Tiffert: "Wir werden uns gegen Union Berlin nicht verstecken" | OneFootball

Tiffert: "Wir werden uns gegen Union Berlin nicht verstecken"

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Als Spieler absolvierte Christian Tiffert 225 Spiele in der Bundesliga und 143 Spiele in der 2. Bundesliga. Seit März ist er Cheftrainer beim Chemnitzer FC, der heute (ab 18.01 Uhr, live bei Sky) in der ersten Runde des DFB-Pokals auf den 1. FC Union Berlin trifft. Im DFB.de-Interview spricht er mit Mitarbeiter Oliver Jensen über das Duell mit dem Bundesligisten und seinen Einstieg als Trainer.

DFB.de: Herr Tiffert, drei Ligen befinden sich zwischen dem 1. FC Union Berlin und den Chemnitzer FC. Wie zuversichtlich sind Sie, als Regionallist dennoch den Bundesligisten vor Probleme stellen zu können?

Christian Tiffert: Auf dem Papier sind beide Mannschaften vergangene Saison im oberen Tabellendrittel gelandet - wir in der Regionalliga, der Gegner in der Bundesliga. Die Konstellation ist also klar. Ich kann aber sagen, dass wir uns nicht verstecken werden. Union wird ein großer Brocken. Sie haben viele gute Spieler und seit Jahren ein gefestigtes Spielsystem. Aber auch wir sind nicht schlecht.

DFB.de: Der Chemnitzer FC hat bewiesen, im DFB-Pokal höherklassige Vereine vor Probleme stellen zu können. Im Jahre 2020 scheiterte man gegen die TSG Hoffenheim erst im Elfmeterschießen, ein Jahr zuvor geschah selbiges gegen den HSV. Kann der Verein aus diesen Erfahrungen Mut schöpfen?

Tiffert: Nicht alle unsere Spieler waren damals bereits dabei. Von daher sollte man das völlig losgelöst voneinander bewerten. Das ist ein Spiel, in dem wir nichts zu verlieren haben. Wir können uns gegen einen Bundesligisten messen. Anders als in den vergangenen Jahren haben wir diesmal allerdings nicht den Vorteil, bereits früher mit der Saison begonnen zu haben und daher im Rhythmus zu sein. Diesmal starten wir zum gleichen Zeitpunkt in die Saison wie die Bundesliga. Wir werden das Spiel aber auf jeden Fall genießen.

DFB.de: Der 1. FC Union Berlin ist erst im Jahre 2019 in die Bundesliga aufgestiegen, nahm seitdem eine erstaunliche Entwicklung und hat sich in der vergangenen Saison zum zweiten Mal in Folge für den internationalen Wettbewerb qualifiziert, diesmal sogar für die Europa League. Bewundern Sie den Verein dafür?

Tiffert: Ja, absolut. Die Mannschaft spielt wirklich einen guten Fußball. Wenn man sich die Interviews der Gegner anschaut, denn genießt Union Berlin allerhöchsten Respekt in der Liga. Der Erfolg ist kein Zufall. Das hängt auch mit dem Trainerteam zusammen. Union ist ein sympathischer Verein und gemeinsam mit den Fans eine Einheit. Sie wurden zwar in jedem Jahr von guten Spielern verlassen. Sie holen aber auch immer wieder gute Spieler passend zu ihrem Spielsystem hinzu. Dort läuft alles mit sehr viel Bedacht. Und es ist offenbar sehr unangenehm, gegen diese Mannschaft zu spielen, weil sie sehr gut gemeinschaftlich gegen den Ball arbeiten und sehr gefährlich im Umschaltspiel sind. Sie können aber auch das Spiel selber gestalten.

DFB.de: Haben Sie sich so einen starken Gegner im DFB-Pokal gewünscht?

Tiffert: Um ehrlich zu sein, habe ich mir zwar einen guten Gegner gewünscht. Aber es hätte nicht unbedingt eine Mannschaft sein müssen, die im oberen Tabellendrittel der Bundesliga steht. Aber wir nehmen die Aufgabe an, uns gegen eine Top-Mannschaft aus der Bundesliga zu messen.

DFB.de: Sie haben als Bundesligaspieler selber oft gegen unterklassige Vereine im DFB-Pokal gespielt. Was macht diese Aufgaben aus Sicht des höherklassigen Vereins so schwierig?​

Tiffert: Man muss unterscheiden, auf was für einen Regionalligisten man trifft. Einige Regionalligisten haben professionelle Strukturen, andere nicht. Wir allerdings haben professionelle Strukturen. Wir haben auch ein Top-Stadion, das wahrscheinlich ausverkauft sein wird. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Union das Spiel nicht annehmen wird. Die meisten höherklassigen Vereine nehmen diese Spiele ernst, weil sie sich keinen Ausrutscher leisten wollen. Union wird uns sicherlich nicht unterschätzen.

DFB.de: Sie haben auch viele erfolgreiche Zeiten im Pokal erlebt, standen zum Beispiel 2001 mit dem VfB Stuttgart im Halbfinale. Was sind Ihre schönsten Pokal-Erinnerungen?

Tiffert: Ich habe in solchen Dingen kein gutes Gedächtnis und könnte kein bestimmtes Spiel hervorheben. Ich bin aber froh, dass ich mich in den ersten Runden des Pokals nie blamiert habe.

DFB.de: Themawechsel: Sie haben im Jahre 2019 Ihre aktive Karriere beendet und nahmen danach direkt Ihre Trainerlaufbahn in Angriff. War Ihnen immer klar, dass dies Ihre zweite Karriere sein würde?

Tiffert: Nein, das war mir überhaupt nicht klar. Ich habe zwar während meiner Spielerkarriere einen ersten Trainerschein gemacht. Aber nur um zu schauen, ob mich das interessiert. Nur weil jemand viele Spiele absolviert hat, bedeutet das nicht, dass man auch ein guter Trainer ist. Ich gehe diese Aufgabe mit viel Lockerheit und Euphorie an. Ich befinde mich aber noch immer in einem Lernprozess.

DFB.de: Sie waren zunächst Co-Trainer des Chemnitzer FC. Am 1. März 2022 wurden sie zum Cheftrainer befördert, nachdem der bisherige Trainer Daniel Berlinski beurlaubt wurde...

Tiffert: Ich hätte ursprünglich gedacht, dass es länger dauern würde, bis ich erstmals Cheftrainer sein würde. Aber im Fußball können viele Dinge sehr schnell passieren. Man muss zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. Das bin ich glücklicherweise gewesen. Ich bin froh, dass man mir die Aufgabe zutraut. Dennoch muss ich weiter dazulernen. Ich bin erst seit rund vier Monaten Cheftrainer. Das ist noch keine lange Zeit.

DFB.de: Der Chemnitzer FC belegte in der vergangenen Saison den 5. Tabellenplatz der Regionalliga Nordost. Der Verein hat lange Zeit in der 3. Liga gespielt, zuletzt in der Saison 2019/2020. Ist der Aufstieg ein Ziel für die kommende Saison?

Tiffert: Wir haben eine gute Rückrunde gespielt, waren das beste Rückrundenteam der Liga. Daraus leitet sich aber nicht ab, dass man diesen Schwung automatisch mitnimmt. In der Regionalliga Nordost haben viele Vereine den Anspruch, oben mitzuspielen. Auch unser Verein hat hohe Ansprüche, aber dafür müssen wir etwas tun. Das geht nicht, indem man vorher große Ziele herausposaunt, sondern mit Leistung und Training.

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