf gleich drei Hochzeiten: Die PSV steht im niederländischen Pokalfinale, in der Meisterschaft ist mit nur fünf Punkten Rückstand auf Ajax und einem Spiel in der Hinterhand noch alles möglich und auch in der Conference League ist noch ein Titel drin. Sollte das Triple gelingen, wäre Mario Götze in dieser Saison tatsächlich doch noch einmal besser als Messi.