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Annika Becker·3. Januar 2023

The hype is real: Was wir aus der bisherigen Buli-Saison gelernt haben

Artikelbild:The hype is real: Was wir aus der bisherigen Buli-Saison gelernt haben

Die Bundesliga ist nach 10 Spieltagen in der Winterpause. Auch wenn die Hinrunde also noch nicht komplett rum ist, ist es ein guter Zeitpunkt auf einige Entwicklungen des letzten halben Jahres zu schauen, bevor es dann ab Februar wieder weitergeht. Das sind die 5 Lehren aus der bisherigen Saison 2022/23.


1. The Hype is real

Immer neue Rekordzahlen in den Stadien, ein Publikumsschnitt, der insgesamt so hoch ist wie noch nie und mehr Anerkennung von ungewohnter Stelle: Es lässt sich ohne Übertreibung sagen, dass der Fußball der Frauen weiterhin auf der Begeisterungswelle der EM 2022 surft. Gleich zur Saisoneröffnung in Frankfurt gab es einen neuen Rekord, 23.200 Zuschauer*innen kamen ins Stadion.

Mehrere Vereine vermeldeten im Laufe der Saison Rekorde für ihre Heimspiele, da ist es folgerichtig, dass auch die Gesamtzahl der Stadiongänger*innen bereits nach dem 9. Spieltag so hoch war wie noch nie zuvor über eine ganze Saison. In der Spielzeit 2013/2014 kamen an den 22 Spieltagen 156.355 Menschen zu den Partien, nach dem 9. Spieltag der aktuellen Saison waren es nach Angaben des DFB bereits 173.438.

Auch die Anmeldezahlen schossen nach der EM in die Höhe, eine Entwicklung, die in Anbetracht der Ausschläge nach den letzten großen Turnieren erwartbar war. Allerdings kann dieser Boom nicht aufgefangen werden. Laut DFB-Präsident Bernd Neuendorf gäbe es „zu wenig Plätze und Kapazitäten, um die Flut an Neuanmeldungen zu bedienen.“

Eine andere Entwicklung ist die Zunahme der Berichterstattung. Die ist zwar noch nicht auf dem Level, das sich viele Fans wünschen, es ist aber bereits eine Entwicklung zu erkennen, mit immer mehr Redaktionen und Medienhäusern, die die Bundesliga regelmäßig covern. Ein Ausdruck dessen ist auch eine besondere Ehrung: Alexandra Popp wurde vom ‚kicker‘ zur „Persönlichkeit des Jahres 2022″ ernannt, damit ist sie die erste Frau, die diese Auszeichnung erhält.


2. Wolfsburg brilliert und ist kaum einzuholen

Bleiben wir kurz in Wolfsburg. Die Anstellung von Tommy Stroot als Cheftrainer zur letzten Saison ist ein voller Erfolg, der VfL dominiert mit aggressivem Powerfußball die Liga und führt die Tabelle mit fünf Punkten Abstand an. Zum Erfolgs-Repertoire gehören wie bei keinem anderen Team der Liga gefährliche Standards: 12 der 35 Tore fielen nach Standards, das entspricht in etwa einem Drittel der Treffer.

Das ist ein wichtiges Mittel, das jedes erfolgreiche Team beherrschen sollte, gerade wenn es aus dem Spiel heraus mit den Treffern mal nicht klappt. Bei der Variabilität könnten sich die Wölfinnen allerdings noch verbessern, es fehlt noch eine Alternative dafür, wenn der hohe Fokus auf Flanken mal nicht weiterführt – das ist angesichts der vielen erzielten Tore Meckern auf hohem Niveau, könnte in der Champions-League-Saison aber noch wichtig werden.

Ansonsten stellt Wolfsburg mit Ewa Pajor eine der besten Torschützinnen der Bundesliga. Sie liegt bei acht Toren aus acht Partien, dazu kommen vier Vorlagen. Nur Janina Minge vom SC Freiburg (acht Tore aus 10 Spielen) kommt annähernd an sie heran.

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Zudem ist der Kader der Wölfinnen in der Breite exzellent besetzt, ein wichtiger Faktor in einem Kalenderjahr mit vielen Terminen. Auch 2023 wird es kaum eine Pause für Top-Spielerinnen geben, durch die WM im Sommer ist die Pause kurz. Modernes Training, gute Belastungssteuerung und somit Verletzungsvorbeugung sind da mindestens genauso wichtig, wie die individuelle Klasse der Spielerinnen. Wer den VfL vom Thron stoßen möchte, muss sich auch in diesen Bereichen strecken.


3. Bayern München unter Straus nimmt Fahrt auf

Der FC Bayern München ist gerade ungefähr an dem Punkt, den der VfL Wolfsburg im letzten Winter erreicht hatte: Nach circa einem halben Jahr unter dem neuen Trainer Alexander Straus gab es eine erwartbare Phase, in der die Münchenerinnen sich erst umgewöhnen mussten und dadurch den ein oder anderen Punkt liegen ließen. Inzwischen ist aber klar erkennbar, wo die Reise fußballerisch hingehen soll und die verschiedenen taktischen Elemente greifen immer besser ineinander.

Schon früh war erkennbar, dass die Münchenerinnen um defensive Stabilität bemüht sind, nicht umsonst stellen sie mit nur drei Gegentoren die beste Abwehr der Liga. Nachdem zu Beginn der Saison das Pressing meist im Mittelfeld zupackte, hat sich diese Linie im Laufe der Saison immer weiter nach vorn verschoben. Inzwischen gehört Bayern München zusammen mit Wolfsburg und Eintracht Frankfurt zu den drei Teams mit den meisten Ballgewinnen im gegnerischen Drittel.

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Ein anderer wichtiger Faktor ist das Pass- und Aufbauspiel, das bereits in der Defensive beginnt. Glódís Perla Viggósdóttir ist für die exakten langen Bälle zuständig. Nur Lena Oberdorf spielt mehr lange Bälle ins letzte Drittel als sie. Viggósdóttir lässt in der ‚FBREF‘-Statistik der „Progressive Passing Distance“ gleich mehrere Torhüterinnen hinter sich lässt, ist Tainara eher die Frau für kurzen und mittellangen Bälle.

Unter Straus aufgeblüht ist Carolin Simon, mit bereits fünf Vorlagen in der Bundesliga und auffällig guten Leistungen, was den offensiven Teil ihrer Aufgaben angeht. Sie rückt von der Außenbahn auffällig oft nach innen und schafft damit die angestrebte Beweglichkeit und Variabilität in der Offensive.

Das alles und Ergebnisse wie der 3:1-Sieg gegen den FC Barcelona in der UEFA Women’s Champions League deuten auf einen starken weiteren Saisonverlauf.


4. Die Verfolgerinnen sind nicht konstant genug

Eintracht Frankfurt hat sich auf dem dritten Platz der Tabelle etabliert, nachdem die Eintracht zwischendurch mehrere Wochen den zweiten Platz der Tabelle belegt hatte. Nach dem Bayern München wie oben beschrieben aber immer besser in die Saison kam und der Eintracht ein wenig die Kräfte ausgingen, zeigte die Formkurve zuletzt nach unten, auch wenn sich das nicht in allen Ergebnissen zeigte. Man denke an das 1:0 gegen Leverkusen, buchstäblich in der letzten Minute.

Hinter der Eintracht mit vier bzw. sechs Punkten Abstand liegen der SC Freiburg und die TSG Hoffenheim. Beide hatten schon ihre unnötigen Punktverluste gegen schlechter platzierte Teams.

Während man beim SC aber den Eindruck hat, dass es unter Theresa Merk insgesamt eine Weiterentwicklung gibt, vermisst man bei der TSG mal wieder die Abgänge aus dem Sommer. Besonders die aus der Defensive, denn es kam keine gestandene Verteidigerin neu hinzu.

Michaela Specht, letzte Saison noch Abwehrchefin, verteidigt inzwischen in Spanien für Real Sociedad und Offensivakteurin Jule Brand ist zum VfL Wolfsburg weitergezogen. Cheftrainer Gabor Gallai wurde kurz vor Weihnachten überraschend entlassen, als Nachfolger gehandelt wird Stephan Lerch, der nach seiner Zeit bei Wolfsburg gerade U-19-Coach der Männer der TSG Hoffenheim ist.

Mindestens der Kampf um Platz drei könnte also in dieser Saison noch einmal spannend werden, insgesamt wird es in den nächsten Jahren für die Teams hinter Wolfsburg eben darum gehen, strukturell aufzuholen.


5. Turbine Potsdam fällt das Mismanagement auf die Füße

Nur ein einziger Punkt und mit einem Torverhältnis von minus 23 auf dem letzten Tabellenplatz: Sportlich sieht es für die Turbine extrem düster aus. Noch größere Sorge bereitet aber der allgemeine Zustand des Vereins, denn der macht nicht gerade Hoffnung, dass nach einem Abstieg des Traditionsklubs ein baldiges Comeback realistisch wäre.

Erst vor kurzem gab es bereits den zweiten Trainerwechsel in diesem Jahr. Nachdem Sofian Chahed im letzten Winter eigentlich verlängert hatte, wurde dieser im Sommer entlassen, viele Spielerinnen verließen den Verein und der langjährige Präsident Rolf Kutzmutz trat zurück. Zur aktuellen Saison übernahm Sebastian Middeke als Trainer, wurde aber bereits Ende Oktober wieder entlassen. Aktuell fungiert Sven Weigang als Interimstrainer.

Laut einer Recherche des ‚RBB‘ haben mehrere Ex-Spielerinnen den Verein anonym kritisiert. Die guten Leistungen der letzten Saison mit dem vierten Platz seien angesichts der schlechten Strukturen überdurchschnittlich gewesen. Zudem seien verschiedene Themen von den Spielerinnen immer wieder angesprochen worden, geändert habe sich aber nichts.

Diese Woche Donnerstag findet die Mitgliederversammlung des Vereins statt, gewählt werden Vize-Präsident*in und Vorstand.