Vicky Jepsons stiller Abschied wirft Fragen auf

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Vicky Jepson war eine der wichtigsten Personen beim Liverpool FC. Ihr stiller Abgang und die fehlende Aufklärung vom Klub werfen kritische Fragen auf.

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Am 12. januar gab die Frauenabteilung des Liverpool FC bekannt, dass die Managering Vicky Jepson im gegenseitigen Einvernehmen den Klub verlassen wird. Es war eine Ankündigung, die sowohl Fans, als auch Spieler schockierte.

Jepson hatte 12 Jahre in verschiedenen Abteilungen und Positionen im Verein verbracht. Sie begann 2009 bei der LFC Foundation, arbeitete sich bald zum Manager der Frauenmannschaft hoch und übernahm die Rolle des Assistenztrainers, bevor sie schließlich im Oktober 2018 Neil Redfearn auf dem Trainerstuhl ablöste.

Es war daher keine Überraschung, dass ihre eigene Abschiedsnachricht von tiefster Traurigkeit geprägt war. In einem Statement, das sie mit „schwerem Herzen“ schrieb, beschrieb Jepson den Stolz und die Dankbarkeit, die sie gegenüber dem Verein empfand.

Viele Mitglieder der Mannschaft scheinen gespürt zu haben, dass etwas nicht stimmte. Jepson war die ersten Tage des Jahres nicht zum Training erschienen. Ihr Schweigen sorgte für große Sorge im Team und ließ die Gerüchteküche brodeln. Als die offizielle Bekanntgabe erfolgte, wussten Spieler und Presse gerade einmal etwa eine Stunde vorher Bescheid, dass Vicky den Verein verlässt.

Der Zeitpunkt des Abschieds lässt diesen in einem eigenartigen Licht erscheinen. Die Frauenmannschaft bereitete sich damals auf ein wichtiges Spiel gegen den direkten Konkurrenten im Aufstieg, Leicester City, vor. Das Spiel stellte einen Vorentscheid zum möglichen Aufstiegskampf für die Liverpool Women dar. Der Abschied ließ sich für die Spieler des Liverpool FC Women nur schwer verkraften.

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Für die Fans war dieser Abgang noch schwieriger. Sie war zum Publikumsliebling avanciert, zeigte sich nah bei den Fans, war immer erreichbar und sehr offen und direkt zur Fan-Presse. Liverpools Erklärung lautete damals es sei „Zeit für eine neue Richtung“. Allgemeiner geht es kaum.

Die 0:2-Niederlage gegen den weiteren direkten Rivalen Durham könnte eine der möglichen Gründe für die Richtung im Klub gewesen sein. Dadurch verloren die Reds wertvollen Boden im Kampf um den Aufstieg. Allerdings war diese Niederlage damals schon vier Wochen her.

Selbst einige Wochen nach ihrem Abschied gibt es immer noch keinen Ersatz für Jepson. Und es lässt sich derzeit nur vermuten, was hinter den Kulissen passiert.

Die Liverpooler Mannschaft selbst waren die ersten, die nach Antworten suchten und ein Treffen mit Susan Black, der aktuellen Geschäftsführerin der Liverpool Women und mit Billy Hogan, dem Geschäftsführer des Liverpool FC.

Abschied aus dem Aufstiegskampf

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Ohne Jepson verloren die Frauen damals das Spiel gegen Leicester City mit 2:1 und belegen derzeit den vierten Platz mit 10 Punkten Abstand zum Aufstieg.

„Es ist schwierig für uns, wenn wir ohne unseren Manager sind“, sagte die Kapitänin Niamh Fahey. „Im Fußball können die Dinge so schnell passieren. In der einen Woche hast du einen guten Job und in der nächsten Woche bist du deinen Job los. Für die Spielerinnen war es anfangs schwierig, sich zurechtzufinden. Aber Amber (Whiteley – Assistenztrainerin) hat das Ruder in die Hand genommen und uns wirklich gut vorbereitet. Wir haben als Team gut zusammen gehalten.“

Die Wichtigkeit von Vickys Arbeit ist nicht zu unterschätzen. Sie war ein Leuchtturm in der weiblichen Gemeinschaft in Liverpool. Eine Identifikationsfigur für die jungen Frauen an der Merseyside, die ihren Weg ins Profi-Geschäft suchten. Ihr Abgang ist weiterhin für alle ein Schock und hinterlässt eine große Lücke.



Management in der Kritik

Das Management steht derzeit in der Kritik für die Handhabe und Leitung der Frauenmannschaft. Und der Liverpool FC ebenfalls. In den letzten Jahren wurden Stimmen laut, dass der große Verein das Frauenteam nicht genügend unterstützt. Viele der Spieler haben noch mindestens Teilzeitjobs. Und die Klubs rund um Liverpool, City und United, sowie Everton haben alle die Reds sowieso schon überholt.

Liverpool muss ein weiteres Mal beweisen, dass Marketing-Sprüche wie „This Means More“ und ihre Hymne „You’ll Never Walk Alone“ nicht die Frauen exkludiert. Ein erster Schritt wäre der passende Manager. Ein zweiter Transparenz und ein dritter sicherlich eine ordentliche konsequente Förderung des Frauenfußballs.

Wir vermissen dich, Vicky!