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Regionalliga-Start: RWE, OFC und Co. träumen von der 3. Liga

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Zwei Viertliga-Staffeln – der Nordosten und die Bayern – sind bereits im Spielbetrieb. Nun geht es auch im Südwesten, Westen und Norden endlich los. Wir blicken auf die traditionsreichen Schwergewichte und alle anderen Klubs, die mit dem Favoritenstatus an den Start gehen und von Aufstieg oder Rückkehr in die 3. Liga träumen.

Regionalliga West: RWE und Münster als Topfavoriten

20 Mannschaften haben sich für die diesjährige Regionalliga-Saison im Westen qualifiziert: Abgestiegen ist einzig der SV Bergisch Gladbach, aus der 3. Liga gesellt sich der KFC Uerdingen hinzu. Die Liga nach oben verlassen hat bekanntlich Borussia Dortmund II nach einem spektakulären und hochklassigen Kampf mit Rot-Weiss Essen. In Alemannia Aachen, RW Ahlen, Fortuna Köln, den Sportfreunden Lotte, Preußen Münster, Rot-Weiß Oberhausen, Uerdingen und dem Wuppertaler SV nehmen insgesamt acht Ex-Drittligisten teil – das ist Rekord unter allen Staffeln.

Und vor allem auf die Münsteraner sollte geachtet werden: Die haben in der Vorbereitung jedes Spiel für sich entschieden, darunter auch das gegen den MSV Duisburg (3:2). Auch im Pokalspiel gegen Wolfsburg hielt der SCP gut mit und war zwischenzeitlich sogar in Führung, ehe es in der Verlängerung der Knockout gab – zumindest vorerst. Denn weil die Wölfe sechs statt der erlaubten fünf Wechsel vornahmen, legten die Preußen Einspruch ein. Abgänge mussten sie derweil kaum verkraften, haben die homogene Mannschaft gezielt verstärkt und viele Eigengewächse integriert. Experten prognostizieren einen Zweikampf mit dem jahrelangen Dauerfavoriten RW Essen, der denkbar knapp scheiterte und in der Folge mehr Leistungsträger als sonst ziehen lassen musste. Gerade Mittelfeldmotor Amara Condé, der derzeit beim 1. FC Magdeburg glänzt, und Marco Kehl-Gomez (Türkgücü) fehlen bitterlich. Königstransfer ist hier Zlatko Janjic, der an der Seite von Toptorjäger Simon Engelmann auflaufen könnte – schafft er nach dem Aufstieg mit dem SC Verl 2020 das Kunststück nochmal?

Abseits der beiden Topfavoriten gibt es durchaus Chancen für Kandidaten, die sich in der verdeckten Rolle sehr wohl fühlen. Fortuna Köln und Rot-Weiß Oberhausen zählen zu den Vereinen, die an nächster Stelle genannt werden, die zweiten Mannschaften von Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln ebenso. Hinter Alemannia Aachen steckt dagegen nur noch der große Name, nicht aber die finanzielle Schlagkraft, um die Spitze ärgern zu können.

Regionalliga Südwest: Elversberg will hoch

Die im Vorjahr mit 22 Teams klar überdimensionierte Südwest-Liga wurde zur neuen Saison auf 19 Teilnehmer verkleinert: Bayern Alzenau und Eintracht Stadtallendorf stiegen mit klarem Abstand ab, der SC Freiburg II schaffte den direkten Aufstieg. Absteiger aus den Bundesländern Hessen, Rheinland-Pfalz, dem Saarland sowie Baden-Württemberg gab es keine. Auch hier nennen wir gerne alle Klubs, die wir aus der 3. Liga kennen: den VfR Aalen, die SV Elversberg, den FSV Frankfurt, Sonnenhof Großaspach, Mainz 05 II, die Kickers Offenbach und den VfB Stuttgart II – also insgesamt sieben Vereine.

Obwohl an der Spitze der Marktwerttabelle wie so oft die Talente von Bundesligisten – in diesem Fall jene der TSG Hoffenheim, Mainz 05 und des VfB Stuttgart – stehen, so gelten andere Namen als Favoriten. Unbekannt sind diese nicht: Die SV Elversberg um den drittliga-erfahrenen Trainer Horst Steffen (Stuttgarter Kickers, Preußen Münster, Chemnitzer FC) erzielte im Vorjahr als knapp geschlagener Zweiter 98 (!) Tore und hat die eingespielte Mannschaft (1.024 Spiele Drittliga-Erfahrung!) nur punktuell verstärkt. Größter Kontrahent könnte ausgerechnet Steffens einstiger Co-Trainer Sreto Ristic und dessen Klub Kickers Offenbach sein: Der Vorjahresdritte verstärkte sich namhaft und verfügt ebenfalls über Routine: Die meiste Drittliga-Erfahrung hat Mathias Fetsch auf dem Buckel. Elia Soriano und Dejan Bozic komplettieren ein sehr betuchtes Offensivtrio am Bieberer Berg, es könnte die beste Sturmreihe der Liga sein.

Und dahinter? Mit 13 Transfers hat der ambitionierte TSV Steinbach Haiger, Fünfter der abgelaufenen Saison, seine Ambitionen unter Beweis gestellt, musste aber auch Schlüsselspieler wie Torjäger Sascha Marquet und Sören Eismann abgeben. Der SSV Ulm knackt ebenfalls die tausend Drittliga-Spiele Erfahrung dank der langjährigen Wegbegleiter Tobias Rühle, Thomas Geyer und Anton Fink, dessen 136 Tore in der 3. Liga so schnell von niemandem eingeholt werden. Und auch der FC Homburg 08 würde dem großen saarländischen Rivalen aus Saarbrücken ähnlich wie Elversberg seit Jahren gerne folgen. Die Ex-Drittligisten Aalen, Großaspach und FSV Frankfurt haben in dieser starken Konkurrenz nur Außenseiterchancen.

Regionalliga Nord: Lübeck eher kein Kandidat

Während im Westen und Südwesten die Saison 2020/21 auf Biegen und Brechen durchgezogen wurde, brach der Norden ab. Der TSV Havelse freute sich infolge dessen über den Drittliga-Aufstieg nach nur neun Punktspielen plus des gewonnenen "Shootouts" gegen den FC Schweinfurt. Ihn "ersetzt" Absteiger VfB Lübeck, den es nur ein Jahr in der 3. Liga hielt. Damit sind weiterhin 20 Teams am Start, die erneut in zwei 10er-Staffeln "Nord" und "Süd" aufgeteilt werden: Diesen Modus, um anschließend einen Aufstiegsspiel-Teilnehmer gegen den Besten der Nordost-Staffel zu ermitteln, hat der Norddeutsche Fußballverband exklusiv. Auch die Drittliga-Erfahrung hält sich in Grenzen: Neben Lübeck war ausschließlich Werder Bremen II bereits Gast in Liga 3. Knapp rettete sich bekanntlich der SV Meppen dank des Uerdinger Rückzugs vor dem Absturz in den gehobenen Amateursport.

Nun läge es nahe, den VfB Lübeck als klaren Favoriten auf den direkten Wiederaufstieg einzuordnen. Wirklichen Anlass dazu gibt es jedoch nicht: Der Absteiger hat abseits von Kapitän Tommy Grupe fast den gesamten Kader ausgetauscht und zum Großteil durch blutjunge Spieler (Altersdurchschnitt: 22,7) ersetzt. Schwer vorstellbar, dass der VfB damit die etablierten Nord-Regionalligisten wie beispielsweise Weiche Flensburg, das einst an Energie Cottbus in den Aufstiegsspielen scheitert, gefährden kann. Unter den zweiten Mannschaften bleibt die Werder-Reserve, angeführt vom so erfahrenen Philipp Bargfrede, ein heißer Tipp für eine vordere Platzierung, der SVW aber verzichtete in der Vorsaison – obgleich besser platziert als Havelse – auf die Teilnahme am Aufstiegsspiel, auch aufgrund der angespannten wirtschaftlichen Lage.

Allenfalls kleine Chancen gibt es noch für den SV Drochtersen/Assel sowie Teutonia Ottensen, das im Frühjahr trotz begrenzter infrastruktureller Möglichkeiten ankündigte, in die 3. Liga aufsteigen und sich als dritte Kraft in der Millionenstadt Hamburg etablieren zu wollen. Auch die zweiten Mannschaften der Zweitligisten Hannover 96 und des FC St. Pauli kämen in besonderen Jahren für eine Spitzenplatzierung in Frage. Doch hier wie an fast allen Standorten stellt sich im Fußball-Norden die Frage: Wer kann – und will – sich die 3. Liga überhaupt leisten?

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