Serie A: Offensive Liga, Pioli am Ziel & einige Enttäuschungen: Die Tops und Flops 2021/22 | OneFootball

Serie A: Offensive Liga, Pioli am Ziel & einige Enttäuschungen: Die Tops und Flops 2021/22

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Die Saison 2021/22 in der italienischen Serie A ist vorüber, die AC Milan hat sich den begehrten Scudetto gesichert. Es war eine Saison mit vielen Höhen und Tiefen, einigen Überraschungen, teils spektakulären Spielen und natürlich auch einigen Enttäuschungen.

Deswegen ist es nach dem Ende der Saison an der Zeit, die Tops und Flops der abgelaufenen Spielzeit in der Serie A zu nominieren. Mit dabei ist natürlich der Meister mitsamt seinem Trainer, der am Ziel angekommen ist.

AC Milan und Pioli feiern den Scudetto

Stefano Pioli (56) stand zu Beginn seiner Amtszeit bei den Rossoneri durchaus in der Kritik. Diese Kritik war in Teilen auch gerechtfertigt, denn der italienische Trainer ließ zunächst eine klare Struktur in seiner Mannschaft vermissen. Problematisch war vor allem, dass der Kader nach Amtsübernahme nicht zu seinen Vorstellungen passte und sich das auch nur sukzessive änderte. In der Saison 2020/21 hat Milan aber schon einige positive Ansätze gezeigt und die Entwicklung in der abgelaufenen Saison bestätigt, dass der langfristige Plan und die Kontinuität im Klub am Ende auch zum Erreichen eines großen Ziels führen können.

Mit einer exzellenten Mischung aus herausragenden Fußballern wie Rafael Leao (22), Sandro Tonali (22) oder Theo Hernandez (24), jungen Talenten wie Brahim Diaz (22) und erfahrenen Führungsspielern wie Olivier Giroud (35)  und Zlatan Ibrahimovic (40) feierte Milan am Ende verdient den Titel in der Serie A, zwei Punkte vor Stadtrivale Inter. Milan hat auch in den schwierigeren Phasen der Saison Größe bewiesen, konnte die Ausfälle von Schlüsselspielern gut kompensieren und hat sich auch von vereinzelten Patzern nicht aus der Ruhe bringen lassen. Jetzt haben die Rossoneri die Chance, auf Basis dieses Triumphes wieder dafür zu sorgen, dass aus Milan ein europäisches Schwergewicht wird. Das war in der Saison 2021/22 im Europapokal nämlich noch nicht der Fall.

Die Serie A als Offensivliga

In den letzten Jahren hat sich die Serie A durch einige spannende Entwicklungen ausgezeichnet. Maurizio Sarri, der als Trainer der SSC Neapel schon ab 2015 einen auf einen flachen, strukturierten Aufbau und Ballbesitz ausgerichteten, schönen Fußball, den „Sarri-Ball“ im Topbereich der Liga implementierte, Gian Piero Gasperini (64), der mit Atalanta BC eine „graue Maus“ aus Italien zu großen Erfolgen führte und das mit spektakulärem, bedingungslosem und wuchtigem Spiel nach vorne, oder aber ein Trainer wie Roberto de Zerbi (42), mittlerweile bei Shakhtar tätig, der all diese Elemente vereinen wollte.

Die italienische Topliga ist längst keine Defensivliga mehr, wie sie es vor zig Jahren war. Die Entwicklung hin zu einer Offensivliga, in der viele Trainer und viele Team seinen konstruktiven Ansatz im Spiel mit dem Ball verfolgen, war aber kaum so deutlich zu erkennen wie in dieser Saison.

Pioli und Milan wollten Fußball spielen und taten das auch. Für Inter unter Simone Inzaghi (46) galt das ebenfalls. Auch der Drittplatzierte in Italien, die SSC Neapel spielte phasenweise sehr guten Fußball und war vor allem in vielen Spielen sehr aktiv. Für Juventus und die Roma galt das nur eingeschränkt, wenngleich die Giallorossi trotz des Verzichts auf viel Ballbesitz die drittmeisten Abschlüsse der Serie A zu verzeichnen hatten.

Lazio unter Sarri verfügte über einen fußballerischen Ansatz, für Atalanta galt und gilt das noch immer, auch die Fiorentina hat entsprechende Elemente vorzuweisen. Und dann wären da noch Teams wie Sassuolo unter Alessio Dionisi (42) oder der FC Empoli mit Aurelio Andreazzoli (68), die ebenfalls viel Wert auf einen geordneten Aufbau und ein gepflegtes Spiel legen. Und das auch noch mit Erfolg!

Salernitana und das Wunder vom Klassenerhalt

US Salernitana ist einer der kleineren Klubs in der Serie A. Der Aufstieg des Teams aus Salerno war schon eine Überraschung. Im Sommer sicherte sich der Klub dann die Dienste von Franck Ribéry (39), der die Mannschaft in diesem schwierigen Jahr in der Serie A anführen sollte. Lange sah es so aus, als würde Salernitana direkt wieder den Weg in die Serie B antreten. Zu viele einfache Fehler, zu viele Negativresultate und vor allem zu große Qualitätsunterschiede machten Salernitana zu schaffen. Doch eines zeichnete das Team aus: es gab in keiner Phase der Saison auf. Und dafür belohnte sich der Aufsteiger auch, denn in einer Phase der Rückrunde ging ein entscheidender Ruck durch das Team.

(Photo by Francesco Pecoraro/Getty Images)

Im Winter wurden zahlreiche neue Spieler geholt, die für frische Impulse sorgen sollten. Zudem wurde im Februar Trainer Davide Nicola (49) installiert, der das Team zusätzlich aufbauen sollte. Es dauerte etwas, bis der neue Übungsleiter diesem verunsicherten Team seinen Stempel aufdrücken konnte, doch die Geduld zahlte sich aus. Zwischen dem 16. April und dem 14. Mai holte Salernitana stolze 15 Punkte in sieben aufeinanderfolgenden Spielen. Dabei gewann das Team gegen Sampdoria und die Fiorentina, holte ein Remis gegen Atalanta und spielte phasenweise sogar sehr ordentlichen Fußball.

Schritt für Schritt arbeitete sich das Team in der Tabelle der Serie A nach vorne, ehe es auf dem 17. Platz stehend in den letzten Spieltag ging. Salernitana spielte zuhause gegen Udinese Calcio, Cagliari im Parallelspiel beim bereits abgestiegenen FC Venezia. Dem Team aus Salerno machte der Druck zu schaffen, die Nicola-Elf verlor deutlich mit 0:4 gegen Udinese. Weil die Sarden von Cagliari aber selbst nur 0:0 spielten, war das Wunder perfekt und der Klassenerhalt in der Serie A fix.

Juventus Turin: Doch kein Großangriff

Juventus gehört zu den Teams, die in der Serie A den Anspruch haben, in jeder Saison um den Meistertitel mitzuspielen. Im Sommer 2021 holten die Bianconeri deswegen auch Massimiliano Allegri (54) als Cheftrainer auf die Bank zurück. Damit noch nicht genug, auch der ein oder andere Neuzugang wurde verpflichtet. So kamen unter anderem Manuel Locatelli (23), Kaio Jorge (19), Moise Kean (21) oder der fest verpflichtete Weston McKennie (22), im Winter zusätzlich Dusan Vlahovic (22) und Denis Zakaria (25). Noch immer gab es aber Bedenken ob des Kaders, der ein wenig unausgeglichen wirkte. Ein Problem, das Juventus in den letzten Jahren mit sich herumschleppte. Der letzte Trainer, der dies gut kaschieren konnte, war eben jener Massimiliano Allegri.

Die Hoffnungen vor der Saison waren mindestens so groß wie es die Ernüchterung im Verlauf der Spielzeit war. Von Spektakel war bei Juventus nichts zu sehen und selbst die Ergebnismaschinerie früherer Zeiten war die Vecchia Signora nicht. Juventus erreichte am Ende der Saison zwar Platz vier, das war aber nur das absolute Minimalziel. Der ein oder andere Spieler machte tatsächlich einen Schritt nach vorne, aber es herrschte auch wieder viel Stagnation. Vielleicht ist diese Saison nun endlich dafür verantwortlich, dass die Bianconeri die Kaderplanung im Sommer überdenken und neue Impulse setzen. Die benötigt Juventus nämlich auf mehreren Positionen, ehe das Team wieder vollumfänglich in den Titelkampf eingreifen kann.

Cagliari und die Trainerwechsel ohne den erhofften Ausgang

Cagliari Calcio ist in die Serie B abgestiegen. Ein 0:0 gegen Venezia am letzten Spieltag besiegelte den Gang in die Zweitklassigkeit. Ein Kader, der mit Spielern wie Alessio Cragno (27), Matteo Lovato (22), Razvan Marin, Marko Rog (beide 26), Kevin Strootman (32), Nahitan Nandez (26), Joao Pedro (30) oder Keita Balde (27) bestückt ist, sollte auf keinen Fall absteigen.

Die Mannschaft brachte ihre Qualität aber nicht auf den Platz, was auch die Verantwortlichen sichtlich störte. Schon Mitte September kam es zum ersten Trainerwechsel. Leonardo Semplici (54) wurde auf Platz 16 in der Serie A stehend entlassen, der erfahrene Walter Mazzarri (60), früher unter anderem bei Sampdoria, Inter und Watford tätig, übernahm das Amt.

Unter Mazzarri machte die Mannschaft in der Serie A aber nur wenige Fortschritte. Sechs Siege in 32 Spielen unter dem 60-Jährigen sorgten nicht gerade für Aufbruchstimmung. Weniger als einen Punkt holte der Trainer im Schnitt pro Spiel. Die Folge: Kurz vor dem Saisonende, als Mazzarri mit Cagliari auf Platz 18 stand, trennten sich die Sarden erneut von einem Trainer. Der letzte Impuls sollte her – mit Alessandro Agostini (42).

Er sollte die Mannschaft am Ende noch vor dem Abstieg retten. Zum Debüt durfte spät gejubelt werden, im Abstiegskrimi gegen Salernitana erzielte seine Mannschaft in der neunten Minute der Nachspielzeit den wichtigen Treffer zum 1:1-Ausgleich. Doch es reichte trotzdem nicht, denn es folgten ein 1:3 gegen Inter und das erwähnte 0:0 gegen Venezia. Das Leben im Konjunktiv ist ein schönes, aber vielleicht wäre es besser gewesen, Semplici weiter mit dem Team arbeiten zu lassen…

(Photo by Chris Ricco/Getty Images)

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