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·5. Oktober 2022

Neuauflage des EM-Halbfinales: Deutschland-Frankreich in der Vorschau

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Am Freitag um 20:30 Uhr trifft das deutsche Nationalteam in Dresden auf Frankreich (live in der ARD übertragen). Es ist die Neuauflage des EM-Halbfinales, das Deutschland dank eines Doppelpacks von Alexandra Popp mit 2:1 für sich entscheiden konnte. Bisher sind 24.500 Karten verkauft, die Vorfreude der Spielerinnen ist groß.

Deutschlands Kader: Einige Ausfälle, aber nur eine Neue

Martina Voss-Tecklenburg muss für die anstehenden Spiele gegen Frankreich und die USA auf einige Spielerinnen verzichten: Giulia Gwinn, Sara Däbritz, Marina Hegering und Laura Freigang fallen verletzungsbedingt aus, Lina Magull hat zudem Corona. Für Almuth Schult hätte sich die Anreise aus den USA nicht gelohnt, dafür darf eine neue Torhüterin erste Erfahrungen beim DFB-Team sammeln. Maria-Luisa Grohs, die im Bayern-Trikot zuletzt starke Leistungen gezeigt hatte, wurde das erste Mal ins Team berufen, mit Stina Johannes (Frankfurt) ist eine weitere junge Torhüterin dabei.

Da mit Magull und Däbritz im Mittelfeld zwei Stammspielerinnen ausfallen, ist die Aufstellung dort am schwersten vorherzusagen. Linda Dallmann hat zuletzt bei Bayern mit drei Toren und zwei Vorlagen zum Saisonstart geglänzt, ein Startelf-Einsatz scheint wahrscheinlich. Kathrin Hendrich unterstrich vor dem Spiel die Qualitäten von Dallmann: "Es ist kein Geheimnis, dass Linda eine außergewöhnliche Fußballerin ist, die eine besondere Technik am Ball hat und vor allen Dingen sehr unberechenbar ist - ich kann das gerade als Abwehrspielerin sehr gut beurteilen, denke ich", in einer Presserunde. Als Ersatz von Däbritz könnten Lena Lattwein oder Sydney Lohmann spielen. Ein weiterer offener Platz ist wegen Marina Hegerings Verletzung in der Innenverteidigung - dort kommen Sara Doorsoun, Sjoeke Nüsken, Sophia Kleinherne oder Jana Feldkamp in Frage.

Frankreich: Drei Debüts möglich, Baltimore aus dem Kader gestrichen

In dem Kader, den Trainerin Corinne Diacre für die Spiele gegen Deutschland ausgewählt hat, stehen einige neue Namen: Drei Spielerinnen könnten ihr Debüt für die Bleues geben. Die jüngste von ihnen ist die hochtalentierte Mittelfeldspielerin Laurina Fazer, die sich mit 18 Jahren bereits einen Namen bei Paris Saint-Germain gemacht hat. Ihre erste Nominierung schien für Fazer, bis zuletzt Kapitänin der U20, nur noch wie eine Frage der Zeit. Dazu kommen zwei neue Angreiferinnen: Lindsey Thomas, die bei AC Milan in der Serie A spielt, und Montpelliers Faustine Robert.

Nach der Veröffentlichung des Kaders musste Diacre wegen Verletzungen allerdings noch einige Änderungen vornehmen: Real Madrids Sandie Toletti sowie Paris' Sakina Karchaoui und Elisa De Almeida konnten nicht nach Clairefontaine reisen. Ersetzt wurden sie durch Ex-Bayern-Spielerin Viviane Asseyi, Ouleymata Sarr und Julie Thibaud. Rekordtorschützin wird noch länger mit einem Kreuzbandriss ausfallen.

Bei Flügelspielerin Sandy Baltimore entschied sich Diacre dagegen, sie aufgrund ihrer letzten Leistungen nicht in den Kader zu berufen. Nach einer sehr starken Saison 2020/21 hatte Baltimore letztes Jahr schwankende Leistungen gezeigt, ihr Saisonstart bei Paris Saint-Germain war nicht überzeugend. Diacre sagte dazu, Baltimore habe unter ihrem Niveau gespielt und sie habe daher anderen Spielerinnen eine Chance geben wollen.

Die Schlüsselfragen für Freitag

Nimmt man das Halbfinal-Spiel bei der EM zum Maßstab, dann wird die Zuschauer in Dresden vermutlich wieder ein temporeiches Spiel erwarten. In England hatte das deutsche Team vor allem mit einer disziplinierten Defensive überzeugt und Frankreich auf den Flügeln effizient ausgebremst. Im Gegenzug wurde Martina Voss-Tecklenburgs Team mit Gegenstößen gefährlich, Alexandra Popp lieferte sich viele Kopfballduelle mit der französischen Kapitänin Wendie Renard. Auch am Freitag könnte das ein Schlüsselduell werden.

Ob Popp in der Startelf steht, oder doch Lea Schüller (Bayern München) den Vorzug in der Sturmspitze erhält, wird eine der spannendsten Fragen vor der WM 2023 in Australien und Neuseeland. Popps Physis hatte gegen Frankreich eine große Rolle gespielt, Schüllers Stärke liegt dagegen in der intelligenten Bewegung zwischen den Abwehrreihen. Je nachdem, welches Spiel Voss-Tecklenburg erwartet, könnte also die Entscheidung fallen. Interessant wird auch, ob Deutschland, das sich bei der EM von der Spielanlage variabel zeigte, wieder vermehrt den Ballbesitz an sich reißen wird. Frankreich ist an sich ein Team, das gerne kontert, aber Voss-Tecklenburg wird ihnen sicherlich nicht viel Platz lassen wollen.

Die Stimmen vor dem Spiel

Lena Oberdorf will die schnellen Außenspielerinnen Frankreichs erneut ausbremsen / Daniela Porcelli/ISI Photos/GettyImages

Lena Oberdorf macht sich im defensiven Mittelfeld wieder auf ein herausforderndes Spiel gefasst, sieht Deutschland aber gut gerüstet, falls die Verteidigung steht: "Über Frankreich wissen wir, dass sie schnelle Außenspielerinnen haben und ein kreatives Zentrum. Da gilt es wieder, sich mit allen zusammen dagegen zu stemmen", sagte die 20-Jährige. Angesichts der vielen verkauften Karten ist die Vorfreude groß.

Frankreichs Trainerin Corinne Diacre sieht das Spiel primär als Vorbereitung für die WM. Sie zeigte sich optimistisch, was die Entwicklung ihres Teams angeht: "Normalerweise bin ich von Natur aus nicht sehr optimistisch, aber ich werde es. (...) Wir haben zwei schöne Spiele vor uns, eine Weltmeisterschaft, auf die wir uns vorbereiten müssen, und das ist das Einzige, was zählt. Wir müssen alles Schlechte ausblenden, uns auf das Positive und den Platz konzentrieren, um nach vorne zu schauen."

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