Vorschau Ligue 1 – Teil 1: Olympique Lyon, Bordeaux, RC Lens, RC Strasbourg | OneFootball

Vorschau Ligue 1 – Teil 1: Olympique Lyon, Bordeaux, RC Lens, RC Strasbourg

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Am Wochenende des 6. August startet die französische Ligue 1 als erste der fünf Topligen in die neue Saison. Im ersten Teil unserer großen Vorschau zur Ligue 1 beschäftigen wir uns mit Olympique Lyon, Girondins Bordeaux, dem RC Lens und RC Strasbourg.

  • Olympique Lyon: Großangriff in Richtung Champions League
  • Girondins Bordeaux: Zwangsabstieg abgewendet
  • RC Lens mit einigen Veränderungen

Olympique Lyon (letzte Saison: 4. Platz)

Am Ende der Saison 2020/21 konnte bei Olympique Lyon niemand richtig zufrieden sein. Lange waren „Les Gones“ Teil eines extrem spannenden Vierkampfs um die französische Meisterschaft. Schlussendlich war OL aber die Mannschaft, die im Kampf um die vorderen drei Plätze das Nachsehen hatte und sich mit der Europa League begnügen musste. Dem Team fehlte unter Trainer Rudi Garcia (57) in den entscheidenden Phasen der Saison die nötige Konstanz, einige Topspiele konnten nicht siegreich bestritten werden. Nach einer 2:3-Heimniederlage gegen Nizza am letzten Spieltag fehlten am Ende zwei Punkte auf die AS Monaco und den dritten Platz, Meister Lille war in der Abschlusstabelle sieben Zähler entfernt. Mit einem neuen Trainer an der Seitenlinie, dem Niederländer Peter Bosz (57), soll in der kommenden Saison angegriffen werden.

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Der Transfersommer von Olympique Lyon

Sehr viel Bewegung gab es trotz des neuen Trainers bei Olympique Lyon noch nicht. Der prominenteste Abgang ist Memphis Depay (27), den es zum FC Barcelona zog. Youngster Yahya Soumaré (21) wechselte per Leihe nach Dijon, der junge Linksverteidiger Melvin Bard (20) für rund drei Millionen Euro nach Nizza. Joachim Andersen (25) zieht es zudem zu Crystal Palace. Auf der Zugangsseite blieb es auch weitgehend ruhig. Einige Leihspieler, darunter Jeff Reine-Adelaide (23) und Moussa Dembele (24), kehrten zurück. Dazu kann einige Spieler aus der eigenen Jugend zur ersten Mannschaft. Die prominentesten Neuverpflichtungen sind Henrique (27, Vasco da Gama) und der erfahrene Innenverteidiger Damien da Silva (33, Stade Rennais), die beide ablösefrei nach Lyon wechselten.

Das Depay-Vakuum und einige Fragezeichen

Der Kader von Olympique Lyon ist vor allem durch die vielen jungen Spieler, bei denen noch nicht genau klar ist, welche Rolle sie spielen können, relativ groß. Einige Positionen, darunter das Tor und das Mittelfeld, sind bereits sehr ordentlich besetzt. Im Defensivbereich dürfte noch ein neuer Rechtsverteidiger verpflichtet werden, sofern Malo Gusto (18) noch Zeit benötigt, sich zu entwickeln. In der Innenverteidigung dürfte auf den Andersen-Abgang noch reagiert werden, gleichermaßen sollte der talentierte Sinaly Diomandé (20) mehr Spielpraxis erhalten. Wie es im Mittelfeld weitergeht, hängt maßgeblich mit der Zukunft von Houssem Aouar (23) zusammen. Mehrere Klubs sind interessiert, diesen Spielertypen können Les Gones nicht intern ersetzen.

Gleiches gilt für Depay in der Offensive. Karl Toko Ekambi (28) und Tino Kadewere (25) erzielten zwar zusammen 24 Tore in der Ligue 1, sie profitierten aber auch vom Niederländer, der neben seinen eigenen Toren und Vorlagen auch häufig Angriffe aus der Tiefe initiiert und im letzten Drittel Spieler gebunden hat. Zwar ist durch die Leihrückkehrer noch immer viel Qualität vorhanden, für das typische Bosz-System, also das 4-3-3, wäre ein weiterer schneller Flügelspieler sinnvoll. Abschlussstürmer sind indes vorhanden, auch technisch versierte Kreativspieler finden sich im Kader.

Ein essenzieller Bestandteil des 4-3-3 ist ein möglichst homogenes Mittelfeld. Aktuell findet sich dieses definitiv bei OL. Thiago Mendes (29) ist ein guter „6er“, mit Aouar ist Dynamik und Technik vorhanden, während Maxence Caqueret (21) ein sehr laufstarker, unangenehmer Spieler im Mittelfeld ist. Lucas Paqueta (23) bringt überdies Spielmacherqualitäten ein. Und sobald Reine-Adelaide nach seinem Kreuzbandriss wieder genesen ist, bietet sich für Lyon eine weitere Option. Denn der 23-Jährige ist flexibel einsetzbar, kann im Dreiermittelfeld genauso spielen wie als Teil eines Offensivtrios.

Player to Watch: Rayan Cherki

Dass der junge Offensivspieler Rayan Cherki noch immer erst 17 Jahre alt ist, muss man sich noch einmal deutlich vor Augen führen. Sein Debüt in der Ligue 1 feierte der technisch begabte Youngster schon im Oktober 2019 mit gerade einmal 16 Jahren. Seitdem ist viel Zeit vergangen und Cherki hat sich in vielen Bereichen seines Spiels weiterentwickelt. 2020/21 war dennoch keine ganz einfache Saison für ihn, nur knapp 1000 Pflichtspielminuten bei den Profis konnte Cherki sammeln.

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In der neuen Saison könnte sich allerdings einiges ändern. Einerseits ist Bosz ein Trainer, der junge Spieler durchaus fördert. Andererseits ist Cherki weiter gereift, hat eine „ruhige“ und komplette Saisonvorbereitung zur Verfügung und die Lücke, die Memphis hinterlassen hat, könnte ihm zudem helfen. Cherki hat das Talent, um zu einem absoluten Topspieler heranzureifen. Seine Technik ist brillant, sein Dribbling sehr gut und kreative Elemente finden sich ebenfalls in seinem Spiel. Wird er noch konstanter, dann ist er ein sehr heißer Kandidat für regelmäßige Einsätze und eine tragende Rolle.

Olympique Lyon 2021/22: Prognose

Der Kader ist noch ideal, aber gut besetzt. Kann Bosz seinen typischen, anspruchsvollen Offensivfußball schnell vermitteln, könnte Olympique Lyon in der neuen Saison zu einer sehr spannenden Mannschaft werden. Ein Platz unter den besten drei Teams der Liga ist definitiv möglich, zu viele Ausrutscher darf sich die Mannschaft aber nicht erlauben.

Girondins Bordeaux (Letzte Saison: 12. Platz)

Die Girondins aus Bordeaux, ein Traditionsverein in Frankreich, spielte eine durchwachsene Saison 2020/21. Auf dem zwölften Platz landete das Team am Ende, das war aber noch nicht das größte Problem in diesem Sommer. Denn einige französische Klubs traf die Pandemie in Verbindung mit den Problemen durch ausbleibende Zahlungen bei den TV-Rechten besonders hat. Bordeaux drohte der Zwangsabstieg aufgrund finanzieller Probleme und des Rückzugs des Investors. Erst durch Gespräche mit Gerard Lopez (57) und eine Anhörung vor dem Berufungsgericht konnte der Gang in die Ligue 2 gestoppt werden. Doch damit noch nicht genug in diesem Sommer, Trainer Jean-Louis Gasset (67) wurde nur kurz vor dem Saisonstart durch Vladimir Petkovic (57) ersetzt, der von der Schweizer Nationalmannschaft kam.

Der Transfersommer von Girondins Bordeaux

Die finanzielle Lage bei der Girondins und die Ungewissheit hatten natürlich auch Auswirkungen auf den Transfersommer. Viel Bewegung im Kader gab es nicht. Einige Spieler, darunter Youssouf Sabaly (28) oder Hatem Ben Arfa (34) verließen den Klub.

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Vor allem an Erfahrung hat der Kader etwas eingebüßt, denn auf der Zugangsseite tat sich bisher kaum etwas. Einige Leihspieler kehrten zurück, hinzu kommen drei Spieler aus der zweiten Mannschaft, die nun dem Profikader angehören. Außerdem konnte mit Issouf Sissokho (19) ein Perspektivspieler aus Mali verpflichtet werden. Eine Soforthilfe ist er aber noch nicht.

Es fehlt dem Kader an der Breite

Eine große Fluktuation im Kader herrschte also zwangsläufig nicht. Mit einigen Jugendspielern konnte das Aufgebot aufgefüllt werden, wirklich ausgewogen ist der Kader der Girondins aber nur auf wenigen Positionen. Der erfahrene Torhüter Benoit Costil (34) ist ein sicherer Rückhalt und auch in der Innenverteidigung dominieren mit Kapitän Laurent Koscielny (35) und Mexer (32) erfahrene Akteure. Die Außenverteidigerpositionen sind eher dünn besetzt, hier fehlt es definitiv noch an einem Konkurrenten für Loris Benito (29), der aktuell der einzige Linksverteidiger im Kader ist.

Das Schmuckstück ist sicherlich das zentrale Mittelfeld. Otavio (27) und Toma Basic (24) bilden eine grundsolide Basis im Mittelfeld, auch Ruben Pardo (28) sowie der junge Tom Lacoux (19) bringen Qualität mit. Zudem ist mit Yacine Adli (21) ein extrem talentierter, gestalterischer Spielertyp vorhanden, der als Bindeglied zwischen dem Mittelfeld und dem Angriff fungieren kann. Das Problem liegt aber auf der Hand, in der Breite fehlt es Girondins Bordeaux an Qualität.

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Relativ interessant ist hingegen die Offensive. Mit Remi Oudin (24) und Samuel Kalu (23) stehen auf der Außenbahn zwei talentierte, technisch versierte Spieler mit viel Dynamik im Aufgebot. Hinzu kommt mit Amadou Traore (19) eine vielversprechendes Talent. Der neue Trainer Petkovic hat die Aufgabe, die guten Ansätze im Kader zu nutzen und die jungen Spieler auf ein höheres Level zu hieven. Bei der „Nati“ zeigte er, dass er die Qualität hat, ein Team zu formen. Das wird in Bordeaux besonders gefragt sein.

Player to Watch: Tom Lacoux

Ein Spieler, der von der fehlenden Breite im Kader profitieren kann, ist Tom Lacoux. Der 19-Jährige spielt im zentralen Mittelfeld und sammelte in der Rückrunde der Vorsaison bereits erste Erfahrungen in der Ligue 1. Noch ist er relativ unausgereift in seinem Spiel, aber die Ansätze sind sehr gut. Lacoux stand 13-mal in der Liga auf dem Platz und bestach vor allem mit einem guten und sauberen Passspiel. In der Saison 2021/22 könnte er mehr Spielzeit erhalten und zu einem wichtigeren Spieler im Kader der Girondins reifen. Allerdings muss er weiter hart an sich und seinen Schwächen arbeiten und sich vor allem im Spiel nach vorne mehr zutrauen.

Prognose

Eine sehr gute und erfolgreiche Saison von Girondins Bordeaux zu erwarten, wäre zu viel verlangt. Ein neuer Trainer, die Unruhen in der Vorbereitung auf die neue Saison und ein Kader, der zumindest zum Saisonstart noch nicht den Ansprüchen genügt, sind zu viel. Ein Platz im gesicherten Mittelfeld und die Weiterentwicklung der vielen jungen Talente ist eine realistische Zielsetzung.

RC Lens (Letzte Saison: 7. Platz)

Für den RC Lens hielt die letzte Saison viel Erfreuliches bereit. Der Klub schaffte es, als Aufsteiger einen sehr guten siebten Platz zu belegen. Grund dafür war vor allem, dass Lens sehr unangenehm zu bespielen ist. Trainer Franck Haise (50) hat die Mannschaft hervorragend entwickelt und viele einzelne Spieler weitergebracht. Das charakteristische 3-4-1-2-System von Haise bei Lens ermöglicht der Mannschaft, sowohl defensiv eine gute Ordnung zu haben, als auch offensiv mit wenigen Kontakten in Richtung Tor zu kommen. In der neuen Saison geht es für die Mannschaft darum, die viel zitierte Floskel, nach der das zweite Jahr als Aufsteiger immer besonders kompliziert ist, zu widerlegen. Und die Basis dafür ist definitiv vorhanden.

Der Transfersommer des RC Lens

Der Transfersommer des RC Lens verlief bislang nicht allzu spektakulär. Loic Badé (21) wechselte für fast 20 Millionen Euro zu Stade Rennais und sein Verlust schmerzt. Ansonsten musste der Klub keine wichtigen Spieler ziehen lassen. Die Einnahmen für Badé waren enorm wichtig, denn so konnte Gael Kakuta (30), der zuvor ausgeliehen war, für fünf Millionen Euro fest verpflichtet werden. Wuilker Farinez (23, kam für 1,5 Millionen Euro aus Kolumbien) soll im Tor den Konkurrenzkampf beleben, Deiver Machado (27, Toulouse) ist ein neuer Linksverteidiger. Darüber hinaus verpflichtete der RC Lens noch vier Spieler ablösefrei, setzt bei den Neuzugängen überwiegend auf junge Spieler.

Gute Basis, wenige Lücken im Kader

So schmerzvoll der Abgang von Badé in der Innenverteidigung auch ist, so bedeutend war er, damit der RC Lens in entsprechendem Maße handlungsfähig ist. Geschlossen werden soll die Lücke in der Innenverteidigung mit Kevin Danso (22), der Schlagzeilen schreibt, weil er sich vom FC Augsburg wegstreiken will. Derzeit befinden sich beide Klubs in Gesprächen, aber die Ablösevorstellungen gehen noch weit auseinander. Nach der sehr guten Saison im Anschluss auf den Aufstieg will sich Lens nun in der Ligue 1 etablieren und wieder für Furore sorgen.

Die Basis im Kader ist dabei durchaus solide. Der neue Torhüter Fariñez bringt Qualität mit, in der Innenverteidigung kann Facundo Medina (22), der mit der argentinischen Mannschaft im Olympiaturnier spielte, eine noch wichtigere Rolle einnehmen. Er ist ein exzellenter Verteidiger mit vielen Qualitäten. Auf der rechten Außenverteidigerposition ist Jonathan Clauss (28) ein bekannter Name. Der Franzose ist extrem gut ausbalanciert und setzt sehr viele offensive Akzente.

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Franck Haise (50), seit 2020 Trainer des Klubs, setzte in der Vorsaison häufig auf ein System mit drei Innenverteidigern. Ohne einen Badé-Ersatz gestaltet sich das allerdings schwierig, diese Baustelle sollte schnellstmöglich geschlossen werden. Im Offensivbereich könnte zudem noch ein kreativer Spieler neben Kakuta sehr hilfreich sein. Ignatius Ganago (22) ist der wohl spannendste Stürmer im Kader, war in der Vorsaison an zehn Treffern beteiligt. Er könnte den nächsten Schritt in dieser Saison machen und ein noch wichtigerer Faktor werden.

Player to Watch: Facundo Medina

Facundo Medina ist ein Spieler, der sich in dieser Saison in das Notizbuch zahlreicher großer Klubs spielen kann. Der Argentinier besticht vor allem durch sein hervorragendes, stabiles und vor allem kreatives Passspiel. Der 22-Jährige ist der beste und wichtigste Aufbauspieler in seiner Mannschaft und auf ihn richtet sich der Fokus im Spielaufbau. Beeindruckend ist vor allem die Flexibilität, mit der er das Spiel aufbaut. Flache Pässe über eine lange Strecke gehören ebenso zum Repertoire wie Wechsel auf die entgegengesetzte Seite, die er mit einer enormen Präzision spielt. Seinen Weg weiter zu beobachten, dürfte enorm spannend werden. Es ist nicht auszuschließen, dass diese Saison die letzte des Argentiniers im Trikot des RC Lens sein wird.

Prognose

Für den RC Lens steht nun die zweite Saison nach dem Aufstieg an. In der Vorsaison konnte das Team von Trainer Franck Haise nahezu unbekümmert aufspielen, phasenweise funktionierte vieles wie von alleine. In der neuen Saison wissen die Konkurrenten natürlich schon zu Beginn um die Qualitäten dieser Mannschaft und vor allem defensiv stellen sich noch ein paar Fragen. Eine Saison wie die vorige zu wiederholen, ist extrem schwierig. Einem Mittelfeldplatz steht aber aufgrund der Stabilität der Mannschaft nicht viel im Weg.

RC Strasbourg (Letzte Saison: 15. Platz)

Es war keine leichte Saison für die Elsässer, als der RC Strasbourg bis in die Schlussphase um den Klassenerhalt zittern musste. 42 Punkten reichten aber für Platz 15 in der Endtabelle und damit ist gewährleistet, dass dieses Team auch in das fünfte Jahr nacheinander in der höchsten französischen Spielklasse geht. Trainer ist aber nicht mehr Thierry Laurey (60), sondern Julien Stephan (40), der gleich einmal mit einem Vertrag über drei Jahre verpflichtet werden konnte. Zuvor war dieser bei Stade Rennais angestellt, im März trennten sich die Wege aber. Mit dem neuen Trainer wollen die Elsässer wieder einen Schritt nach vorne machen, die Zielsetzung sieht eine sorgenfreie Saison vor.

Der Transfersommer des RC Strasbourg

Bei der Betrachtung des Sommertransferfensters des RC Strasbourg fällt vor allem auf, dass den Klub gleich fünf Verteidiger verlassen haben. Dazu zählt Stefan Mitrovic (31, Getafe), aber vor allem auch Mohamed Simakan (21), der für 15 Millionen Euro zu RB Leipzig wechselte. Auch wenn Simakan in der Rückrunde verletzungsbedingt fehlte, ist sein Abgang ein Problem. In der Innenverteidigung konnte mit Lucas Perrin (22) ein talentierter Akteur aus Marseille ausgeliehen werden, ebenfalls auf Leihbasis kam Defensivspieler Jean-Eudes Aholou (27, Monaco). Eine ablösefreie Verpflichtung von Kevin Gameiro (34), dem erfahrenen Stürmer, gelang zudem. Lediglich für Karol Fila (23, Lechia Gdansk), der auf der rechten Defensivseite spielt, war eine Ablösesumme fällig.

Strasbourg muss im Defensivbereich dringend nachlegen

Zunächst fällt bei der genaueren Betrachtung des Kaders auf, dass die Defensive noch zu dünn besetzt ist. Kurz vor dem Saisonstart stehen lediglich zwei Innenverteidiger im Kader der Elsässer. In der Vorsaison spielte die Mannschaft mit einer Fünferkette, unter dem neuen Trainer, der in seiner Karriere bisher zumeist ein 4-3-3 bevorzugte, sollte sich das ändern. Dennoch besteht noch Nachholbedarf, auch wenn das vorhandene Personal mit Spielern wie Alexander Djiku (26) oder Anthony Caci (24) durchaus ordentlich ist. Fünf gestandene Verteidiger sind aber selbst für eine Viererkette deutlich zu wenig.

Hier könnten Probleme auftreten, denn im Defensivbereich sind Automatismen notwendig und diese zu generieren nimmt Zeit in Anspruch. Zeit, die so kurz vor dem Saisonstart nicht mehr vorhanden ist. Nach einer Saison 2020/21, in der lange gezittert werden musste, deutet sich auch in der neuen Saison zumindest ein holpriger Beginn an.

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Im Mittelfeld sieht die Sache indes etwas entspannter aus, was auch an Neuzugang Aholou liegt. Gemeinsam mit Ibrahima Sissoko (23) kann er im defensiven Mittelfeld für Absicherung sorgen. Im Fokus steht auch weiterhin Dimitri Liénard (33), der vor allem durch seine exzellenten Standardsituationen beeindruckt. Adrien Thomasson (27) ist zudem ein enorm wichtiger Spieler im Mittelfeld, der im 4-3-3 die gestalterische Rolle einnehmen und immer wieder in die Offensive vorstoßen kann.

Die Qualitätsdichte im Angriff ist indes relativ hoch. Neben Neuzugang Gameiro stehen mit Ludovic Ajorque (27) und Habib Diallo (26) noch zwei weitere, sehr gute Angreifer im Aufgebot. Das ermöglicht den Elsässern auch, ein System mit zwei Spitzen einzsutudieren oder einen dynamischen Spieler wie Diallo auch einmal über die Außenbahn angreifen zu lassen.

Player to Watch: Jean-Ricner Bellegarde

Ein Newcomer ist Jean-Ricner Bellegarde (23) im Kader des RC Strasbourg nicht. Mehr als 50 Spiele absolvierte der Franzose bereits in der Ligue 1, doch in dieser Saison könnte er besonders im Fokus stehen. Bellegarde zeichnet sich vor allem durch seine enorme Flexibilität aus. Er kann auf der „6“ ebenso spielen wie auf einer offensiveren Position im Mittelfeld. Zudem kann er auf der linken Seite als Verteidiger und im Mittelfeld agieren, was ihn enorm wichtig macht. Insbesondere bei einem dünnen Kader sind Spieler, die mehrere Positionen quasi ohne Qualitätsverlust abdecken können, von enormer Bedeutung. Bellegarde könnte folglich zu einem der absoluten Topspieler für die Elsässer werden.

Prognose

Auf einigen Positionen ist der RC Strasbourg bereits sehr gut besetzt, doch im Defensivbereich muss noch nachgelegt werden. Schließt der Klub auch dort die Lücken, ist es sehr gut möglich, dass frühzeitig der Klassenerhalt in trockenen Tüchern ist. Je länger es dauert, bis sich Abstimmung und Automatismen bilden können, desto schwieriger könnte die Saison verlaufen.

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