Warum die Klatsche gegen Hoffenheim ein Warnschuss für die Bayern ist

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Niklas Levinsohn

Artikelbild: Warum die Klatsche gegen Hoffenheim ein Warnschuss für die Bayern ist

Aus Sicht der Bayern bzw. ihrer Fans ist es natürlich noch viel zu früh für Panikmodus. Aber der Rekordmeister muss auf die 1:4-Niederlage gegen Hoffenheim reagieren.

Fußballspiele, sofern sie zum Ligabetrieb gehören, kennen drei mögliche Ergebnisse: Sieg, Unentschieden, Niederlage. Die letzte und unliebsamste dieser drei Möglichkeiten existierte womöglich schon gar nicht mehr im Münchner Kollektivgedächtnis. Nun ist sie wieder eingetreten. Der FC Bayern hat mit 4:1 bei der TSG in Sinsheim verloren. Für das Team von Hansi Flick die erste Niederlage in der Bundesliga seit dem 7. Dezember des Vorjahres als man 2:1 in Mönchengladbach verlor.

Spott und Häme sind natürlich vollkommen unangebracht. Vielmehr gilt es, die irrsinnig guten und vor allem konstanten Leistungen in der Liga im vergangenen Dreivierteljahr zu würdigen. Was die Bayern sich allerdings gefallen lassen müssen, ist ein mahnend in Richtung Kaderbreite gehobener Zeigefinger. Das heutige Spiel hat gezeigt, dass es den Münchnern an Winterspeck fehlt, um im Sinne der eigenen Ansprüche durch die kalte Jahreszeit zu kommen.

Wer unter anderem mit Thiago, Ivan Perišić und Philippe Coutinho zwar nicht ausnahmslos Stammspieler, aber zumindest ausnahmslos Qualität und Erfahrung abgibt, der muss diesen Verlust auch irgendwie kompensieren. Leroy Sané war ein guter Anfang, Tanguy Kouassi eine gute Investition in die Zukunft. Bloß im Kader der Bayern klaffen immer noch Lücken, die bis zum 5. Oktober dringend geschlossen werden müssen.

Denn die Mannschaft geht, das war heute deutlich zu sehen, auf dem Zahnfleisch. „Wir haben nicht mehr wirklich gefeiert, wir waren alle zu kaputt von den 120 Minuten“, hatte Lewandowski schon nach dem Sieg im Super Cup gegenüber der ‚Sport Bild‘ zugegeben, dass die Tanks leer sind. Der Pole nahm gegen Hoffenheim wie Leon Goretzka zunächst auf der Bank Platz. Spieler wie Serge Gnabry oder Benjamin Pavard hatten weniger Glück, wirkten in ihren Aktionen oft schlapp und im Kopf langsam.

Dabei hat der Höllenritt gerade erst begonnen. Parallel zum Bundesliga-Alltag wird zwischen dem 20. Oktober und dem 9. Dezember die gesamte Gruppenphase der Champions League abgewickelt. Den Bayern steht wie vielen anderen Topteams auch eine der härtesten Saisons aller Zeiten ins Haus. Was die Bayern von vielen anderen Topteams unterscheidet: Flicks Höhenflieger haben quasi nahtlos an die neue Spielzeit angeknüpft. Kein Monat verging zwischen CL-Finale und Bundesliga-Start.

Das kann man dem Klub kaum vorwerfen. Umso verwerflicher wäre es dafür, sehenden Auges in die Katastrophe zu steuern. Es braucht dringend neue Gesichter im Team des FC Bayern. Plural: Einer für die Mitte, ein Allrounder für den Angriff und ein Mann für die defensiven Außenbahnen. Dass der Rekordmeister den Poker um Ajax-Juwel Sergiño Dest offensichtlich verloren hat, ist schon mal kein gutes Zeichen.

Noch bleiben Hasan Salihamidžić aber ein paar Tage, um aus dem Warnschuss in Sinsheim die richtigen Schlüsse zu ziehen. Sollte das dem Kaderplaner des FCB nicht gelingen, wirft er eine historische Chance weg. Denn im Kern hat der FC Bayern immer noch ein Team beisammen, das auch in diesem Jahr jeden verfügbaren Titel gewinnen kann. Nur nützt die beste Ansammlung von Ausnahmekönnern nichts, wenn diese in drei Monaten ausnahmslos ausgebrannt sind.