Vorschau Ligue 1 – Teil 2: Marseille, Stade Rennais, FC Lorient, Stade Brest | OneFootball

Vorschau Ligue 1 – Teil 2: Marseille, Stade Rennais, FC Lorient, Stade Brest

Logo: 90PLUS

90PLUS

Am Wochenende des 6. August startet die französische Ligue 1 als erste der fünf Topligen in die neue Saison. Im zweiten Teil unserer großen Saisonvorschau beschäftigen wir uns mit Olympique Marseille, Stade Rennais, dem FC Lorient und Stade Brest.

  • Marseille im Umbruch
  • Rennes setzt auf Konstanz
  • Lorient und Brest wollen die Klasse halten

Olympique Marseille (letzte Ligue-1-Saison: 5. Platz)

Olympique Marseille startete mit großen Ambitionen in die zweite Spielzeit von Trainer André Villas-Boas (43). Der Vizemeister spielte strukturierten Fußball, wollte diesen Weg weitergehen. Dass OM jedoch noch nicht wie ein Spitzenklub auftrat, konnte man insbesondere in der Champions League beobachten. Hinter Man City, dem FC Porto und Olympiakos Piräus wurden die Franzosen mit lediglich drei Punkten Tabellenletzter. In der Ligue 1 lief es für die Mannen von Villas-Boas deutlich besser. Nach einem etwas holprigen Start mit neun Punkten aus den ersten sechs Ligaspielen stabilisierte sich OM. Bis Mitte Dezember musste der Klub aus der Hafenstadt lediglich gegen Aufsteiger RC Lens (0:1) Punkte abgeben. Nur weil die Marseillais aufgrund zahlreicher Coronafälle weniger Partien als die Konkurrenz absolvierte, grüßte OM zu diesem Zeitpunkt nicht von der Tabellenspitze.

Obwohl sein Team zwischenzeitlich im Meisterschaftskampf eine Rolle spielte, war Villas-Boas alles andere als zufrieden. Das hatte insbesondere was mit der Vereinsführung zu tun. Der Tropf, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat, war die Verpflichtung von Olivier Ntcham (25), der für die Rückrunde von Celtic ausgeliehen wurde. Der OM-Trainer wollte den Mittelfeldspieler nicht verpflichten, war mit dieser Entscheidung überhaupt nicht einverstanden und reichte seinen Rücktritt ein. Auf einer bemerkenswerten Pressekonferenz kritisierte er die sportliche Führung immens, das Verhältnis zwischen Klub und Trainer war endgültig zerrüttet. Auch die Ergebnisse stimmten in den letzten Wochen nicht mehr.

Nasser Larguet (62) übernahm OM übergangsweise, weil Jorge Sampaoli (61) zunächst die Saison mit Atlético Mineiro beenden wollte. Anschließend führte dieser den Klub noch in die Europa League.

Sampaoli baut Marseille um

Seitdem der Argentinier verantwortlich für das Team ist, herrscht ein anderer Wind in Südfrankreich. Der 61-Jährige hat das unter Villas-Boas oftmals pragmatische OM deutlich offensiver ausgerichtet. Sampaoli setzt zwar auf eine Dreierkette, aber diese dient lediglich zur Absicherung. Marseille will den Ball haben, presst die Gegner aggressiv und gewinnt lieber mit 3:2 als mit 1:0. Der OM-Coach will, dass seine Spieler mutig auftreten, jeder Verantwortung übernimmt und weiß, welche Aufgaben er auf dem Platz zu erfüllen hat. Es ist ein spielerischer Umbruch, der trotz der Eingewöhnung in der vergangenen Saison noch nicht vollends abgeschlossen ist.

Das liegt auch daran, dass Marseille auch einen personellen Umbruch vorantreibt. Unter anderem Florian Thauvin (28, Tigres UANL), Pol Lirola (23, nach Leihe zurück zur Fiorentina), Yuto Nagatomo (34, noch offen), Hiroki Sakai (31, Urawa Reds), Michaël Cuisance (21, nach Leihe zurück zum FC Bayern München) und Valére Germain (31, noch offen) haben den Verein verlassen. Von der Hertha kehrte indes der verliehene Nemanja Radonjiic (25) zurück und auch Keeper Ahmadou Dia (21) ist nach seiner Leihe beim FC Dordrecht wieder in Marseille angekommen.

Zahlreiche Neuzugänge

OM hat dazu selber einige Leihdeals eingefädelt. Vom FC Arsenal kommen Innenverteidiger William Saliba (20) und Mittelfeldspieler Mattéo Guendouzi (22), der zuletzt für die Alte Dame aus Berlin spielte. Auch in der italienischen Hauptstadt bediente sich Marseille. Von der Roma kommen Keeper Pau López (26) und Flügelstürmer Cengiz Ünder (23). Beim türkischen Nationalspieler greifen bei der Erfüllung bestimmter sportlicher Ziele eine Kaufpflicht in Höhe von 8,4 Millionen Euro. Während sich der 23-Jährige als Rechtsaußen wohlfühlt, kommt Konrad de la Fuente (19) gerne über den linken Flügel. Für drei Millionen Euro verpflichtete OM ihn vom FC Barcelona. Dem OGC Nizza hat man mit Salim Ben Seghier (18) und Bilal Nadir (17) dazu zwei Talente aus der Jugend ablösefrei abgeluchst.

Marseille hat sich allerdings nicht ausschließlich auf den europäischen Markt konzentriert, sondern auch den Transfermarkt in Südamerika genauer beobachtet. Für 4,5 Millionen Euro kommt Innenverteidiger Luan Peres (26) vom FC Santos und für 25 Millionen Euro schließt sich auch Gerson (24) den Franzosen an. Zuletzt spielte der Mittelfeldspieler für Flamengo. Zuvor probierte er sich drei Jahre lang in der Serie A bei der Roma und Fiorentina aus. Nun folgt der zweite Anlauf in Europa. Dazu kommt noch die feste Verpflichtung des Argentiniers Leonardo Balerdi (22) für elf Millionen Euro, der zuvor von Borussia Dortmund ausgeliehen war.

Photo by Frederic Chambert Panoramic via Imago

Player to watch: Gerson

Die Zusammenarbeit zwischen Sampaoli und Gerson könnte zu einem der spannendsten Projekte der kommenden Saison werden. Der 24-Jährige verfügt über eine sehr saubere Ballführung und seine Technik ist extrem stark. Er behält auch unter großem Druck seine Ruhe, wirkt stets souverän, solange er den Ball hat. Er kann auch mal paar Gegenspieler stehen lassen und behält dann oft auch noch das Auge für seine Mitspieler. Ein großes Fragezeichen bleibt sein Defensivverhalten, was seinen ersten Anlauf in Europa überschattete. Sollte Sampaoli Gerson defensiv weiterentwickeln dürfte er auf Anhieb zu den besten Spielern der Ligue 1 gehören, so wie er es zuletzt in Brasilien war. Er bringt ansonsten alles mit, um es auf dem allerhöchsten Niveau zu packen. Gerson kann für Marseille den Unterschied machen, noch bleiben allerdings Restzweifel bestehen.

Prognose

Marseille hat einen Weg eingeschlagen, der spannend zu beobachten sein dürfte. OM könnte für einige Überraschungen sorgen, muss sich allerdings noch finden. Unter Umständen könnte es zur Champions-League-Qualifikation reichen, die Europa League sollte mit Sampaoli und diesem Kader auf jeden Fall möglich sein.

FC Stade Rennais (letzte Saison: 6. Platz)

Nachdem Stade Rennais die abgebrochene Spielzeit 2019/20 auf dem dritten Platz abschloss, durfte der Klub aus der Hauptstadt der Bretagne zum ersten Mal in der Vereinshistorie an der UEFA Champions League teilnehmen. Für die Mannschaft von Julien Stéphan (40) ein Riesenerfolg, doch die Spiele in der Königsklasse entwickelten sich zu einem Ärgernis für Rennes. In der Gruppe mit dem späteren Sieger FC Chelsea, dem FC Sevilla und Krasnodar belegten die Franzosen den letzten Platz. Am ersten Spieltag holte der Klub einen Punkt im Heimspiel gegen den russischen Vertreter, die restlichen Partien verlor Rennes allesamt. Mitunter waren die Auftritte eigentlich recht gut, aber die fehlende Erfahrung machte sich in vielen Partien bemerkbar.

Dazu kommt, dass dem Team nach einem tollen Saisonstart inklusive der Tabellenführung mit der zusätzlichen Belastung ein wenig die Luft ausging. Zwischen Ende September und Mitte Dezember konnten die Bretonen lediglich einen Sieg einfahren und stürzten ins Mittelfeld der Ligue 1 ab. Es war ein Fingerzeig für die Fans des Klub, wie die Spielzeit aussehen könnte. Die Saison glich einer Achterbahnfahrt. Nach einer Serie von sieben Spielen ohne Niederlage und dem Annähern an die europäischen Plätze, folgte die nächste Krise. Sieben Spiele und nur zwei Punkte waren eine viel zu geringe Ausbeute für die ambitionierten Bretonen. Stéphan übernahm die Verantwortung und trat letztendlich zurück. Nach einer weiteren Niederlage gegen Olympique Lyon (0:1) unter Interimstrainer Philippe Bizeul übernahm der langjährige OL-Cheftrainer Bruno Génésio (54). Unter seiner Führung qualifizierte sich Rennes am letzten Spieltag noch für die neue UEFA Europa Conference League.

Photo by FEP Panoramic via Imago

Badé der Königstransfer

Rennes hat angedeutet, dass es das Potenzial hat, erneut in die Königsklasse einzuziehen und mit den Topteams der Ligue 1 mithalten kann. Jetzt muss die Génésio-Elf noch die nötige Konstanz finden, um sich auch in der Spitzengruppe festzusetzen. Was braucht es dafür? Die Verantwortlichen haben bislang zwei große Transfers getätigt, um die Mannschaft zu verstärken. Beide Spieler sollen möglichst zeitnah zu Leistungsträgern werden. Als erstes wäre da Loïc Badé (21) von RC Lens zu nennen. Der Innenverteidiger erlebte eine äußerst starke Debütsaison in der Ligue 1. Er sorgte für Stabilität in der Defensive des Aufsteigers und verfügt über ein sehr vielversprechendes Profil. Badé ein großgewachsener Spieler, der eine beeindruckende Physis besitzt. Darauf verlässt er sich allerdings nicht ausschließlich.

Sein Positionsspiel ist vorbildlich und seine Technik am Ball ist gut, sodass Génésio in der Spielereröffnung eine neue und wichtige Option bekommt. Badé dribbelt gerne bis ins Mittelfeld an und hat dann noch das Auge für seine Mitspieler. 17 Millionen Euro war der Innenverteidiger Rennes wert. Das könnte auch etwas mit Supertalent Eduardo Camavinga (18) zu tun haben. Der Ausnahmespieler könnte Rennes in diesem Sommer verlassen und eine große Lücke hinterlassen. Bereits weg ist Steven Nzonzi (32), dessen Leihe auslief. Der Spielaufbau des Teams dürfte darunter leiden. Badé könnte dann helfen, das Ballbesitzspiel auf einem hohen Niveau zu halten. Außerdem ersetzt er den ehemaligen Kapitän Damien Da Silva (33), der sich ablösefrei OL anschloss. Gehen könnte darüber hinaus auch noch Linksverteidiger Faitout Maouassa (23), der mit Gladbach in Verbindung gebracht wird. Mit Birger Meling (26) wurde sein Nachfolger auch schon bereits verpflichtet.

Zu wenige Tore von Rennes

Dann wäre da noch das Problem mit der fehlenden Torgefahr. Lediglich 52 Treffer erzielten die Bretonen. Es ist der schlechteste Wert unter den besten acht Teams der Ligue 1. Toptorschütze ist Serhou Guirassy (25), den man in Deutschland noch aus seiner Zeit beim 1. FC Köln kennen könnte. Er erzielte in 27 Ligaspielen zehn Tore. Für einen Klub, der in das europäische Geschäft einziehen will, ist das eine enttäuschende Zahl. Rekordneuzugang Jérémy Doku (19), der bei der EM mit Belgien auf sich aufmerksam machen konnte, sollte eigentlich ebenfalls für Gefahr sorgen, aber zwei Tore und drei Vorlagen in 30 Spielen sind ebenfalls eine magere Ausbeute. Der belgische Nationalspieler muss nun den nächsten Schritt gehen und seine Effizienz steigern.

Player to watch: Kamaldeen Sulemana

Unterstützung bekommt Doku nun vom 19-jährigen Kamaldeen Sulemana, der für 15 Millionen Euro vom FC Nordjaelland kam. Der Offensivakteur stand eigentlich kurz vor einem Wechsel zu Ajax, bevor Rennes sich seine Dienste noch schnell sicherte. Sulemana bringt hohes Tempo mit und ist vor dem Tor noch einmal souveräner als Doku. Er kann auf beiden Seiten als Flügelspieler zum Zug kommen, aber auch im Sturmzentrum auflaufen. Dadurch wird Doku entlastet und es kommt deutlich mehr Variabilität ins Spiel der Franzosen. Der Überraschungseffekt dürfte deutlich größer sein. Sulemana besitzt spannende Anlagen und mit seinem Dribbling, Zug zum Tor und auch seiner Geschwindigkeit könnte er das Angriffsspiel auf ein neues Niveau heben.

Photo by Gonzales Photo Dejan Obretkovic via Imago

Prognose

Sollte Camavinga bleiben, könnte Rennes auf die Champions-League-Ränge spekulieren. Bei einem Abgang dürfte es für die Génésio zumindest für die Europa League reichen. Das Team wurde punktuell verstärkt, es fehlte zuletzt nur an Konstanz, die der Trainer schon implementieren wird.

FC Lorient (letzte Ligue-1-Saison: 16. Platz)

Der erste Schritt war erfolgreich. Der FC Lorient ist am Ende der abgebrochenen Ligue-2-Saison 2019/20 in die erste Liga aufgestiegen. Man war gespannt, wie sich die Mannschaft von Christophe Pélissier (55) in der Ligue 1 schlagen wird. Es folgte ein ernüchternder Start für les Merlus. Der Klub aus der Bretagne hatte zu Beginn der Spielzeit 2020/21 mit der Anpassung an das höhere Niveau in der Liga zu kämpfen. In der Offensive konnte der Aufsteiger zwar überzeugen, aber das schwache Verhalten in der Defensive kostete Lorient zu viele Punkte. Der Klub war in den entscheidenden Momenten zu instabil, um aus den eigentlich ansehnlichen Anlagen mehr Kapital zu schlagen. Kam es zu ebenbürtigen Duellen, musste die Pélissier-Elf regelmäßig wegen Unkonzentriertheiten den Kürzeren ziehen.

Dementsprechend landete Lorient schnell im Tabellenkeller und musste monatelang um den Klassenerhalt bangen. Erst Ende Januar konnten die Fans Verbesserung erkennen. Ein Sieg gegen den direkten Konkurrenten Dijon (3:2) und ein sensationeller Überraschungserfolg gegen den absoluten Topfavoriten Paris Saint-Germain sorgten für einen Wendepunkt in dieser kräfteraubenden Saison. Les Merlus verloren ab diesem Zeitpunkt nur noch vier Spiele. Diese Niederlagen waren allerdings keine riesigen Rückschläge, auch wenn es immer mindestens drei Gegentreffer gab. Alle Gegner befanden sich zum jeweiligen Zeitpunkt unter den besten sechs Teams der Ligue 1. Am letzten Spieltag konnte nach einem 1:1 in Straßburg der Klassenerhalt gefeiert werden.

Lorient hat zur Stabilität gefunden

Betrachtet man die Hin- und Rückrundentabelle, wird erst klar, wie groß der Leistungsunterschied des Aufsteigers war. Nach zwölf Punkten und dem vorletzten Platz in der ersten Saisonhälfte folgten überragende 30 Punkte im zweiten Abschnitt der Spielzeit. Lediglich die AS Monaco, Meister OSC Lille, die Startruppe aus Paris sowie Olympique Lyon konnten mehr Punkte in diesem Zeitraum holen. Diese Leistungssteigerung ist ein Verdienst von Pélissier, der seiner Mannschaft mit einem defensiveren Ansatz Stabilität verleihen konnte.

Lange Zeit setzte der 55-Jährige auf eine Viererkette in unterschiedlichen Variationen. Doch die Defensive präsentierte sich viel zu anfällig. Die Abstände waren zu groß, zu oft fanden sich Pélissiers Mannen in Einzelduelle wieder, von denen sie wiederum zu viele verloren. Die Balance stimmte schlichtweg nicht. In der Rückwärtsbewegung funktionierten die simpelsten Abläufe ebenfalls nicht reibungslos, sodass sich Lorient zu oft gefährlichen Kontern ausgesetzt sah. Besserung brachte erst die Implementierung einer Dreierkette. Plötzlich stand der Aufsteiger deutlich gefestigter.

Photo by Federico Pestellini Panoramic via Imago

Die Außenverteidiger, die in der Regel die erfahrenen Jerome Hergault (35) und Vincent Le Goff (31) darstellten, machten das Spiel breit, standen hoch und sorgten für weitere Anspielstationen im letzten Drittel. Ihr Positionsspiel war essenziell für den Erfolg Lorients. Die Konterabsicherung wurde nach der Umstellung auf die Dreier- bzw. Fünferkette wesentlich besser und auch das Offensivspiel konnte von dieser Anpassung profitieren. Der Klub aus der Bretagne spielte wesentlich zielstrebiger und kam deutlich öfter zu Abschlüssen aus guter Position. Lorient entwickelte sich zu einer mehr als soliden Kontermannschaft.

Für die kommende Saison müsste der Klub in der Defensive noch ein paar clevere Transfers tätigen, um auf der sicheren Seite zu stehen. Mit Igor Silva (24) kam bislang ein Rechtsverteidiger in die Hafenstadt. Im Mittelfeld würde ein ballsicherer Sechser dem Kader ebenfalls gut zu Gesicht stehen. In der zweiten Spielzeit im französischen Oberhaus müssen auch im Ballbesitzspiel noch weitere gute Ansätze folgen. Der Überraschungseffekt nach der Systemumstellung im Januar ist weg.

Player to watch: Terem Moffi

Die Offensive ist das Prunkstück der Bretonen. Linksaußen Yoane Wissa (24, zehn Tore, fünf Vorlagen) und Stürmer Terem Moffi (22, 14 Tore, drei Vorlagen) stechen dabei insbesondere hervor. Letzterer hat in seiner ersten Ligue-1-Saison einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Der Nigerianer verfügt über eine gute Physis und schafft es, lange Bälle festzumachen. Die notwendige Spielübersicht und Technik, um daraufhin auch seine Mitspieler einzusetzen, hat er ebenfalls.

Diese Fähigkeiten kombiniert mit seinem hohen Tempo macht ihn zu einem spannenden Spieler, nur an seiner Effektivität muss er noch arbeiten. Er hat alle Anlagen, um ein international angesehener Stürmer zu werden, braucht dafür allerdings noch die gewisse Kaltschnäuzigkeit. Entwickelt er sich so gut weiter, wie zuletzt, dürfte es seine letzte Saison in der Hafenstadt gewesen sein.

Photo by FEP Panoramic via Imago

Prognose

Lorient musste bislang keine schwerwiegenden Abgänge verkraften und darf auf die starke Rückrunde aufbauen. Spielt die Pélissier-Elf von Anfang an konstant und zeigt, dass sie auch abseits des Konterspiels Gefahr erzeugen kann, darf man mit einem gesicherten Mittelfeldplatz rechnen. In akute Abstiegsgefahr sollte Lorient nicht geraten. Da sind einige andere Teams deutlich schwächer aufgestellt in diesem Jahr.

Stade Brest (letzte Ligue-1-Saison: 17. Platz)

Für Stade Brest war die Spielzeit 2020/21 die bekannte schwierige zweite Saison nach der Rückkehr in die Ligue 1. Viele Teams tun sich schwer, können ihre Gegner nicht mehr überraschen und die Aufstiegseuphorie ist ebenfalls weg. Die Mannschaft von Trainer Olivier Dall’Oglio (57) musste den Abgang von Ibrahima Diallo (22) verkraften, den es zum FC Southampton in die Premier League zog. Der Kader wurde leicht umstrukturiert und erlebte zunächst eine wechselhafte Saison. Teils deutliche Niederlagenserien wurden immer wieder von erfolgreichen Zwischensprints unterbrochen. Der offensive Ansatz der „Piraten“ sorgte immer wieder für Wirbel in der Liga. Siege gegen den späteren Meister OSC Lille (3:2), die AS Monaco (1:0) oder auch das Unentschieden gegen Olympique Lion (2:2) unterstrichen, dass mit Brest zu rechnen war. An guten Tagen konnte die Dall’Oglio-Elf für jedes Team eine Gefahr darstellen.

Im Laufe der Saison ließen die starken Leistungen allerdings stark nach. Immer tiefer rutschte der mutige Underdog in den Abstiegskampf. Nach 26 Punkten in der Hinrunde konnte sich Brest in der Rückrunde nur noch 15 Zähler sichern, der drittschlechteste Werte in der Ligue 1. Zum Saisonende stand der Klub auf Rang 17, nur einen Punkt vor dem FC Nantes, der in die Relegation musste. Die Bretonen kamen mit einem blauen Auge davon.

In der kommenden Saison geht es ohne den alten Trainer weiter. Dall’Oglio tauschte mit Michel Der Zakarian (58) die Klubs. Der Armenier verließ nach vier Jahren Ligakonkurrenten Montpellier HSC und steht nun an der Seitenlinie des Hafenstadtklubs. Das einzige Ziel wird nach wie vor der Klassenerhalt bleiben. Der Zakarian versteht es seine Teams diszipliniert und ergebnisorientiert spielen zu lassen. Montpellier hat er über die Jahre stabilisiert bekommen und genau das soll er jetzt auch mit Stade Brest schaffen.

Photo by Norbert Scanella PanoramiC via Imago

In der Offensive einige Optionen

Dabei muss er ohne Romain Perraud (23) auskommen, der den Schritt in die Premier League zum FC Southampton wagte. Der Linksverteidiger entwickelte sich in den letzten Jahren hervorragend. Sein Abgang wird sowohl defensiv als auch offensiv weh tun. Neuzugang Jere Uronen (27), der vom KRC Genk kommt und mit Finnland an der Europameisterschaft teilgenommen hat, ist ein solider Nachfolger, aber wesentlich gezügelter. Offensivstar Romain Faivre (23) könnte ebenfalls noch vor dem Ende des Transferfensters den Klub verlassen. Der französische U21-Nationalspieler gehört zu den spannendsten und vielversprechendsten Akteuren des Kaders.

Der Zakarian wird im Angriff wohl vor allem auf Mittelstürmer Steve Mounié (26) und Rechtsaußen Franck Honorat (24) setzen. Die beiden konnten in ihrer Debütsaison überzeugen, waren Aktivposten und sorgten regelmäßig für Gefahr. Mounié und Honoraten waren in der Liga jeweils an 13 Toren direkt beteiligt. Dazu kann er sich mit Irvin Cardona (23, acht Tore) und Gaëtan Charbonnier (32, sechs Tore) auf zwei weitere Stürmer verlassen, die ohne Probleme in die Mannschaft rotiert werden. Was der Mannschaft fehlt, sind kreative Impulse aus dem Mittelfeld. Die Verbindung zwischen der Defensive und Offensive ist nicht ideal. Auf dem Transfermarkt wird sich noch etwas tun, aber es wird noch dauern, bis Bewegung in den Kader kommt.

Player to Watch: Lilian Brassier

Das größte Problem der Mannschaft ist die wackelige Verteidigung. Das Offensivspiel ist ohne jede Frage erstklassig, doch das schwache Defensivverhalten ließ Brest in der vergangenen Saison zittern und auch in den Vorbereitungsspielen ist dies erneut zu beobachten. Abhilfe soll Lilian Brassier (21) verschaffen. Der Innenverteidiger wurde bereits in der vergangenen Spielzeit von Stade Rennes ausgeliehen, nach lediglich elf Ligaspielen wurde er für zwei Millionen Euro fest verpflichtet.

Brassier kam vermehrt in der Rückrunde zum Einsatz und konnte die Verantwortlichen von sich überzeugen. Der 21-Jährige ist für sein Alter recht ruhig und abgeklärt, bringt tolle Anlagen mit und könnte in der Zukunft zum Abwehrchef der Bretonen werden. Die nächste Saison soll dafür zum Grundstein werden.

Prognose

Es wird wichtig, gut in die Saison zu starten und zeitnah noch einige Transfer fest zu machen. Stade Brest erwartet ein harte Saison, aber Michel Der Zakarian hat mehrfach bewiesen, dass er instabile Mannschaften auf den richtigen Weg führen kann. Dies wird ihm auch in Brest gelingen. Es wird knapp zum Klassenerhalt reichen.

Photo by Frederic Chambert Panoramic via Imago

Impressum des Publishers ansehen