đŸ€” Untrainierbar? Die Mannschaft ist beim BVB das grĂ¶ĂŸte Problem!

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Erik Schmidt

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SpĂ€testens nach der 2:4-Niederlage am Freitagabend in Mönchengladbach steht fest: Der durch den Trainerwechsel erhoffte Effekt ist bei Borussia Dortmund völlig verpufft. Doch das grĂ¶ĂŸte Problem der Schwarz-Gelben ist nicht der Übungsleiter, sondern die Mannschaft. Wie schon Lucien Favre scheint auch Edin Terzić an ihr zu scheitern.

Der 38-JĂ€hrige trug nun schon in sieben Bundesliga-Spielen die Verantwortung. Lediglich drei davon konnten gewonnen werden, ebenso viele gingen verloren, eines endete unentschieden. Selbst Thomas Doll startete einst besser. Alles nur blablabla?

Die Lage ist ernst! Die Englische Woche mit drei Begegnungen innerhalb von sieben Tagen brachte schließlich nur einen mickrigen ZĂ€hler ein. Die andere Borussia kickte den BVB obendrein auch noch aus den RĂ€ngen, die zur Champions-League-Qualifikation berechtigen. Am Samstag könnten zudem der VfL Wolfsburg, Union Berlin und Eintracht Frankfurt an dem Traditionsklub aus dem Ruhrpott vorbeiziehen.

Dann wĂ€re selbst die Teilnahme an der frisch ins Leben gerufenen Europa Conference League in Gefahr. Dies kĂ€me fĂŒr einen Kader, dessen Gesamtwert laut ‚transfermarkt.de‘ auf ĂŒber 600 Millionen Euro geschĂ€tzt wird, dem Super-GAU gleich – nicht nur in wirtschaftlich angespannten Zeiten.

Die SchwÀchen bleiben

Nun direkt Terzić in Frage zu stellen, ist allerdings auch nicht die Lösung. Obwohl sich ĂŒber dessen Beförderung streiten lĂ€sst. Möglicherweise haben sich die Dortmunder wieder einmal unnötigerweise von einem Coach getrennt. Vor Favre hĂ€tten auch Thomas Tuchel und Peter Bosz nicht zwingend gehen mĂŒssen. Die 1:5-Heimpleite gegen den VfB Stuttgart im Dezember tat zwar weh, spiegelte aber nur die Probleme, die alle anderen europĂ€ischen Spitzenteams in dieser Saison ebenfalls mit sich herumschleppen, wider.

Ein ganz besonderes Wagnis stellte die Tatsache dar, dass Terzić zuvor noch nirgends als Chef fungiert hat. Bei seiner Premiere hat der SauerlĂ€nder nun gleich eine durchaus komplizierte Mannschaft zu betreuen. Eine Mannschaft, die sogar so etwas wie untrainierbar ist?

In den vergangenen Wochen hat Terzić mit Sicherheit nicht nur mehrfach auf das bestmögliche Verteidigen von Frei- und EckstĂ¶ĂŸen hingewiesen, sondern auch entsprechende Standardsituationen trainieren lassen. Dennoch entstanden im Duell mit den Fohlen drei Gegentreffer auf diese Weise. Schon die Niederlagen in Köpenick (1:2) und gegen Köln (1:2) konnten mit SchlafmĂŒtzigkeit bei ruhenden BĂ€llen begrĂŒndet werden.

Apropos SchlafmĂŒtzigkeit: Unbegreiflich ist auch die Dortmunder Bilanz der ersten Halbzeit. Von ihren bislang 35 Treffern in der laufenden Spielzeit haben Haaland und Co. nur sieben vor der Pause erzielt. Zwar gelangen am Freitagabend beide Tore in der ersten Halbzeit. Allerdings war auch noch nicht einmal die erste Zeigerumdrehung abgeschlossen, als die Gladbacher zur FĂŒhrung trafen. Obwohl der VAR anschließend sein Veto einlegte, gerieten die GĂ€ste nur zehn Minuten spĂ€ter dann aber doch in RĂŒckstand.

LĂ€ngst steht das M-Wort in Dortmund nicht mehr fĂŒr Meisterschaft. Die zwei genannten Beispiele verdeutlichen, warum in Verbindung mit den Schwarz-Gelben immer wieder ĂŒber fehlende MentalitĂ€t diskutiert wird. „QualitĂ€t ist immer das Ergebnis von Talent plus MentalitĂ€t“, hatte Terzić nach der Niederlage in Leverkusen gegenĂŒber ‚Sky‘ selbst gesagt. Und es klang fast ein wenig nach Verzweiflung. Denn Talent steckt im Dortmunder Kader eigentlich ausreichend, die QualitĂ€t wird jedoch zu selten sichtbar.

Reus als Dortmunder Sinnbild

WĂ€hrend bei den zahlreichen Talenten Leistungsschwankungen nur logisch sind, performen die erfahrenen Akteure einfach nicht konstant genug. Sinnbildlich dafĂŒr steht Marco Reus. Die lange Verletzungspause darf bei dem KapitĂ€n nicht mehr als Entschuldigung herhalten. Immerhin ist der 31-jĂ€hrige seit vergangenen Sommer zurĂŒck auf dem Rasen.

Nur sechs Scorerpunkte in 17 EinsĂ€tzen sind fĂŒr Reus aber viel zu wenig. Zu selten macht der 44-fache Nationalspieler in den entscheidenden Phasen den Unterschied. Zudem fehlt es ihm aktuell an Dynamik und Risikobereitschaft. Vom alten Reus, der mit seinen TiefenlĂ€ufen alleine ganze Abwehrreihen aushebeln konnte, fehlt jede Spur. Stattdessen sucht der Spielmacher zu oft den sicheren Quer- oder auch RĂŒckpass.

Im Vergleich zum FC Bayern mangelt es der Borussia vor allem an einer funktionierenden Achse. Beim deutschen Rekordmeister fußte im zurĂŒckliegenden Jahr schließlich alles auf Manuel Neuer, David Alaba, Joshua Kimmich, Thomas MĂŒller und Robert Lewandowski. Dem BVB geht ein solches Konstrukt aus den unterschiedlichsten GrĂŒnden ab.

Da wĂ€ren zwar Roman BĂŒrki, Mats Hummels und Erling Haaland – auf den anderen zentralen Positionen fehlt es aber an Fixpunkten. Reus hat mit sich selbst zu tun, Witsel ist verletzt und Can pendelt zu hĂ€ufig zwischen den Positionen. Zudem wurde anfangs angesichts der vielen Möglichkeiten im vielleicht etwas zu großen Kader zu hĂ€ufig rotiert. Terzić setzte zuletzt bewusst auf KontinuitĂ€t, der Erfolg blieb aber trotzdem aus.

Der Januar wurde von den Dortmunder Bossen als Monat der Wahrheit ausgerufen. Die Resultate fielen ernĂŒchternd aus. Quo vadis, BVB? Ein erneuter Trainerwechsel bietet nicht nur aufgrund der fehlenden Alternativen keine Option. Auch Besserung versprechende Profis tummeln sich auf dem Transfermarkt keine. Dann muss es eben der Februar richten. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.