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Niklas Levinsohn

Warum Niko Kovač jetzt der große Gewinner der Saison ist


Die Bayern sind Double-Sieger. Das ist auch der Verdienst eines Mannes, der in München nie eine faire Chance bekommen hat: Niko Kovač.

Nach zwei Jahren, in denen es für die Bayern „nur“ für die Meisterschaft gereicht hat, darf der FCB nun endlich wieder zwei Titel in einer Saison bejubeln. Der Gewinn des Doubles könnte auch für Niko Kovač eine persönliche Genugtuung sein, wenn er denn ein Typ wäre, der so denkt. Ist er aber nicht. Über die gesamte Spielzeit hinweg ist der Kroate mit Zweifeln an seiner Arbeit konfrontiert worden, die mitunter skurrile Züge angenommen haben.

„Bayern verzichten beim Adventskalender auf Bild von Kovač“, titelte etwa die ‚WELT‘ im Oktober des Vorjahres, so als ließe sich daraus ein Fingerzeig auf die Zukunft des Übungsleiters ablesen. ‚SPOX‘ berichtete erst vor einer guten Woche, dass die Entlassung des 47-Jährigen unabhängig vom Ausgang des Pokalfinales bereits beschlossene Sache sei. Nun ist besagter Pokal also nach München gewandert und alles deutet auf eine Weiterbeschäftigung von Kovač hin. Gut so.

Der Ex-Frankfurter, der in dieser Saison zum dritten Mal (!) hintereinander das Endspiel in Berlin erreicht hat, hat nämlich eindrucksvoll bewiesen, bereit für den Bayern-Job zu sein. Wie? Allem mitunter künstlich erzeugtem Gegenwind zum Trotz hat Kovač sich nicht von seinem Weg abbringen lassen. Dieser Weg ist ein Weg des Anstands und des Respekts vor seinem Gegenüber gewesen, den er oft genug vergeblich für sich selbst eingefordert hat.

„Wir müssen mehr den Menschen sehen. Nicht immer nur drüberfahren und draufhauen. Es gab mal einen Fall, da haben wir alle gesagt: Das darf nicht mehr passieren (Robert Enke, d. Red.). Es hat keine zwei Wochen gedauert und es war alles vergessen“, mahnte der Kroate erst kürzlich auf einer FCB-Pressekonferenz mehr Feingefühl im Umgang miteinander an. Er selbst ist dennoch nie unfair geworden, hat nie zurückgegiftet und heute den verdienten Lohn eingefahren.

In Form seines Namens hallte er aus dem Olympiastadion in die Berliner Nacht, hundertfach skandiert von den mitgereisten Fans des Rekordmeisters. Als Kovač zu ihnen in die Kurve kam, stimmte er keine großspurigen Gesänge an, sondern sagte er an erster Stelle „Danke“. Diese Demut brachte er auch mit vor die Mikrofone der ‚ARD‘, wo er sogar an diesem Abend mit Fragen nach seiner Zukunft konfrontiert wurde.

„Ich nehme mich da raus. Ich bin nur ein Teil des Teams“, ließ Kovač aber gar nicht erst zu, dass der Triumph seiner Mannschaft im Nachgang auf die Diskussion um seine Person reduziert wurde. In einem Klub, der naturgemäß im Kader sowie in der Führungsebene üppig mit großen Egos bestückt ist, ist jemand, der sich selbst zurücknehmen kann, ohne dabei an Erfolg oder Führungspersönlichkeit einzubüßen, vielleicht genau der richtige Trainer. Dieser Trainer heißt Niko Kovač.