Vertragsdetails bei Eintracht-Stürmer Borré: Berater würde massiv von Weiterverkauf profitieren | OneFootball

Vertragsdetails bei Eintracht-Stürmer Borré: Berater würde massiv von Weiterverkauf profitieren

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Im Sommer 2021 wechselte Rafael Borré ablösefrei vom argentinischen Spitzenklub River Plate zu Eintracht Frankfurt. Angesichts der starken Leistungen des Kolumbianers, der die Hessen zum Europa League-Triumph schoss, ein fantastischer Deal. Um sich die Dienste des 26-Jährigen zu sichern, musste die Eintracht allerdings große Zugeständnisse an dessen Berater machen.

Das berichtet der kicker. Nach eigenen Angaben liegt dem Sportmagazin Borrés Vertragskonzept vor, aus dem hervorgehe, dass der Berater des Angreifers Nicolas Petropulos massiv von einem Weiterverkauf seines Klienten profitieren würde. Bereits bei der Vertragsunterschrift vor einem Jahr habe der Agent 1,3 Millionen Euro Vermittlerprovision erhalten. Zudem sei an Borré ein Handgeld in Höhe von zwei Millionen Euro geflossen.

Sollte die Eintracht Borré verkaufen und einen Nettotransfergewinn von 25 bis 100 Millionen Euro erzielen (ohne Mehrwertsteuer sowie abzüglich Solidaritätszahlungen und der 3,3 Millionen Handgeld plus Provision aus 2021), so der kicker weiter, würde Petropulos zusätzlich 50 Prozent der Summe erhalten, die die Frankfurter oberhalb von 25 Millionen am Weiterverkauf Borrés "verdienen". Hinzu käme ein fester Betrag in Höhe von vier Millionen Euro.

Dabei handele es sich, wie der Rechtsanwalt und frühere Geschäftsführer der Spielervermittlervereinigung DFVV Dr. Gregor Reiter erklärt, um eine legale Vereinbarung. Das Transferreglement der FIFA lege zwar fest, dass "weder Vereine noch Spieler mit einer Drittpartei einen Vertrag abschließen dürfen, der einer Drittpartei einen gänzlichen oder partiellen Anspruch auf eine Entschädigung, die bei einem künftigen Transfer eines Spielers von einem Verein zu einem anderen fällig wird, oder beliebige Rechte im Zusammenhang mit einem künftigen Transfer oder einer Transferentschädigung gewährt". Diese Regelung könne jedoch mithilfe eines Exklusivmandats für eine künftige Wegvermittlung, wie es im Fall von Borré und Petropulos wohl vorliege, umschifft werden.

Eintracht-Sportvorstand Markus Krösche betont derweil, dass die Vereinbarung im Fußballgeschäft üblich sei. "Das ist ein üblicher und anerkannter Prozess in der Branche und nicht nur ein Eintracht-Thema. Bei ablösefreien Spielern sind die Wegvermittlungsvereinbarungen in der Regel höher dotiert als bei Spielern mit Ablöse", so Krösche. "Entscheidend ist für uns, den Klub zu schützen, indem wir unsere Ausgaben so gering wie möglich halten."

Ein nicht namentlich genannter Brancheninsider, auf den der kicker Bezug nimmt, erachte die Weiterbeteiligung indes als extrem hoch. Nicolas Petropulos' Agentur wiederum habe auf eine Anfrage nicht geantwortet.

Hohe, im Fall des Frankfurter Stürmers vermeintlich sehr hohe Weiterbeteiligungsgebühren, gelten schon lange als fragwürdig, da sie den Beratern einen Anreiz dafür liefern, ihre Klienten zu möglichst häufigen Vereinswechseln zu bewegen. Dieses als "Third Party Interest" (TPI) bekannte Problem wollte und will die FIFA eigentlich einschränken. Der Fall Borré legt jedoch den Verdacht nahe, dass es sich bei dem oben zitierten Reglement um kaum mehr als einen Papiertiger handelt.

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