Salger: "Den KSC zum Verzweifeln bringen" | OneFootball

Salger: "Den KSC zum Verzweifeln bringen"

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Allein unter zehn Bundes- und fünf Zweitligisten: Der TSV 1860 München ist im Achtelfinale um den DFB-Pokal der einzige Vertreter der 3. Liga. Ein Experte für Pokalüberraschungen ist Stephan Salger, der mit Arminia Bielefeld einst sogar im Halbfinale stand. Im DFB.de-Interview spricht der 31 Jahre alte Abwehrspieler mit Mitarbeiter Dominik Dittmar über das Duell mit dem Karlsruher SC heute Abend (ab 18.30 Uhr, live bei Sky).

DFB.de: Sie haben während Ihrer Karriere 132 Partien in der 2. Bundesliga und mehr als 150 Drittligaspiele absolviert. Ist der DFB-Pokal trotz Ihrer großen Erfahrung etwas Besonderes, Herr Salger?

Stephan Salger: Na klar. Eine Niederlage bedeutet das Pokalaus. Das macht den besonderen Reiz des Wettbewerbs aus. Außerdem finden die Spiele häufig unter Flutlicht statt. Gegen oftmals höherklassige Gegner kann gemeinsam mit den Fans eine ganz besondere Atmosphäre entstehen. Spiele im DFB-Pokal machen immer Spaß.

DFB.de: Bereits zwei Zweitligisten scheiterten in dieser Pokalsaison an den "Löwen". Welches Spiel auf dem Weg ins Achtelfinale hat Ihnen denn besser gefallen: das 5:4 im Elfmeterschießen gegen den SV Darmstadt 98 oder das 1:0 gegen den FC Schalke 04?

Salger: Aus der Emotion heraus der Sieg im Elfmeterschießen. Ich war dabei sogar der letzte Schütze. Allerdings hatte ich mir in dieser Situation keinen besonderen Druck gemacht, weil zuvor ja schon ein Darmstädter verschossen hatte. Das Spiel gegen den FC Schalke 04 war für mich aber auch bedeutend. Erstmals seit meinem Wechsel zu den "Löwen" im Sommer 2020 durfte das Grünwalder Stadion aufgrund der Corona-Regularien ausverkauft sein, so dass wir auf die Unterstützung sämtlicher Fans bauen konnten.

DFB.de: Hatten Sie bei der Auslosung des Achtelfinales einen Wunschgegner?

Salger: Persönlich hätte ich mich sehr über den 1. FC Köln gefreut. Ich hatte beim "Effzeh" über die Nachwuchsteams und die zweite Mannschaft den Sprung in den Profibereich geschafft. Ein Wiedersehen wäre dann schon etwas Besonderes gewesen. Mit dem Karlsruher SC haben wir aber auch kein schlechtes Los gezogen.

DFB.de: Warum hat sich Ihre Mannschaft - trotz der Erfolge im DFB-Pokal - in dieser Saison in der 3. Liga lange Zeit schwergetan?

Salger: Wir hatten etwas länger daran zu knabbern, dass wir in der zurückliegenden Saison den Relegationsplatz erst im Saisonfinale verpasst haben. So hat sich bei uns eine Achterbahnfahrt entwickelt. Nach starken Spielen kamen häufig nicht ganz so gute Auftritte. Auch die Phase, in der wir von sieben Partien nur eine verloren haben, brachte uns nicht so recht vom Fleck. Sechs Unentschieden waren zu viele. Im Endeffekt haben wir dabei mehr Punkte liegen gelassen, als uns die Spiele eingebracht haben. Die Spielverläufe haben sich oft wie Niederlagen angefühlt. Vor der Winterpause haben wir dann aber mehr Konstanz in unsere Leistungen gebracht. Da gilt es, sich weiter zu stabilisieren.

DFB.de: Seit den beiden Partien vor der Winterpause lässt 1860-Trainer Michael Köllner mit einer Dreierkette spielen. Inwiefern hat sich dadurch Ihre Rolle geändert?

Salger: Ich denke nicht, dass ich wesentlich anders verteidige, als es in einer Viererkette der Fall war. Durch die Umstellung stehen wir insgesamt ein wenig tiefer. Während der Hinserie blieb nicht allzu viel Zeit, sich an das neue System zu gewöhnen. Umso wichtiger war es, viel miteinander zu sprechen. Bei den beiden Siegen ohne Gegentreffer hat die Dreierkette gut funktioniert. Das zuvor fehlende Spielglück haben wir uns wieder erarbeitet.

DFB.de: Der TSV 1860 München gehörte zu den Vereinen, die in der Winterpause ein Trainingslager bezogen hatten. Welche Eindrücke haben Sie aus dem türkischen Belek mitnehmen können?

Salger: Wir hatten vor Ort sehr gute Bedingungen. Es gab zwar an einem Morgen ein Erdbeben, ich habe davon aber gar nichts mitbekommen. Die Zeit war sehr intensiv, wir haben fast täglich zweimal trainiert. Ein Trainingslager hat auch immer den Effekt, dass die Mannschaft durch die gemeinsame Zeit noch weiter zusammenwächst.

DFB.de: Inklusive des Auftritts im DFB-Pokal stehen im Januar fünf Pflichtspiele innerhalb von 16 Tagen auf dem Programm. Sehen Sie sich gut gerüstet?

Salger: Wir sind positiv gestimmt. Die Siege ohne Gegentreffer am Jahresende haben uns gutgetan. Diesen Schwung wollen wir für die nächsten Aufgaben mitnehmen. Das 3:1 im Trainingslager gegen den Zweitligisten FC Hansa Rostock gibt uns ein gutes Gefühl.

DFB.de: Was ist in dieser Spielzeit noch möglich?

Salger: Wir gehen ins Pokalachtelfinale, um es zu gewinnen. Das trauen wir uns auch zu. Was die 3. Liga angeht, werden wir nach dem Januar ein wenig schlauer sein. Aktuell rangieren wir ein wenig im Niemandsland der Tabelle. Wir sollten aber nicht zu weit nach vorne blicken, sondern besser immer nur einen Schritt nach dem anderen angehen. Wir wollen möglichst konstant punkten und in einen Flow kommen.

DFB.de: Mit dem damaligen Drittligisten Arminia Bielefeld erreichten Sie in der Saison 2014/2015 sogar das Halbfinale im DFB-Pokal. Welche Erinnerungen haben Sie daran?

Salger: In der 3. Liga lief es für uns damals zunächst nicht so gut. Mit dem 4:1 in der ersten Pokalrunde gegen den SV Sandhausen konnten wir dann allerdings Selbstvertrauen und Mut mitnehmen. Dass wir anschließend mit Hertha BSC, Werder Bremen und Borussia Mönchengladbach gleich drei Bundesligisten bezwingen konnten, war unglaublich. Ich habe immer noch einige Trikots aus dieser Zeit zu Hause. Im Halbfinale waren wir dann recht chancenlos gegen den späteren Pokalsieger VfL Wolfsburg. Ich fand es aber beeindruckend, dass die Fans ein feines Gespür bewiesen haben. Sie haben uns trotz des 0:4 für unsere Leistungen im Pokal gefeiert. Daran erinnere ich mich gerne.

DFB.de: Wie stehen die Chancen der "Löwen" gegen den Karlsruher SC?

Salger: Mit KSC-Trainer Christian Eichner habe ich beim 1. FC Köln noch gemeinsam gespielt. Ich finde es beeindruckend, welchen Weg er eingeschlagen hat. Mit seiner offenen und kommunikativen Art schafft er es, der Mannschaft eine klare Handschrift zu vermitteln. Wenn die Karlsruher einen guten Tag erwischen, wird es für uns schwer. Es liegt an uns, das nicht zuzulassen. Wir wollen den KSC zum Verzweifeln bringen.

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